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Masken im Unterricht: Übertrieben oder sinnvolle Maßnahme? | BR24

© Bayerischer Rundfunk
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Guido Kirchner

In Nordrhein-Westfalen gilt noch bis Ende August eine Maskenpflicht an weiterführenden Schulen. Sind Masken im Unterricht ein sinnvoller Schutz oder eine übertriebene Maßnahme? Axinja Weyrauch hat mit Lehrern, Schüler und Ärzten gesprochen.

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Masken im Unterricht: Übertrieben oder sinnvolle Maßnahme?

Zum neuen Schuljahr ist in Bayern wieder Präsenzunterricht in gesamter Klassenstärke geplant. Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen läuft die Diskussion um eine Maskenpflicht während des Unterrichts auf vollen Touren.

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Von
  • Georgia Tscharke

Vieles deutet darauf hin, dass es mit Beginn des neuen Schuljahres in Bayern am 8. September eine Maskenpflicht auch im Schulunterricht geben könnte. Die bayerische Staatsregierung will kurz vor dem Ende der Sommerferien im Rahmen der Kabinettssitzung am 1. September darüber entscheiden. Bislang hatte als einziges Bundesland Nordrhein-Westfalen die Maskenpflicht im Unterricht ab Klassenstufe 5 eingeführt, lässt diese Regelung aber Ende August auslaufen.

Deutscher Lehrerverband kann sich Maskenpflicht vorstellen

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger aus Deggendorf, hält eine Maskenpflicht an Schulen für unabdingbar, wenn der Unterricht in üblicher Weise gehalten werden soll. "Wer vollen Unterrichtsbetrieb will, kommt an der Maskenpflicht nicht vorbei", hatte Meidinger bereits am 10. August 2020 der "Passauer Neuen Presse" gesagt.

Er bezeichnete es als "aberwitzig", dass in Supermärkten, Zügen, Bussen, Gaststätten und bei Veranstaltungen Masken und Abstandsregelungen vorgeschrieben seien und an Schulen auf beides verzichtet werde.

Maskenpflicht statt Maskengebot an bayerischen Schulen

Wenn die Abstandsregelungen nicht eingehalten werden können, wäre die Maskenpflicht die einzige Möglichkeit, die Schulen offen zu halten. Bisher galt in Bayern ein Maskengebot an Schulen, ab dem neuen Schuljahr wird es nach aktuellem Stand eine Maskenpflicht geben - allerdings zunächst nur bis zum eigenen Platz. Maskenpflicht während des Unterrichts soll es nur lokal an einzelnen Schulen geben, wenn die Infektionszahlen steigen - so sieht es ein Plan des Kultusministeriums vor.

Johannes Hübner, Arzt am Haunerschen Kinderspital in München, hält für Jugendliche Masken im Unterricht bei steigenden Infektionszahlen für sinnvoll:

"Ich glaube, dass man das den Schülern durchaus zumuten kann und dass es im Ernstfall besser wäre, den Schülern die Masken in der Schule vorzuschreiben als die Schulen zuzumachen. Ich glaube, die größte Katastrophe wäre wirklich, die Schulen zuzumachen." Johannes Hübner, Arzt

Allerdings seien Masken beim derzeitigen Infektionsgeschehen noch nicht notwendig, sagt Hübner.

Unterstützung für Maskenpflicht von der Wissenschaft

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Akademie Leopoldina haben kürzlich gefordert, dass im Unterricht Masken getragen werden sollen, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. In vielen Klassenzimmern dürfte dies der Fall sein, wenn die Klassen wieder in voller Stärke vertreten sind. Vertreter von Pädagogen in weiterführenden Schulen können sich eine Maskenpflicht im Unterricht ebenfalls vorstellen.

Für Heinz-Peter Meidinger, den Vorsitzenden des Deutschen Lehrerverbands, ist es eine Abwägung. Natürlich wolle niemand stundenlang eine Maske tragen, sagt Meidinger. Wenn die Schulen aber wieder vollständig geöffnet würden, wenn es das Infektionsgeschehen zulasse, gehörten halbierte Klassen der Vergangenheit an. "Und da muss man eine wirksame Alternative finden." Nach Meidingers Ansicht ist das die Maskenpflicht.

Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband zeigt sich skeptisch

Natürlich müssten Schulen eine Maskenpflicht umsetzen, wenn sie beschlossen wird, sagt auch Simone Fleischmann vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband. Sie ist aber skeptisch, wie gut der Unterricht gerade bei jüngeren Kindern mit Maske funktionieren kann. "Ich denke, dass dieses Maskengebot im Sinne von 8 bis 14 Uhr oder von 8 bis 16.30 Uhr im Ganztagesbereich auf lange Strecke nie durchzuziehen sein wird."

Nach den Schulferien vermutlich wie vor den Schulferien

Viel wahrscheinlicher, weil die Abstandsregeln vielerorts sich bereits vor den Schulferien nicht durchführen ließen, ist aber doch das bekannte Szenario: geteilte Lerngruppen, die sich wöchentlich oder täglich beim Präsenzunterricht abwechseln. Der Rest arbeitet wie vorher zuhause und bearbeitet größtenteils einen Berg von Arbeitsblättern.

Manchmal findet auch Unterricht mittels Videokonferenz statt. Aber das ist eher die Ausnahme als die Regel. Und eine Kontrolle der Anwesenheitspflicht für Schülerinnen und Schüler bei den digitalen Schüler-Lehrer-Treffen gibt es auch nicht. Alles schon erprobt. Schüler und Eltern ahnen, was im neuen Schuljahr auf sie zukommt.

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