Die Asiatische Tigermücke überträgt das Dengue-Fieber auch in Mitteleuropa. Durch konsequente Maßnahmen kann man sich vor ihr schützen.
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Die Asiatische Tigermücke überträgt das Dengue-Fieber auch in Mitteleuropa. Durch konsequente Maßnahmen kann man sich vor ihr schützen.

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Dengue-Fieber am Gardasee: Was tun, um sich zu schützen?

In Italien haben Stechmücken anscheinend in einzelnen Fällen den Erreger des Dengue-Fiebers übertragen. Die Virusinfektion geht einher mit Fieber und Kopfschmerzen. Das Auswärtige Amt empfiehlt Italienreisenden, sich zu schützen. Was kann man tun?

Über dieses Thema berichtete BR24 am .

In der Lombardei in Italien, darunter Gemeinden am Gardasee, gibt es offenbar einen Ausbruch des Dengue-Fiebers. Der Erreger sei "lokal erworben" worden, schreibt das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) in seinem Bericht zur Kalenderwoche 35. Die Patienten haben sich also in Italien mit dem tropischen Virus infiziert und nicht während einer Fernreise. Auch in der Region Latium meldeten die Behörden einen am Dengue-Fieber Erkrankten, der das Land nicht verlassen hatte.

Asiatische Tigermücke bringt Dengue-Fieber nach Europa

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte bereits im Juli gewarnt, dass sich das Dengue-Virus auch in Europa weiter ausbreiten könnte. Dabei kommen Stechmücken, die das Dengue-Virus übertragen können, normalerweise nur in tropischen und subtropischen Regionen vor: Asien, Südamerika und Afrika.

In Mitteleuropa überträgt hauptsächlich die Asiatische Tigermücke das Dengue-Virus. Durch den Klimawandel und die damit einhergehende Erwärmung findet sie hier inzwischen immer bessere Lebensbedingungen.

"Was wir jetzt sehen am Gardasee, ist eine Konsequenz von dem, was sich in den vergangenen Jahren durch den Klimawandel an Risikopotenzial aufgebaut hat. Wir haben die Tigermücken. Die breiten sich aus", so der Tropenmediziner Prof. August Stich, Chefarzt an der Klinik für Tropenmedizin, Klinikum Würzburg Mitte. Eingeschleppt wurden sie vermutlich durch den Handel mit Altreifen aus Südostasien, in denen die Eier abgelegt waren. Die Mücken sind im Mittelmeerraum geschlüpft und haben sich dann bis nach Deutschland ausgebreitet.

Dengue-Fieber: Schwere Verläufe sehr selten

Für die meisten Infizierten ist das Dengue-Fieber eine harmlose Erkrankung mit wenigen oder gar keinen Symptomen. Aber es kann auch sehr unangenehm und anstrengend für einen Patienten werden, mit starken Kopf- und Gliederschmerzen und hohem Fieber und einer geröteten Haut.

In der Regel ist das Dengue-Fieber nach einer Woche vorbei. "Schwere Verläufe sind ganz selten. Tödliche Verläufe hier in Europa sind eine absolute Rarität", sagt Stich.

Impfung gegen Dengue: Für Reisende in Hochrisikozonen empfohlen

Seit Februar 2023 gibt es einen neuen, in Deutschland zugelassenen Impfstoff. Qdenga wird im Abstand von drei Monaten zweimal verimpft. Noch gibt es keine Erfahrungen zu sehr seltenen Nebenwirkungen, dazu ist Qdenga zu kurz auf dem Markt und noch zu wenig eingesetzt.

Empfohlen ist der Impfstoff für Erwachsene, Jugendliche und Kinder ab vier Jahren, die in die Hochrisikozonen nach Südostasien, ins tropische Afrika und den karibischen Raum reisen möchten. Allerdings kostet eine Impfung um die 100 Euro.

Reise nach Italien: So schützen sie sich am besten

Wer nach Italien möchte, braucht keine Impfung. Denn Schutz vor dem Dengue-Fieber ist auch anders möglich. Asiatische Tigermücken sind tagaktiv, aggressiv und hartnäckig. Sie sind eher am Nachmittag unterwegs.

"Aber die pralle Sonne mögen sie nicht. Sie sind oft im Schatten von Gebäuden oder zum Beispiel auch unter dem Tisch. Oder wenn man sich im Schatten auf eine Bank setzt, dann sind sie oft darunter und kommen dann vor", sagt Tropenmediziner Stich und empfiehlt deshalb: Tagsüber sollte man unbedingt die Haut mit Mückenschutzmitteln, sogenannten Repellentien, eincremen oder einsprühen. Zusätzlich am besten langärmelige Kleidung beziehungsweise lange Hosen tragen. "Je mehr Hautoberfläche ich den Mücken biete, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich gestochen werde." Da die Stechmücken tagaktiv sind, ist ein Moskitonetz nachts über dem Bett unwirksam.

Die Asiatische Tigermücke legt ihre Eier in Kleinstgewässer. Das können Eimer, Blumentöpfe, Weihwasserbehälter oder Regentonnen sein, in denen sich Wasser gesammelt hat und die nicht abgedeckt sind. Am besten danach suchen, die möglichen Quellen abdecken und sich davon fernhalten.

Dengue: Kein wirksames Medikament, aber Mittel zur Linderung

Es gibt kein wirksames Medikament, das gegen das Dengue-Virus wirkt. Gegen die Symptome, das Fieber und die Schmerzen, können aber schmerzlindernde und fiebersenkende Medikamente genommen werden, zum Beispiel Ibuprofen oder Paracetamol. Dazu sollte man sehr viel trinken. In der Regel ist dann die Erkrankung in ein paar Tagen überstanden. Danach ist der Körper aber noch angestrengt und geschwächt. Dann sollte man sich am besten einige Tage Zeit nehmen, um sich zu erholen.

Ganz wichtig ist aber: Keine Mittel nehmen, das den Wirkstoff Acetylsalicylsäure enthält, also zum Beispiel Aspirin. Denn dieser Wirkstoff verdünnt das Blut. Da das Dengue-Fieber aber mit Blutungskomplikationen einhergehen kann, ist diese Therapie nicht geeignet und kann gefährlich sein.

Symptome bei Dengue: Ausschlag, Fieber, Kopfschmerzen

Die seltenen schweren Verläufe des Dengue-Fiebers teilen sich in zwei Krankheitsphasen auf. Nach den ersten typischen Symptomen geht es den Patienten kurzzeitig besser, dann aber schnell extrem schlechter.

Üblicherweise bekommen Menschen, die einen heftigeren Verlauf des Dengue-Fiebers haben, eine rote Haut mit einem masernähnlichen Ausschlag. Drückt man mit der Hand darauf, bleibt einige Sekunden ein weißer Abdruck sichtbar. Es gibt auch kleine Haut-Einblutungen. Dazu Fieber, starke Kopfschmerzen – aber keine Erkältungssymptome wie Husten, Schnupfen oder Halsweh. "Wenn die Patienten so schwer krank sind, dass sie sogar viel zu schwach zum Trinken sind und ihnen alles weh tut, dann müssen sie ins Krankenhaus", sagt Tropenmediziner August Stich.

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Das Dengue-Fieber geht einher mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und einem maserähnlichen, roten Hautausschlag.

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