Günzburgs Landrat Hans Reichhart, Digitalministerin Judith Gerlach, Leipheims Bürgermeister Jürgen Grinninger, Hochschulprofessor in Neu-Ulm Christian Konrad (von links)
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Günzburgs Landrat Reichhart, Digitalministerin Gerlach, Leipheims Bürgermeister Grinninger, Hochschulprofessor Konrad (von links)

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Beispiel Leipheim: So soll heimischen Firmen geholfen werden

Leipheim bekommt ein Technologietransferzentrum. Es soll heimischen Firmen helfen. Die stehen wegen des Klimawandels vor großen Herausforderungen, haben aber auch gute Wettbewerbschancen - wegen des steigenden Umweltbewusstseins.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus Schwaben am .

"60 bis 80 Prozent der Treibhausgase bei Unternehmen entstehen durch die langen Lieferketten", erklärt Jürgen Grinninger, Professor der Hochschule Neu-Ulm. Er glaubt, dass die Firmen schon bald grundlegend umdenken müssen. Weil der CO2-Preis in Zukunft weiter steigt, werde es irgendwann schlichtweg zu teuer im fernen Ausland Vorprodukte herstellen zu lassen und sie dann den weiten Weg nach Deutschland zu bringen. "Darin liegt eine Chance für die Wertschöpfung im eigenen Land“, sagt Grinninger, der Unternehmen beim Wandel unterstützen will.

Förderung vom Freistaat

Bayerns Digitalministerin Judith Gerlach brachte am Freitag eine Anschubfinanzierung über 2,5 Millionen Euro in den Landkreis Günzburg. Mit dieser Summe soll ein Technologietransferzentrum in Leipheim entstehen, auf dem Gelände des Gewerbegebiets "Areal Pro".

Schon jetzt ist dort der Studiengang "Systems Engineering" angesiedelt, der die Bereiche Elektrotechnik, Maschinenbau und Informatik fachübergreifend vermittelt und sich ebenfalls mit der Frage der Lieferketten auseinandersetzt. Grinninger hofft, dass sich die Einrichtungen gegenseitig befruchten. Was den künftigen Erfolg des Transferzentrums betrifft, das zunächst für fünf Jahre staatlich gefördert wird, ist der Professor zuversichtlich.

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Nachhaltige Wertschöpfung

"Wir sind schon mit über 30 Firmen im Gespräch", sagt Grinninger. Er will ein Ökosystem außerhalb der Hochschulmauern aufbauen, das nicht alleine Ideenlieferant sein soll, sondern diese auch letztlich mit den Unternehmen bis zur Serienreife umsetzen will. Ihm ist dabei besonders wichtig, auch den Wertstoffkreislauf zu verändern. "Die meisten Produkte, die wir kaufen, landen einfach im Müll. Aber wir müssen die Materialien künftig besser wiederverwenden und das setzt schon bei einer gezielteren Herstellung an", so der Professor. Eine Firma müsse künftig die gesamten Kosten, die ein Produkt verursacht, in den Blick nehmen.

Schwerpunkt "Holz" in Aichach

Das künftige Technologietransferzentrum in Nordschwaben spaltet sich in zwei Teile. Neben Leipheim wird es auch in Aichach einen Standort geben. Bayerns Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Markus Blume, hatte diese Entscheidung bereits am Mittwoch verkündet. Die Außenstelle der Technischen Hochschule Augsburg soll "digitales und nachhaltiges Planen und Fertigen im Bauwesen“ erleichtern. Der Fokus wird auf dem Werkstoff Holz liegen. Im neuen Zentrum im Ecknacher Gewerbegebiet sollen Wissenschaft und Handwerksbetriebe zusammenarbeiten.

Hightech-Offensive der Staatsregierung

Maximal 7,5 Millionen Euro investiert der Freistaat pro Transferzentrum, das Geld wird für Personal und eine grundlegende Ausstattung ausgegeben. Die jeweiligen Kommunen kümmern sich um die Räumlichkeiten oder tragen dafür die Miete. In Summe gibt der Freistaat im Rahmen des Programms "Hightech Transfer Bayern" mehr als 100 Millionen Euro aus, gleich 15 neue Technologietransferzentren werden bayernweit entstehen. An den bereits vorhandenen Unternehmen in einer Region richtet sich der jeweilige Themenschwerpunkt der Einrichtungen aus.

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