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Feinstaub Klein, aber gefährlich

Feinstaub ist winzig, doch gerade deswegen gefährlich. Aber was ist Feinstaub eigentlich, wo kommt er her und warum sind die Partikel schädlich für die Gesundheit?

Stand: 05.11.2018

Braunkohlekraftwerk | Bild: picture-alliance/dpa

Feinstaub ist ein Sammelsurium von Partikeln, die in der Luft schweben und die einen Durchmesser von weniger als 10 Mikrometern (µm) haben, also weniger als 10 Tausendstel Millimeter. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar hat einen Durchmesser von 70 Mikrometern.

Einteilung nach Quelle ...

Messgeräte zur Bestimmung des Feinstaubgehalts in der Luft

Feinstaub besteht aus den verschiedensten Substanzen und stammt aus sehr unterschiedlichen Quellen. Er kann direkt abgegeben werden, zum Beispiel bei Verbrennungsprozessen. Dann nennt man ihn primären Feinstaub. Die winzigen Partikel können aber auch aus gasförmigen Vorläufersubstanzen wie Schwefel- und Stickoxide und Ammoniak entstehen. In diesem Fall wird er als sekundärer Feinstaub bezeichnet.

... und Größe

Feinstaub wird aber auch seiner Größe nach unterschieden und in sogenannte Größenfraktionen eingeteilt (PM steht für "particulate matter", englisch "Feinstaub")

  • PM10: Partikel mit einem maximalen Durchmesser von 10 µm
  • PM2,5: Partikel mit einem maximalen Durchmesser von 2,5 µm
  • Ultrafeine Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 0,1 µm

Feinstaub-Quellen

Abrieb

Abrieb entsteht vor allem im Straßenverkehr, zum Beispiel als Bremsabrieb, Reifenabrieb und Straßenabrieb. Als 2005 neue EU-Grenzwerte für den Feinstaubgehalt der Luft in Kraft traten, zeigt sich: An dicht befahrenen Straßen sind die Konzentrationen oft besonders hoch. Zum Teil war dafür der Abrieb unterschiedlicher Herkunft verantwortlich.

Autoabgase

In Ballungsgebieten ist der Straßenverkehr die größte Quelle von Feinstaub. Dieselmotoren stoßen besonders viel davon aus. Drei Maßnahmen sollen den Feinstaub aus dem Verkehr reduzieren

  • Dieselrußfilter für Pkw
  • Lkw-Durchfahrtsverbote in Städten.
  • Umweltzonen in den Innenstädten. Dort dürfen nur Fahrzeuge fahren, die bestimmte Emissionswerte einhalten.

Autoabgase II

Diese Maßnahmen waren erfolgreich: In Bayern hat die Feinstaub-Belastung durch Fahrzeuge insbesondere in den Städten abgenommen. Die Grenzwerte wurden in Bayern seit 2010 "formal" nicht mehr überschritten, das heißt:

  • 2011 gab es zwar an zwei Mess-Stellen in München und Augsburg Überschreitungen. Es galt aber eine Sonderregelung, weil dort der Feinstaub in engen Straßenschluchten schlecht abziehen konnte.
  • Im Winter stammt ein Teil des Staubs von Streusalz, der nicht mitgezählt wird.

Heizungen

Immer mehr Haushalte heizen wieder auch mit Holz- und Kohleöfen. Diese geben Ruß und damit Feinstaub ab. Auch Hackschnitzel-Heizungen gehören zu den sogenannten Feststoff-Feuerungsanlagen. Diese tragen weniger als Öfen zur Feinstaubbelastung bei, allerdings deutlich mehr als beispielsweise Gasheizungen.
Generell gilt bei Feststoff-Heizungen: Anlagen, die automatisch betrieben werden, haben bessere Feinstaubwerte als beispielsweise ein Kachelofen, der von Hand angefeuert und beschickt wird.

Industrie

Die Industrie war früher die bedeutendste Quelle für Feinstaub, vor allem in Form von Ruß und Asche. In der Bundesrepublik gingen industrielle Staubemissionen seit Ende der 60er-Jahre zurück, nicht aber in der DDR. Die Wirkung von Feinstaub auf die Gesundheit zeigte sich nach der Vereinigung der beiden Staaten. In Gebieten, in denen sich die Luftqualität verbessert hatte, sank bei Kindern die Häufigkeit von Bronchitis.

Landwirtschaft

Auch die Landwirtschaft ist eine bedeutende Feinstaubquelle. So wird bei der Ernte, beim Umfüllen und Transport von beispielsweise Getreide viel Staub aufgewirbelt. Darüberhinaus produziert die Laufwirtschaft besonders viel gasförmige Vorläuferstoffe von Feinstaub, insbesondere Ammoniak in der Tierhaltung. Diese tragen deutlich zur Bildung von sekundärem Feinstaub bei.

Risiken für die Gesundheit

PM10-Teilchen können beim Menschen in die Nasenhöhle gelangen, PM2,5 bis in die Bronchien und ultrafeine Partikel sogar bis ins Lungengewebe und den Blutkreislauf. Die Auswirkungen von Feinstaubpartikel auf die Gesundheit sind unterschiedlich, je nachdem, wie groß sie sind und wie tief sie in den Körper eindringen. Mögliche Folgen sind Reizungen der Schleimhaut sowie Entzündungen in Luftröhre, Bronchien und Lungenalveolen. Feinstaub kann auch zur Plaquebildung in den Blutgefäßen beitragen und das Risiko für Thrombosen erhöhen. Die winzigen Staubteilchen können Herz und Gefäße schädigen, und, so glauben Forscher , im Hirn die Entstehung von Alzheimer-Demenz fördern. Auch das Diabetes-Risiko steigt bei erhöhter Feinstaubbelastung.

Feinstaub-Grenzwerte

Auch die Tierhaltung trägt deutlich zur Feinstaubbelastung bei.

Seit 2005 gelten in der EU Grenzwerte für die Feinstaubfraktion PM10. Der Tagesgrenzwert beträgt 50 µg/m3. Dieser darf nicht öfter als 35 Mal im Jahr überschritten werden. Der zulässige Jahresmittelwert beträgt 40 µg/m3. Für die noch kleineren Partikel PM2,5 liegt der Grenzwert bei 25 µg/m3 im Jahresmittel. Seit 1. Januar 2015 muss dieser verbindlich eingehalten werden. Ab 1. Januar 2020 dürfen die Jahresmittelwerte beim PM2,5-Feinstaub nicht mehr über 20 µg/m3 liegen.

Überschrittene Feinstaub-Grenzwerte in Bayern

Vor allem in den Herbst- und Wintermonaten werden in Städten mit viel Verkehr die erlaubten Tagesgrenzwerte von 50 µg/m immer wieder überschritten. In München, Würzburg, Nürnberg und Augsburg messen Stationen regelmäßig zu hohe Werte. Messungen des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) zufolge, überschreiten zum Beispiel die Werte am Stachus in München, am Stadtring Süd in Würzburg und in der Nürnberger Von-der-Tann-Straße immer wieder die Tagesgrenzwerte.

  • "Feinstaub - Trotz Umweltzonen immer noch ein Problem" und "Was tun gegen Feinstaub?", Studiogespräch mit Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer Deutsche Umwelthilfe: Notizbuch, Bayern 2, 20.12.2012, 10:05 Uhr
  • "Wie gefährlich ist Feinstaub?": W wie Wissen, 27.10.2016, ARD-alpha, 19:30 Uhr
  • "Feinstaub-Alarm: Atemnot durch dicke Luft": Unkraut, BR Fernsehen, 06.03.2017, 19:00 Uhr
  • "Dicke Luft in der Stadt - Was sich auf unseren Straßen ändern muss": Notizbuch "Nah dran", Bayern 2, 06.04.2017, 10:05 Uhr
  • "Feinstaubalarm - Von Autos mit Dieselmotoren": radioMikro, Bayern 2, 22.09.2017, 18:30 Uhr
  • "Dreckige Autos - Ist der Diesel noch zu retten": IQ-Wissenschaft und Forschung, 06.12.2017, 18:05 Uhr

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