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Superfood oder Hype: Was ist Manuka-Honig? | BR24

© MEV/Creativstudio

Manuka-Honig - Superfood oder Hype?

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    Superfood oder Hype: Was ist Manuka-Honig?

    Seit Jahrtausenden versüßt Honig unser Leben. Längst reicht das heimische Angebot nicht mehr aus, sodass große Mengen importiert werden. Wie auch der Manuka-Honig aus Neuseeland, der als Superfood gehandelt wird. Zu Recht?

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    Von
    • Marlene Riederer

    Goji-Beere, Spirulina, Moringa, Chia-Samen - alle diese doch eher exotischen Lebensmittel werden als sogenanntes Superfood bezeichnet. Sie gelten aufgrund ihrer hohen Nährstoffdichte und sekundären Pflanzenstoffe als besonders gesund. In diese Reihe gesellt sich auch der Manuka-Honig aus Neuseeland.

    Was ist Manuka-Honig?

    Manuka-Honig wird in Deutschland in Reformhäusern, Drogerie- und Supermärkten für einen stolzen Preis verkauft - dabei liegen 40 Euro pro 250 g eher in der unteren Preisklasse. Nach oben sind die Grenzen offen. Ein Preis, der sich durch das Versprechen auf seine Heilwirkung begründet. In Neuseeland behandeln sich die Ureinwohner bei Verletzungen seit jeher mit der Manuka-Pflanze. Der Honig aus dem Blütenstaub dieser Pflanze soll ebenfalls Heilwirkungen haben. Manuka-Honig ist also nicht nur süß und schmackhaft - wie jeder andere Honig auch - sondern soll, pur genossen, bei Entzündungen, Erkältungen, Zahnfleischproblemen und Magen-Darmproblemen helfen. An der Universität Ottowa konnte tatsächlich nachgewiesen werden, dass Manuka-Honig den Bakterienfilm bei einer chro­nischen Nasen­neben­höhlen­entzündung wirksam bekämpft.

    Die Heilkraft des Honigs: vom Manuka-Honig bis zum Wald-Honig

    Honig hat grundsätzlich den Ruf, ein wirksames Haus- und Naturheilmittel zu sein, das bei Erkrankungen der oberen Atemwege wie Halsschmerzen, Husten oder bei einer Erkältung wirksam sein kann. Zu diesem Ergebnis kamen auch Forscher der Oxford Universität, die in einer Meta-Analyse 14 Studien mit insgesamt knapp 1.400 Patienten miteinander verglichen und ausgewertet haben. Danach hilft Honig zum Beispiel, Husten-Symptome zu bekämpfen. Denn er verflüssigt die Sekrete in den oberen Atemwegen. Damit lässt der Hustenreiz nach und das "Abhusten" fällt leichter. Durch den hohen Zuckergehalt wird den Erregern Wasser entzogen und sie können sich nicht mehr vermehren. Auch die Inhaltsstoffe, Wasser­stoff­per­oxyd und Methylglyoxal, das im Manuka-Honig in besonders hohem Maße enthalten ist, wirken antibakteriell.

    Achtung: Manuka-Honig wird oft gefälscht

    Superfood hin oder her: Manuka-Honig ist ein gutes Geschäft, deswegen gibt es viel gefälschte Ware im Handel.

    "Der neuseeländische Manuka-Honig ist bekannt für seine einzigartige antibakterielle Wirkung. Aufgrund seines hohen Preises und begrenzter Verfügbarkeit, dieser Honig ist oft Gegenstand von Honigbetrug." Karl Speer, Professor für spezielle Lebensmittelchemie der TU Dresden

    Denn wie will der Verbraucher überprüfen, ob in dem Glas auch drin ist, was er so teuer bezahlt? In Neuseeland werden jährlich um die 1.700 Tonnen Manuka-Honig produziert, 10.000 Tonnen aber werden vermarktet.

    Der Verbraucher hat kaum Anhaltspunkte zu erkennen, ob er tatsächlich "echten" Manuka-Honig kauft. Auch die Angaben auf dem Glas können den Verbraucher in die Irre führen. Denn der hohe Anteil des stark antibakteriell wirkende Methylglyoxal, das den Manuka-Honig zu einem Merkmal ausmacht, kann auch künstlich hinzugefügt werden, sagt Speer. Ein Verbrauchersiegel, das hundertprozentige Sicherheit bietet, gibt es nicht. Speer rät deshalb, darauf zu schauen, ob der Anbieter Mitglied im Branchenverband UMFHA ist. Außerdem empfiehlt er, auf den Honig von großen Produzenten zurückzugreifen.

    Kein Speise-Honig zur Behandlung von Wunden

    Auch wenn Honig heilende Wirkungen hat, Speise-Honig, wozu auch der Manuka-Honig gehört, sollte man keinesfalls auf Wunden reiben. Dafür gibt es gereinigten Medizinalhonig, der beispielsweise in Kliniken zum Einsatz kommt. Manuka-Honig wird bei nicht chronischen Wunden wie beispielsweise bei Brandwunden, Verletzungen oder Hautschäden durch eine Strahlentherapie eingesetzt und erzielt dort gute Erfolge, wie Wissenschaftler aus Groß­britannien und Neuseeland in einer Metastudie herausgefunden haben, in der sie 26 Studien zur Wundheilung mit Honig analysiert haben.

    "Manuka-Honige wirken durch die hohe Menge an Methylglyoxal starkt antibakteriell. Es ist also ein natürlich wirksames Antibiotika und wird daher zur Wundbehandlung eingesetzt - also äußerlich. (...) Hierfür ist es wichtig, dass man ihn in der Apotheke kauft. Hier hat man die Garantie, dass diese Präparate auch spezielle Reinheits- und Sicherheitsanforderungen entsprechen. Normaler Speise-Honig kann nämlich Keime enthalten, die wiederum in die Wunde eindringen können." Daniele Krehl, Fachberaterin Lebensmittel und Ernährung von der Verbraucherzentrale Bayern

    Das sollte man nicht mit Honig tun!

    Honig sollte man nicht in kochend heiße Getränke geben, da seine Nährstoffe sonst kaputtgehen. Und für Kinder im ersten Lebensjahr sollten Honig tabu sein. Die Bakterien, die manchmal in naturbelassenem Honig sind, können zu Erkrankungen des Babys führen, da dessen Darmflora noch nicht soweit entwickelt und daher anfälliger ist.

    Woraus besteht Honig?

    Honig besteht zu rund 80 Prozent aus Zucker. Er hat mit 306 Kalorien pro 100 Gramm entsprechend weniger Kalorien als Kristallzucker (405 Kalorien), süßt aber ähnlich intensiv.

    Welche Honigsorten gibt es: Von Wald- bis zu Blütenhonig

    Waldhonig ist meist flüssiger und wesentlich dunkler als klassischer Blütenhonig, das Aroma zudem würziger, zum Teil ins Malzige gehend. Die Sortenvielfalt von Honig ist beeindruckend, wie der Deutsche Imkerbund aufweist. Stiftung Warentest hat 2019 Honige getestet. Die gängigsten Honigsorten sind:

    • Rapshonig: Hell, fast weiß, dezentes Aroma, vergleichsweise feste Konsistenz. Kristallisiert wegen des hohen Glukoseanteils besonders schnell.
    • Obstblütenhonig: zartgelb, dezentes Aroma, anfangs dünnflüssig. Langsame Kristallisierung.
    • Lindenhonig: Merkmale: Grauweiß, zartgelb bis zartgrün, kräftiges ausgeprägtes, an ätherische Öle erinnerndes Aroma.
    • Akazienhonig: Merkmale: Klar bis blaßgelb, mitunter leicht grün, mild-süßes Aroma, flüssige Konsistenz. Extrem langsame Kristallisierung.
    • Tannenhonig: Merkmale: Mittel- bis tiefbraun, würziges, harziges Aroma, weiche Konsistenz. Kristalliert sehr spät, bleibt lange flüssig.

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