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Feinstaub in der Plazenta von Müttern entdeckt | BR24

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Belgische Wissenschaftler haben entdeckt, dass Feinstaub über die Lunge in die Blutbahn und so in die Plazenta von Schwangeren gelangen kann.

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    Feinstaub in der Plazenta von Müttern entdeckt

    In der Plazenta von Frauen, die während der Schwangerschaft Luftverschmutzung ausgesetzt waren, wurden schwarze Kohlenstoffpartikel gefunden. Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um festzustellen, ob die Partikel den Fötus erreichen können.

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    Werdende Mütter sollten auf ihre Gesundheit achten. Sie sollten sich gut ernähren und Spaziergänge an der frischen Luft machen. Nun gilt das natürlich nicht nur für Schwangere, aber für sie im Besonderen. Allerdings sollte die Luft tatsächlich sauber sein, denn belgische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Feinstaub über die Lunge in die Blutbahn und so in die Plazenta gelangen kann. Das hat möglicherweise Einfluss auf den Fötus.

    Plazenta dient als Schranke für Schadstoffe

    Die Plazenta versorgt während der Schwangerschaft das ungeborene Baby mit Sauerstoff und Nährstoffen, hält aber auch schädliche Stoffe, Bakterien und Viren zurück. Doch nicht alle Schadstoffe werden herausgefiltert, das gilt bekanntermaßen für Alkohol, Nikotin und viele Medikamente. Nun konnten Forscher um Tim Nawrot von der Universität Hasselt auch Kohlenstoffpartikel auf der kindszugewandten Seite der Plazenta nachweisen. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie am 17. September 2019 im Fachjournal Nature Communications.

    Schwanger bei hoher und niedriger Luftverschmutzung

    Die Wissenschaftler untersuchten nach der Entbindung das Plazentagewebe von zehn Müttern, die während ihrer Schwangerschaft einem hohen Grad an Luftverschmutzung (2,42 Mikrogramm pro Kubikmeter) ausgesetzt waren. Dann verglichen sie die Werte mit denen von zehn Müttern, die in einer Umgebung mit niedrigem Anteil an Kohlenstoffpartikeln (0,63 Mikrogramm pro Kubikmeter) in der Luft lebten. Sie fanden heraus, dass die Menge der Partikel in der Plazenta korreliert mit dem Grad der Luftverschmutzung, dem die Frau während der Schwangerschaft ausgesetzt war.

    Rußpartikel bereits zu Beginn der Schwangerschaft nachweisbar

    Das Team um Tim Nawrot konnte außerdem in einer kleineren Stichprobe von fünf Plazenten von Fehlgeburten feststellen, dass sich die Kohlenstoffpartikel, die zum großen Teil aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe stammen, bereits in der zwölften Schwangerschaftswoche nachweisen lassen.

    Leichtere Babys und Risiko für Fehlgeburt erhöht

    Die entscheidende Frage ist nun, welche Auswirkungen die Luftverschmutzung auf die Entwicklung der Babys während der Schwangerschaft hat. Bereits frühere Studien konnten belegen, dass der Fötus weniger wächst, bei der Geburt leichter ist und das Risiko für eine Fehlgeburt erhöht ist, wenn die Luftverschmutzung hoch ist. Wissenschaftler vom Universitätsspital Bern konnten zudem nachweisen, dass sich die Feinstaubbelastung auf die Lungenentwicklung und –funktion von Neugeborenen auswirkt.

    Studie liefert keinen direkten Beweis für Langzeitfolgen

    Tim Nawrot und seine Kollegen haben gezeigt, dass Feinstaubpartikel über die Plazenta in den Fötus gelangen können. Zudem stören sie die Funktion der Plazenta und damit indirekt das Wachstum des Fötus. Ob die Partikel den Fötus aber tatsächlich erreichen oder von Immunzellen in der Plazenta angegriffen werden, diese Antwort bleiben die Wissenschaftler schuldig. Dazu müsste beispielsweise im Nabelschnurblut gemessen werden, ob dort auch Kohlenstoffpartikel ankommen.

    "Wir wissen seit langem, dass Umwelteinflüsse wie zum Beispiel Luftverschmutzung oder natürlich auch Zigarettenrauch einen Einfluss auf das Wachstum des Fötus haben. Wir wissen auch, dass dies Langzeiteffekte haben kann, die bis ins Erwachsenenalter nachweisbar sind. Allerdings wissen wir nicht, welche Einzelfaktoren hier eine Rolle spielen. Die Studie der belgischen Kollegen zeigt nun erstmals, dass Kohlenstoffpartikel aus der Umwelt auch im realen Leben zumindest die fötale Seite der Plazenta erreichen können – nicht nur in Laborversuchen. Damit erweitert sich die Liste der Schadstoffe, die potenziell den Fötus schädigen können." Dr. Torsten Plösch, Universitätsdozent und Leiter der Forschungsgruppe Experimentelle Perinatologie, Universitätsfrauenklinik Groningen, Niederlande