Eine Frau schaut am Flughafen Frankfurt in Richtung eines Flugzeugs mit dem Logo der Lufthansa auf der Heckflosse.
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Lufthansa streicht am Mittwoch fast alle Flüge in Frankfurt und München (Archivbild).

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Lufthansa-Streik: Flug gecancelt, was tun?

Der erste Streik nach Corona trifft die Lufthansa und ihre Passagiere mitten in den Ferien hart. Die Airline streicht für Mittwoch und weitere Tage zahlreiche Flüge, auch in München. Fragen und Antworten zu den Folgen des Warnstreiks von Verdi.

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Hauptreisezeit an deutschen Flughäfen und die Gewerkschaft Verdi kündigt einen Warnstreik des Lufthansa-Bodenpersonals an: Dies hat nun laut der Airline massive Auswirkungen. Lufthansa muss am Mittwoch nach eigenen Angaben fast alle seine Flüge von und zu den Drehkreuzen Frankfurt und München streichen, mehr als 130.000 Passagiere sind betroffen.

Von wann bis wann geht der Lufthansa-Streik?

Verdi hat die rund 20.000 Beschäftigen am Boden der Deutschen Lufthansa AG zu einem Warnstreik von Mittwochfrüh, 3.45 Uhr bis Donnerstagfrüh, 6.00 Uhr aufgerufen.

Welche Flughäfen in Bayern sind betroffen?

Das Drehkreuz in München ist stark von den Flugstreichungen betroffen: Nach Unternehmensangaben müssen bereits insgesamt 345 Flüge abgesagt werden. Der Flughafen Nürnberg dagegen wird von dem Warnstreik voraussichtlich kaum betroffen sein, sagte Dennis Dacke von der Gewerkschaft Verdi auf Nachfrage zu BR24. Laut einem Sprecher des Flughafens Nürnberg sind auch keine Lufthansa-Flüge von Nürnberg nach Frankfurt von dem Streik betroffen. Lufthansa habe die Flüge unabhängig vom Streik bis einschließlich Mittwoch ausgesetzt.

Außerhalb von Bayern werden laut Verdi am Mittwoch verschiedene Lufthansa-Gesellschaften an dem Drehkreuz Frankfurt sowie in Düsseldorf, Hamburg, Berlin, Bremen, Hannover, Stuttgart und Köln bestreikt. An den dezentralen Flughäfen fallen jeweils nur die Lufthansa-Flüge von und nach München und Frankfurt aus, wie ein Sprecher erläuterte. Verdi rief zu Kundgebungen an den Flughäfen Frankfurt, Hamburg und München auf.

Flug gecancelt: Was können Reisende jetzt tun?

Am Dienstag erklärte die Lufthansa, sie habe alle betroffenen Passagiere umgehend über die Streichung ihres Fluges informiert und nach Möglichkeit auf alternative Verbindungen umgebucht. Diese seien aber "sehr begrenzt". Unter anderen sind in den folgenden Tagen viele Flieger bereits voll.

Die Verbraucherzentrale empfiehlt bei kurzfristig erfahrenen Annullierungen, Informationen schriftlich zu dokumentieren - etwa den Zeitpunkt des geplanten Abfluges, das Verhalten der Airline und eventuelle Daten des angebotenen Ersatzfluges.

Grundsätzlich sind Fluggesellschaften nach Angaben des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) verpflichtet, bei streikbedingt gestrichenen Flügen eine Ersatzbeförderung anzubieten. Alternativ können betroffenen Kunden auch auf den Flug verzichten und sich den Preis für das bereits bezahlte Ticket erstatten lassen. Dafür hat die Airline sieben Tage Zeit. Wünschen Reisende eine Ersatzbeförderung, sollten Betroffene demnach beim Unternehmen auch aktiv darauf drängen.

Wie muss der Ersatz aussehen?

Die Verbraucherschützer weisen darauf hin, dass die Ersatzbeförderung unter Umständen auch bedeuten kann, wesentlich später als geplant abzuheben. Es kann durchaus dazu kommen, dass ein Ersatzflug erst einen oder mehrere Tage später organisiert werden kann.

Generell müssen Fluglinien alles Zumutbare tun, um ihre Passagiere trotz Ausfällen bei Streiks kostenlos auf alternativen Wegen zu vergleichbaren Konditionen an ihr Ziel zu bringen. Ob und wann eine Airline gerade im Fall großflächiger Ausfälle durch Streikmaßnahmen Ersatz organisieren kann, ist eine andere Frage. Je nach Umständen und Entfernung kann ein alternativer Transport auch durch Bereitstellung von Bahnfahrten oder Mietwagen erfolgen.

Gibt es Betreuungsleistungen?

Kann eine Fluggesellschaft die gewünschte Ersatzbeförderung erst mit mehr oder weniger großer Verzögerung organisieren, haben Reisende außerdem das Recht auf Betreuungsleistungen. Diese sind gestaffelt nach Zeitspanne und reichen von Verpflegung bis hin zu etwaigen Hotelübernachtungen. Ist eine Fluggesellschaft nicht erreichbar oder verweigert eine Kooperation, können sich Betroffene selbst darum kümmern und ihre Auslagen später zurückfordern.

Was ist bei Pauschalreisen?

Anders ist die Lage bei Flügen im Rahmen einer Pauschalreise: Dann ist der Reiseveranstalter als Ansprechpartner für Reisende zuständig, nicht die bestreikte Fluglinie. In diesem Fall sollten sich Betroffene direkt an ihren Veranstalter wenden und auf alternative Lösungen drängen.

Gibt es pauschale Entschädigungen?

Früher wurden Streiks juristisch meist als ein Fall höherer Gewalt eingestuft, in dem die Gesellschaften betroffenen Passagieren keine Entschädigung zahlen müssen. Inzwischen hat sich die Rechtslage allerdings ausdifferenziert.

So urteilte der Europäische Gerichtshof im März vergangenen Jahres zu einem Pilotenstreik bei der Fluglinie SAS, dass dieser kein sogenannter außergewöhnlicher Umstand sei, der ein Unternehmen von der Zahlung einer Entschädigung laut europäischer Fluggastrechteverordnung entbinde. Die Verbraucherzentrale und andere Experten betonen allerdings, dass immer der konkrete Fall geprüft werden müsse. So kann sich ein Unternehmen demnach durch rechtzeitige Informationen oder besondere Umstände doch entlasten.

Lohnt es sich, an den Flughafen zu fahren?

Die Lufthansa riet Passagieren, die kein Umbuchungsangebot erhalten haben, dringend davon ab, an die Flughäfen zu kommen. Dort seien wegen des Streiks "nur wenige oder gar keine" Serviceschalter geöffnet. Umsteiger ohne Anschlussflug sollten nicht an die deutschen Drehkreuze fliegen. Es bestehe die Gefahr, dass die Gäste dort für mehrere Stunden oder Tage nicht weiterreisen könnten.

Was ist mit Tochtergesellschaften und anderen Airlines?

Zu den über 1.000 abgesagten Flügen mit LH-Flugnummer können weitere Verbindungen von Konzerngesellschaften wie Swiss, Austrian oder Air Dolomiti kommen, da sie an den Drehkreuzen von Lufthansa-Bodenpersonal abgefertigt werden. Die nicht bestreikte Direktflug-Tochter Eurowings geht von einem weitgehend normalen Flugbetrieb im gesamten Netz aus. Der Ferienflieger Condor muss nach eigenen Angaben bislang keine Flüge streichen. Umsteiger, die eigentlich mit Lufthansa-Flügen anreisen sollten, würden gebeten, auf die Bahn umzusteigen.

Generell gilt: Die Vernetzung in der Branche ist eng, Lufthansa-Töchter bieten auch anderen Fluggesellschaften zahlreiche Dienstleistungen an. Unklar ist, wer in welchem Umfang betroffen sein wird - das kann sich teilweise auch kurzfristig herausstellen. Auch Flugpassagiere anderer Gesellschaften sollten sich also vorab erkundigen, ob ihr Flug betroffen ist.

Wie geht es die nächsten Tage weiter?

Lufthansa befürchtet Auswirkungen des Streiks - also einzelne Flugausfälle und Verspätungen - noch bis Freitag, dem letzten Schultag vor den Sommerferien in Bayern. Lufthansa und Verdi haben bisher in zwei Runden über die künftigen Gehälter und Arbeitsbedingungen Bodenbeschäftigten gesprochen. Ein dritter Termin ist für den 3. und 4. August in Frankfurt am Main vereinbart.

Mit Material von AFP und dpa.

Streik am Flughafen München
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