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Deutsche Gesellschaft für Neurologie beurteilt den Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson weiterhin als sicher.

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    Corona-Impfstoff Johnson & Johnson: Das Risiko ist gering

    Die US-Behörde FDA warnt vor dem Corona-Vakzin von Johnson & Johnson. Deutsche Experten sehen aber bisher keinen Zusammenhang zu aufgetretenen Lähmungen, dem sogenannten Guillain-Barré-Syndrom.

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    Von
    • Veronika Bräse

    Nach etwa 12,5 Millionen verabreichten Impfdosen mit dem Vektorimpfstoff Janssen von Johnson & Johnson gab es etwa 100 vorläufige Berichte, dass die neurologische Krankheit, das Guillain-Barré-Syndrom (GBS), aufgetreten sei. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie bestätigt den zeitlichen Zusammenhang zur Impfung. Ob die Lähmungen dadurch verursacht werden, ließe sich aber bislang noch nicht beurteilen. Alle aufgetretenen GBS-Fälle werden jetzt im Detail geprüft.

    Entwarnung von der der Deutschen Gesellschaft für Neurologie

    In einer Presseinformation der Deutschen Gesellschaft für Neurologie vom 14. Juli 2021 heißt es, dass das Risiko des Impfstoffs gegen Covid-19 weiterhin als gering einzustufen sei.

    "Die von den Behörden erhobenen Zahlen stellen keine besorgniserregende Erhöhung der GBS-Rate dar, und derzeit gibt es auch keinen Beleg für einen kausalen Zusammenhang." Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN)

    Impfungen können das Immunsystem reizen

    Der Infektiologe Christoph Spinner leitet am Klinikum rechts der Isar in München die klinische Prüfung des Vektorimpfstoffs von Johnson & Johnson für Deutschland. Der Mediziner erklärt, dass das Immunsystem generell nach Impfungen verschiedenster Art überreagieren kann.

    "Prinzipiell gibt es auch Assoziationen zu Impfstoffen, denn auch hier ist die Idee, das Immunsystem zu aktivieren und es bleibt natürlich nie mit letzter Sicherheit ausgeschlossen, ob dabei nicht auch ein Teil der Immunantwort sich gegen menschliche Eiweißstoffe richtet, weil die menschlichen Eiweißstoffe und vielleicht Bestandteile des Impfstoffes oder auch des Erregers vergleichbar sind." Christoph Spinner, Infektiologe am Klinikum rechts der Isar in München

    Die Nervenkrankheit des Guillain-Barré-Syndroms

    Jährlich erkranken etwa zwei von 100.000 Personen an einem Guillain-Barré-Syndrom. Vorausgegangene Infektionen des Darms oder der oberen Luftwege werden als möglicher Auslöser angeführt. Bei dieser Krankheit schädigt eine überschießende Autoimmunreaktion das Nervensystem, weshalb sie keine Reize mehr übertragen kann. Das kann zu Lähmungen führen, die in den meisten Fällen nicht von Dauer sind. Oft kann eine Physiotherapie Abhilfe schaffen. Schwere Fälle benötigen eine Immuntherapie.

    Auch nach Grippe- und anderen Impfungen kann die Erkrankung in Einzelfällen auftreten. Momentan geht es darum, die 100 gemeldeten Krankheitsfälle nach einer Johnson & Johnson Impfung genau zu hinterfragen.

    "Die Menschen müssen sich darauf verlassen können, dass die Zulassungsbehörden auch nach der Zulassung Nebenwirkungen sehr genau in jedem Einzelfall prüfen und genau das geschieht jetzt. Das heißt, man holt über jeden Erkrankungsfall detaillierte Informationen ein, denn möglich ist auch, dass das Guillain-Barré-Syndrom unabhängig von Impfungen auftreten kann." Christoph Spinner, Infektiologe am Klinikum rechts der Isar in München

    Großbritannien prüft GBS-Fälle nach Corona-Impfung

    In Großbritannien traten nach der Gabe des Corona-Vakzins Janssen von Johnson & Johnson bisher vier Fälle des Guillain-Barré-Syndroms auf, die jetzt genau nachverfolgt werden.

    "Obwohl diese Patienten neurologische Symptome hatten, die zeitlich mit der Impfung zusammentreffen, kann daraus noch keine Kausalität geschlossen werden. Es sollte aber eine Überwachung der Geimpften erfolgen, was sowohl eine akkurate klinische Diagnose umfasst als auch einen nationalen Berichtsmechanismus." Christopher Allen, Mediziner an der Universität in Nottingham

    Vier GBS-Fälle in Deutschland nach Corona-Impfung

    Das Paul-Ehrlich-Institut meldet in seinem Sicherheitsbericht, der die Daten bis 30. Juni 2021 erfasst, dass in Deutschland knapp zwei Millionen Impfdosen von Janssen verimpft und vier GBS-Fälle erfasst wurden.

    "Das Zeitintervall zwischen Impfung und Erstsymptomatik/Diagnose betrug im Mittel 15 Tage. Die betroffenen Personen - drei Männer und eine Frau - waren zwischen 36 und 64 Jahre alt." Sicherheitsinformationen des Paul-Ehrlich-Instituts

    Experten schätzen Impf-Nebenwirkungen als gering ein

    Ärzte weltweit halten die bisher zugelassenen Impfstoffe gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 für wirksam. Ihr Nutzen überwiege bei weitem mögliche Risiken. Dennoch können Nebenwirkungen und in sehr seltenen Fällen Impfkomplikationen auftreten.

    "Insgesamt ist das GBS-Risiko durch die Impfung gegen SARS-CoV-2 nach heutigem Kenntnisstand als sehr gering einzustufen - und wir haben zum Glück eine wirksame Therapie dieses Krankheitsbilds zur Verfügung." Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN)

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