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Frische Luft im Klassenzimmer: Was sind CO2-Ampeln? | BR24

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Alle Kinder in der Schule. Da wird es schnell eng. Was kann helfen, Corona-Infektionen zu vermeiden? Vorschläge gibt es viele, nicht alle sind effektiv. Helfen CO2-Ampeln?

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Frische Luft im Klassenzimmer: Was sind CO2-Ampeln?

Regelmäßiges Lüften senkt das Corona-Risiko. Das ist besonders jetzt relevant, wo die Schule wieder in voller Klassenstärke begonnen hat. Sogenannte CO2-Ampeln warnen, wann es wieder Zeit ist zu lüften.

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Innenräume regelmäßig und gründlich lüften - das empfiehlt das Umweltbundesamt UBA, um das Risiko einer Sars-CoV-2-Infektion zu reduzieren. Besonders relevant ist diese Ansage vor dem Hintergrund, dass die Schule wieder in voller Klassenstärke begonnen hat. Deshalb sollte auch in den Klassenräumen für eine möglichst hohe Zufuhr von Frischluft gesorgt werden, ungeachtet anderer Schutzmaßnahmen wie dem Einhalten von Mindestabständen oder dem Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung. Denn Tröpfchen und winzige Aerosol-Partikel sollen eine entscheidende Rolle bei der Übertragung von Sars-CoV-2 spielen. Vor allem die Aerosol-Teilchen, die beim Atmen, Husten, Sprechen und Niesen entstehen, können nach bisherigen Erkenntnissen Stunden bis Tage in der Luft schweben. Konsequentes Lüften könne das Risiko für Ansteckungen deutlich reduzieren, aber keinen hundertprozentigen Schutz bieten, heißt es in der Stellungnahme der "Kommission Innenraumlufthygiene" am UBA.

Wie sollte gelüftet werden?

Optimal ist eine Lüftung über gegenüberliegende Fenster, die über einen Durchzug schnell für Frischluft sorgen. Aber darüber verfügen Klassenzimmer in der Regel nicht. Auch das Stoßlüften mit weit geöffneten Fenstern über einige Minuten Dauer ist wirksam. Wenn jemand gehustet oder genießt hat, sollte sofort gelüftet werden. Fenster auf Kipp zu stellen, auch wenn das dauerhaft geschieht, sei nicht ausreichend, so das UBA.

Wie oft sollte gelüftet werden?

Generell gilt: Je mehr Menschen im Raum, desto häufiger. TÜV-Arbeitsmediziner und Berufsgenossenschaften empfehlen, Räume mit mehreren Personen mindestens alle 20 Minuten für mehrere Minuten zu lüften. In der Schule sollte in den Pausen ausgiebig gelüftet werden und auch mal zwischendurch im Unterricht, vor allem, wenn dieser länger als 45 Minuten dauert.

CO2-Ampeln zeigen an, wann es Zeit ist zu lüften

Doch wann ist es spätestens Zeit durchzulüften? Sogenannte CO2-Ampeln geben einen Hinweis, wenn sich die Luftqualität verschlechtert. Sie messen in Räumen die Konzentration von Kohlendioxid und zeigen an, wann gelüftet werden sollte. Denn wo viel ausgeatmet wird, steigt der CO2-Spiegel und mit ihm die Aerosolkonzentration. Nach aktuellen Forschungsergebnissen stehen CO2-Belastung und Virenlast in einem Zusammenhang.

Die CO2-Ampeln könnten, so das Umweltbundesamt, als "grober Anhaltspunkt" dafür dienen, ob gelüftet werden müsse. Eine CO2-Konzentration von höchstens 1000 ppm - das heißt Teile pro eine Million Teile - zeige "unter normalen Bedingungen einen hygienisch ausreichenden Luftwechsel an". Ein solches Gerät kostet pro Klassenzimmer circa 50 Euro.

Viele Schulen können nicht "richtig" lüften

Das Problem: In Schulen besteht häufig gar nicht die Möglichkeit, wirksam zu lüften, da vielfach aus Sicherheitsgründen Fenster nur gekippt werden können. Luftreiniger, die einen ausreichenden Luftwechsel sicherstellen können, sind nur in sehr wenigen Schulen vorhanden. Der Luftwechsel in Unterrichtsräumen ist daher in den meisten Fällen nicht ausreichend, sodass es zu einem Anstieg der Konzentration potenziell virenbelasteter Aerosole kommen kann.

Auch wo die Möglichkeit besteht, ausreichend zu lüften zu können, besteht die Gefahr, dass das Lüften vernachlässigt wird - spätestens dann, wenn es draußen kalt wird und die Schüler und Schülerinnen im Klassenzimmer zittern. Kalte Luft und Heizungsluft trocknen zudem die Schleimhäute aus, sodass eine wichtige Schutzbarriere, die das Eindringen von Erregern erschwert, gestört ist. So erhöht sich das Infektionsrisiko weiter.

Sind Raumluftreiniger eine Lösung?

Der Bayerische Philologenverband (bpv) forderte schon im August mit Blick auf die kühlere Jahreszeit Raumluftreiniger für Klassenzimmer zum Schutz vor Coronaviren. Bei guter Lüftung könnten so auch Lehrer aus Risikogruppen eher wieder eingesetzt werden, so ein Argument. Die Geräte kosteten ab 2.000 Euro, man bräuchte also bis zu 100 Millionen Euro, um die rund 50.000 Klassenzimmer in Bayern damit auszustatten. Vermutlich sei diese Summe aber niedriger, da es an einigen Schulen bereits ausreichende Lüftungssysteme gebe, so der bpv. Forscher der Universität der Bundeswehr München hatten einen Raumluftreiniger untersucht und eine Halbierung der Aerosolkonzentration binnen weniger Minuten festgestellt. Sie empfahlen die Geräte deshalb auch für Schulen oder Büros.

Helfen Luftreiniger, die Verbreitung der Viren einzudämmen?

Aber nur Luftreiniger mit besten Schad- und Schwebstofffiltern können zur Verringerung der Virenlast in der Luft beitragen, so die Innenraumlufthygiene-Kommission (IRK) am Umweltbundesamt in Dessau-Roßlau. Sie hält den Einsatz von mobilen Luftreinigern in Klassenräumen oder zu Hause für nicht geeignet, da sie das aktive Lüften nicht ersetzen, sondern allenfalls ergänzen können.

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