Hände in Gummihandschuhen, Blutprobe und Tabletten-Packung

Verschiedene Firmen haben inzwischen Medikamente für die Behandlung von Covid-Erkrankten entwickelt.

Bildrechte: dpa/picture-alliance
    > Wissen >

    Corona-Medikamente: Was Paxlovid, Molnupiravir und Co. können

    Corona-Medikamente: Was Paxlovid, Molnupiravir und Co. können

    Gegen Covid-19 kommen vor allem zwei Medikamentengruppen zum Einsatz: Antivirale Stoffe - sie bremsen die Vermehrung des Coronavirus im Körper. Und entzündungshemmende Medikamente - sie verhindern eine überschießende Reaktion des Immunsystems.

    Bei einem milden Verlauf reicht oft ein wenig Bettruhe. Reagiert der Körper stärker auf das Coronavirus, können bei einer Covid-19-Infektion im Laufe der Erkrankung verschiedene Medikamente zum Einsatz kommen. Zu Beginn helfen antivirale Wirkstoffe, die Virusvermehrung im Körper einzuschränken.

    Pfizer-Pille Paxlovid schützt am besten vor schwerem Verlauf

    Den größten Erfolg bei der Behandlung von Covid-19-Erkrankten verspricht bisher das antivirale Medikament Paxlovid des US-Pharmakonzerns Pfizer. Laut einer vom Unternehmen durchgeführten Studie reduziert die Einnahme des Medikaments das Risiko einer Krankenhauseinweisung oder eines Todesfalls um 89 Prozent. An der Studie waren mehr als 1.200 Erwachsene beteiligt, die sich mit dem Coronavirus infiziert und aufgrund von Vorerkrankungen wie Diabetes oder Fettleibigkeit ein hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf hatten.

    Die Kombinationsbehandlung mit Paxlovid besteht aus drei Tabletten, die zweimal täglich eingenommen werden müssen. Das Medikament ist ein sogenannter Polymerase-Hemmstoff. Das heißt, "es hemmt ein spezifisches Enzym in Coronaviren, das benötigt wird, um Coronaviren zu vermehren", sagte der Münchner Infektiologe Christoph Spinner in der Podcast-Reihe des Bayerischen Rundfunks. Am 27. Januar 2022 hatte die EU-Arzneimittelbehörde EMA grünes Licht für die Zulassung von Paxlovid gegeben.

    Laut einer Studie, die am 2. Juni 2022 im Fachblatt "Clinical Infectious Diseases" veröffentlicht wurde, verringert Paxlovid "das Risiko einer schweren Covid-19-Erkrankung oder der Sterblichkeit hochwirksam". Patienten, die allerdings keine Risikofaktoren wie Übergewicht, Rauchen oder Bluthochdruck mitbringen, scheinen weniger von diesem Medikament zu profitieren. Nicht nur Krankenhäuser, auch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte können für Paxlovid ein Rezept ausstellen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte informiert über den Gebrauch von Paxlovid.

    Antivirale Tablette Molnupiravir von Merck halbiert das Risiko

    Molnupiravir wird wie Paxlovid als Tablette eingenommen. Das Medikament verringert die Fähigkeit des Coronavirus, sich in den Körperzellen zu vermehren und bremst damit die Weiterentwicklung von Covid-19 ab. Einer klinischen Studie des Herstellers Merck Sharp & Dohme zufolge halbiert es bei infizierten Patienten das Risiko einer Krankenhauseinlieferung und eines tödlichen Krankheitsverlaufes.

    Zugelassen wurde das Medikament für Menschen, die mindestens einen Risikofaktor für die Entwicklung eines schweren Krankheitsverlaufs aufweisen, darunter ein unterdrücktes Immunsystem, Übergewicht, hohes Alter, Diabetes und Herzerkrankungen. Molnupiravir wurde am 11. November 2021 in Großbritannien zugelassen, am 22. Dezember 2021 in den USA. Seit 3. Januar 2002 kann das antivirale Medikament Molnupiravir auch in Deutschland verordnet werden.

    Der Therapiebeginn sollte innerhalb der ersten fünf Tage nach Symptombeginn erfolgen. Nach einem positiven Antigen-Schnelltest kann der Hausarzt das Medikament verordnen. "Eine Lieferung an die Patientinnen und Patienten ist über den Botendienst der Apotheke vorgesehen." (RKI mit Hinweisen zur Therapie von Covid-19 am 6. April 2022.)

    Remdesivir von Gilead verkürzt Krankenhausaufenthalt

    Remdesivir wird nicht als Tablette, sondern in der Regel im Krankenhaus als Infusion verabreicht. Das Medikament war eigentlich gegen Ebolafieber und Marburgfieber entwickelt worden. Seit dem 3. Juli 2020 ist es in der EU auch zur Behandlung von Covid-19 zugelassen. Laut einer US-Studie mit rund 1.000 Covid-Patientinnen und Patienten konnten diejenigen, die Remdesivir erhalten hatten, das Krankenhaus nach durchschnittlich elf Tagen verlassen. Die Kontrollgruppe, die ein Placebo bekommen hatte, verließ die Einrichtung erst nach 15 Tagen.

    Auch die Sterblichkeit verringerte sich durch das antivirale Medikament. "Für schwer Erkrankte macht diese Studie Hoffnung, schneller und sicherer von der Infektion genesen zu können", sagte der Kölner Infektiologe Gerd Fätkenheuer.

    Dexamethason schützt vor zu starken Entzündungsreaktionen

    Dexamethason zählt zur Gruppe der Medikamente, welche die körpereigene überschießende Immunreaktion, die als Antwort auf eine Virusinfektion auftreten kann, bremsen soll. Der Wirkstoff ist ein sogenannte Glucocorticoid, das besser als Kortison bekannt ist. Es kommt nur bei schweren Verläufen zum Einsatz, wenn eine invasive Beatmung im Krankenhaus notwendig ist. Dexamethason soll nur über einen Zeitraum von zehn Tagen gegeben werden, um Nebenwirkungen gering zu halten. Es kann als Tablette oder Infusion gegeben werden.

    Mehrere kontrollierte Studie belegen damit ein verringertes Risiko an der Infektion zu sterben. Der Effekt ist vor allem bei schwer Erkrankten deutlich. Es kommt vor allem im Krankenhaus zum Einsatz, wenn eine künstliche Beatmung notwendig wird und die Krankheitsdauer sieben Tage überschreitet.

    Tocilizumab und Anakinra dämpfen ebenfalls Entzündungen

    Seit dem 7. Dezember 2021 ist auch Tocilizumab in der EU zugelassen und steht in Deutschland zur Verfügung. Es kann es zur Behandlung von an Covid-19 erkrankten Erwachsenen verwendet werden, die eine zusätzliche Sauerstofftherapie benötigen. Es kann als Infusion oder Fertigspritze verabreicht werden.

    Anakinra, eigentlich ein Rheuma-Medikament, steht seit dem 20. Dezember 2021 in Deutschland auch für Covid-19-Patientinnen und Patienten zur Verfügung. Ziel ist auch hier, eine zu starke Reaktion des Immunsystems bei Covid-19 zu verhindern. Es sollte von Ärztinnen und Ärzten verschrieben und überwacht werden, die mit dieser Medikamentengruppe Erfahrung haben.

    Ausblick: Bei Covid-19 helfen oft auch die üblichen Medikamente, die bei Husten, Schnupfen oder Halsschmerzen oder Grippe eingesetzt werden. Bettruhe ist bei leichtem Fieber und Müdigkeit angesagt. Sobald es zu Atemnot kommt, sollte man zum Arzt gehen oder den Notarzt verständigen. Je nachdem, wie die Krankheit verläuft, kommen auch Herz-Kreislauf-Medikamente, Thrombosemittel oder Arzneistoffe, welche die Lungenfunktion unterstützen, zum Einsatz. Derzeit werden außerdem hunderte Wirkstoffe speziell gegen Covid-19 erprobt. Viele wurden bereits zugelassen oder sind zur Zulassung eingereicht worden. Die "forschenden Pharma-Unternehmen" geben dazu einen Überblick. Medikamente, die gezielt bei Long-Covid-Erkrankungen unterstützen könnten, sind noch nicht auf dem Markt.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!