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10 Jahre UN-Resolution: Zugang zu Wasser ein Menschenrecht | BR24

© Bayerischer Rundfunk

Am 28. Juli 2010 haben die Vereinten Nationen beschlossen, dass jeder Mensch ein Recht auf sauberes Wasser und sanitäre Anlagen hat. Zehn Jahre später haben immer noch 579 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

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10 Jahre UN-Resolution: Zugang zu Wasser ein Menschenrecht

Am 28. Juli 2010, vor genau zehn Jahren, erkannten die Vereinten Nationen das Recht auf Zugang zu sauberem Wasser als Menschenrecht an. Bolivien und 33 andere Staaten hatten die Resolution eingebracht. Was ist seitdem umgesetzt worden?

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Es klingt wie eine Selbstverständlichkeit und ist gerade in Zeiten der Corona-Pandemie mit den notwendigen Hygieneregeln wichtiger denn je: der Zugang zu sauberem Wasser. Doch auch 2020, zehn Jahre nach dem Erlass der Resolution 64/292 der Vereinten Nationen (UN), durch die der Auf- und Ausbau von Wasserinfrastruktursystemen weltweit vorangetrieben werden soll, sieht es in puncto Wasserversorgung auf der Welt noch düster aus: 2,2 Milliarden Menschen haben nach Angaben der UN auch heute noch keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. 4,2 Milliarden Menschen – also mehr als 55 Prozent der Weltbevölkerung – fehlen saubere Sanitäranlagen.

Recht auf Wasser: Bedeutung und Kritik an Resolution

Die Hoffnungen der 34 Staaten, die die Resolution in die Vollversammlung der UN eingebracht haben, waren groß: Ein Recht auf Wasser für alle, das zwar weder bindend noch einklagbar ist, aber dem doch bis heute eine hohe symbolische und politische Bedeutung zugeschrieben wird.

Viele Staaten standen dem Beschluss von Anfang an kritisch gegenüber: Für die einen, darunter vor allem reichere Länder wie die USA und Kanada, waren die Bestimmungen der Resolution zu ungenau. Die anderen lehnten die Resolution ab, weil ihnen die Mittel zur Umsetzung dafür fehlten.

1,5 Millionen Menschen sterben jährlich an verunreinigtem Wasser

Bis heute zeigt sich: Das Recht auf Wasser ist nicht so einfach umsetzbar: Rund 1,5 Millionen Menschen sterben nach wie vor jährlich durch verunreinigtes Wasser, - etwa, weil Müll nicht fachgerecht entsorgt wird, sondern in Flüssen und Seen landet, oder weil Abwässer nicht geklärt werden. Und immer noch sind insbesondere Frauen und Mädchen in vielen Ländern bei den weiten, oft beschwerlichen Fußwegen zu Wasserquellen erheblichen Gefahren ausgesetzt.

Zugang zu Wasser: Situation in Afrika verschlechtert

Gerade in Afrika hat sich der Zugang zu sauberem Wasser nicht verbessert. So gab zu Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr etwa die Hälfte der Bewohner in 34 afrikanischen Staaten in einer Umfrage an, keinen oder nur eingeschränkten Zugang zu Wasser und Sanitäranlagen zu haben. In sechs Staaten, darunter Nigeria und Tansania, habe sich die Lage in den vergangenen sechs Jahren sogar verschlimmert, hieß es.

Weltwasserbericht 2020: weltweiter Wasserverbrauch immer höher

Auch der aktuelle Weltwasserbericht, der jedes Jahr im März von der UN veröffentlicht wird, zeigt eine negative Entwicklung: Weltweit steht immer weniger sauberes Wasser zur Verfügung. Der Wasserverbrauch steigt hingegen kontinuierlich. Heute wird dem Bericht zufolge sechsmal mehr Wasser verbraucht als noch vor 100 Jahren. Und eine Trendwende ist nicht in Sicht. Auch in den kommenden Jahren wird der Wasserverbrauch laut UN weltweit weiter ansteigen. Ursachen hierfür sind das Bevölkerungswachstum, das Wirtschaftswachstum und ein verändertes Konsumverhalten. Die UN rechnet mit einem Anstieg des weltweiten Wasserverbrauchs von etwa einem Prozent pro Jahr.

Aufbereitung von Wasser - Lösung gegen den Klimawandel?

Eine weitere Belastung für die weltweiten Trinkwasservorräte sind die unbehandelt abgelassenen Abwasser. Etwa 90 Prozent aller weltweiten Abwasser werden auf diese Weise entsorgt. Laut der Deutschen UNESCO-Kommission (DUK) verschärfe der Klimawandel das Problem zusätzlich. Dabei sieht die DUK gerade hier einen vielversprechenden Ansatz, um den weltweiten Zugang zu sauberem Wasser sicherzustellen - und gleichzeitig das Klima zu schützen. Die verbesserte Aufbereitung von Abwasser, heißt es in einer Pressemitteilung zur Veröffentlichung des diesjährigen Weltwasserberichts, biete "weitere Chancen für den Klimaschutz, da unbehandeltes Abwasser eine wesentliche Quelle von Treibhausgasen ist". Die Abwasseraufbereitung selbst trage mit drei bis sieben Prozent zu den weltweiten Treibhausgas-Emissionen bei, so die DUK. Auch innovative Technologien müssten noch viel mehr als bisher genutzt werden, um unnötigen Wasserverbrauch und Wasserverluste zu senken.

Die "Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle zu gewährleisten" ist schließlich eines der 17 Nachhaltigkeitsziele der UN, die bis 2030 erreicht werden sollen.

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