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Alzheimer: Der andauernde Kampf gegen das Vergessen | BR24

© picture alliance / dpa Themendienst

Menschen mit einer Alzheimer-Erkrankung werden zunehmend vergesslich. Eiweißablagerungen im Gehirn führen zu Gedächtnisverlust.

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Alzheimer: Der andauernde Kampf gegen das Vergessen

Die Zahl der Alzheimer-Erkrankungen dürfte in Zukunft zunehmen - auch weil wir immer älter werden. Trotz intensiver Forschung gibt es zudem bislang noch kein Medikament dagegen. Doch es gibt vielversprechende Ansätze.

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In Deutschland leben nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft 1,6 Millionen Menschen mit Demenz-Erkrankungen. Davon leiden 60 Prozent an einer Alzheimer-Krankheit, einer häufigen Form der Demenz. Ähnliche Erkrankungen, wie eine vaskuläre Demenz oder eine Lewy-Body-Demenz, lassen sich nicht immer eindeutig von Alzheimer abgrenzen, da sie ähnliche Symptome, wie Störungen der geistigen Fähigkeiten aufzeigen.

Die Zahl der Alzheimer-Erkrankungen in Deutschland könnte bis 2050 auf drei Millionen steigen, wenn kein Durchbruch in der Therapie und Prävention gelingt. Denn aufgrund der steigenden Lebenserwartung werden die Demenz-Erkrankungen weiter zunehmen.

Alzheimer entsteht durch Ablagerungen im Gehirn

Wenn das Gedächtnis nachlässt, das Sprechen nicht mehr so gut funktioniert oder wenn man nicht mehr genau weiß, wer einem gegenüber sitzt, dann wird es immer schwieriger, den Alltag zu bewältigen. Alzheimer ist eine Erkrankung, die schleichend eintritt und nur schwer aufzuhalten ist.

Bestimmte Eiweiße, wie das Protein Beta-Amyloid und das Tau-Protein, spielen bei der Erkrankung eine entscheidende Rolle. Werden diese Proteine falsch gefaltet, können sie im Gehirn nicht richtig abgebaut werden und lagern sich dort ab. Es bilden sich sogenannte Plaques. Diese Eiweiß-Ablagerungen führen dazu, dass Gehirnzellen absterben. Damit kommt ein Prozess in Gang, der nicht mehr aufzuhalten ist.

Kein Medikament kann Alzheimer bisher aufhalten

Trotz jahrelanger Alzheimerforschung gibt es immer noch "kein Medikament zur Heilung der Alzheimer-Krankheit und es sieht auch nicht so aus, als ob wir zeitnah damit rechnen können", betont Isabella Heuser, Vorsitzende der Hirnliga e.V. der Vereinigung der deutschen Alzheimerforscher. Viele Forscher und Pharmaunternehmen sind schon daran gescheitert, ein Medikament gegen Alzheimer zu entwickeln. Wieder neu im Rennen ist das Mittel "Aducanumab".

Es soll helfen die Eiweißablagerungen Amyloid abzubauen. Erste Studien bestätigen, dass der Krankheitsverlauf mit "Aducanumab" im Früh- und Vorstadium etwas verlangsamt werden kann. Doch bis zur Marktreife fehlen noch ausreichende Tests.

Neue Hoffnung zur Prävention von Alzheimer

Der Alzheimerforscher Christian Haass vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen forscht an einem ähnlichen Therapieansatz. Mit Immunzellen, sogenannten Mikroglia-Zellen, möchte er dem Absterben der Nervenzellen entgegenzuwirken. Er hat einen genetischen Zusammenhang mit dem Gen „TREM2“ entdeckt, das dafür verantwortlich ist, schädliche Ablagerungen im Gehirn aufzuräumen.

“Das TREM2 erkennt, wenn irgendwo eine Fehlfunktion im Gehirn ist. Und um die Plaques außen rum, um die Ablagerungen, lagern sich diese Gliazellen dann an. Und fangen an, diese Plaques wegzuknabbern. Und was wir gefunden hatten, war, dass diese Zellen erstaunlicherweise, wenn das TREM2 defekt ist oder eine Mutation trägt, nicht mehr funktionieren. Das heißt, die können nicht mehr eingeschaltet werden. Die bleiben einfach liegen und tun nichts mehr.” Christian Haass, Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen, München

Alzheimer frühzeitig erkennen

Christian Haass und sein Team konnten bei Versuchen an Mäusen bereits testen, dass die Alzheimer-Plaques schneller wachsen, wenn das Gen TREM2 nicht mehr vorhanden ist. Sie vermuten, dass bei Menschen eine ähnliche Schutzfunktion auftritt. Deshalb untersuchten sie das Nervenwasser, das Gehirn und Rückenmark umgibt, von fast 400 Alzheimer-Patienten auf TREM2. Sie stellten fest, dass deren Gedächtnis umso besser funktionierte, je mehr davon vorhanden ist.

Nun wollen die Forscher dieses Gen durch ein Medikament zusätzlich anregen, damit die Ablagerungen besser abgebaut werden können. Doch im fortgeschrittenen Stadium einer Demenz-Erkrankung würden gesunde Nervenzellen ebenfalls geschädigt. Deshalb kann diese Methode nur funktionieren, wenn der Patient noch keine Symptome zeigt.

Dazu bedarf es eines Tests, der dies schon frühzeitig diagnostizieren lässt. Dieser Bluttest wurde bereits von Klaus Gerwert und seinem Team vom Lehrstuhl für Biophysik an der Ruhr-Universität Bochum entwickelt. Auch wenn der Test noch nicht ganz ausgereift ist, konnte Gerwert in seinen Studien beweisen, dass Alzheimer in neun von zehn Fällen frühzeitig nachgewiesen werden konnte. Beide Forschungen könnten die Alzheimerforschung revolutionieren.

Wie kann man Alzheimer diagnostizieren?

Erst seit wenigen Jahren ist es möglich, im Nervenwasser eines Alzheimer-Erkrankten bestimmte Eiweiße zu erkennen. Werden zum Beispiel zu viele Amyloid-Proteine und Tau-Proteine diagnostiziert, dann liegt sehr wahrscheinlich eine Alzheimer-Erkrankung vor. Mit bildgebenden Verfahren, wie Computertomographie und Magnetresonanztomographie, kann man weiterhin feststellen, wie weit die Nervenzellen abgestorben sind. Bei einer Alzheimer-Erkrankung kann das Gehirn bis zu 20 Prozent schrumpfen. Bildgebende Verfahren dienen dazu, andere Krankheiten abzugrenzen. Trotzdem kann man eine Alzheimer-Erkrankung nicht hundertprozentig diagnostizieren oder deren Verlauf genau vorhersagen.

Alzheimer eine gesellschaftliche Herausforderung

Jedes Jahr am 21. September ist Welt-Alzheimer-Tag. An vielen Orten finden Aktionen statt, um auf die Situation von Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen aufmerksam zu machen. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft wünscht sich durch ihre Aktionen mehr Verständnis für Erkrankte und ihre Angehörigen, die durch ihre Pflege und Betreuung einen großen Beitrag leisten.

© Bayerischer Rundfunk / IQ - Wissenschaft und Forschung

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