Peiter Zatko, ehemaliger Sicherheitschef von Twitter

Peiter Zatko, ehemaliger Sicherheitschef von Twitter, wird für eine Anhörung vor dem US-Justizausschuss vereidigt

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    Aussage des Twitter-Hinweisgebers kaum hilfreich für Musk

    Aussage des Twitter-Hinweisgebers kaum hilfreich für Musk

    Die Aussagen von Ex-Twitter-Sicherheitschef Peiter Zatko zeichnen ein desaströses Bild des Kurznachrichtendienstes aus San Francisco: Sicherheitslücken, Vertuschung derselben und Irreführung der Behörden. Doch Elon Musk dürfte das wenig helfen.

    Bis Januar war Peiter Zatko Sicherheitschef von Twitter. In seiner Anhörung vor dem Justizausschuss des US-Kongresses ließ er kein gutes Haar an seinem ehemaligen Arbeitgeber. Die Führungskräfte bei Twitter hätten den Profit über Sicherheitsbedenken gestellt. So hätten sie die Infiltration des Unternehmens durch ausländische Geheimdienste ignoriert und die Aufsichtsbehörden über die Datenschutzpraktiken in die Irre geführt.

    FBI informierte über chinesische Spione bei Twitter

    Während seiner Zeit bei Twitter habe das FBI das Unternehmen über mindestens einen Spion des chinesischen Geheimdienstes informiert, der auf der Gehaltsliste von Twitter stehe. Ein leitender Angestellter habe ihm damals aber gesagt, man habe bereits einen ausländischen Agenten bei dem Unternehmen, da mache es nichts aus, wenn es noch einen Zweiten gäbe.

    Zatko kam nach Hack des Obama-Kontos

    Twitter-Mitgründer Jack Dorsey und damals Chef des Dienstes, hat Zatko 2020 zu der Social-Media-Plattform geholt. Zuvor war es Teenagern gelungen, die Konten von Barack Obama, Joe Biden und von Bill Gates zu übernehmen. Die jugendlichen Hacker hatten sich offenbar als Twitter-Mitarbeitende ausgegeben und in einem Slack-Kanal Master-Passwörter erhalten.

    Doch nach zwei Jahren war für Zatko schon wieder Schluss. Angeblich sei er wegen ineffizienter Führung und mangelnder Leistung gefeuert worden.

    Sind die Twitter-Ingenieure planlos?

    Ein zentraler Punkt in Zatkos Aussage war, dass offenbar niemand in dem Unternehmen einen Überblick gehabt habe, welche Mitarbeitenden um wie viel Uhr auf welche Nutzer- oder Unternehmensdaten Zugriff hatten. Es habe zwar ein System existiert, dass die Logins der Twitter-Mitarbeitenden - insbesondere des Entwickler-Teams - protokollierte. Diese Anwendung habe aber jede Woche "tausende" fehlgeschlagene Login-Versuche aufgezeichnet. An manchen Tagen seien es bis zu 3.000 gewesen, so Zatko.

    Angeblich mangelhafte Protokollierung von Logins

    Der damalige Technik-Chef und heutige Vorstandvorsitzende Parag Agrawal habe aber niemanden beauftragt, das Problem genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Infrastruktur und Technik des Kurznachrichtendienstes hinke zehn Jahre dem Stand der Technik hinterher.

    US-Politiker zeigen sich besorgt

    Die Mitglieder des Justizausschusses zeigten sich besorgt. Senator Charles E. Grassley aus Iowa, der ranghöchste Republikaner im Ausschuss, sagte, er wisse nicht, wie Twitter-Chef, Parag Agrawal, noch seinen Job behalten könne, wenn die Anschuldigungen wahr seien. Twitter sei dafür verantwortlich, dass die Daten geschützt würden und nicht in die Hände ausländischer Mächte fielen, so Grassley.

    Wem die Aussage von Zatko schadet oder nutzt

    Für das soziale Netzwerk kommen die Aussagen von Whistleblower Zatko zu einer Unzeit. Parallel streitet das Unternehmen mit Tesla Chef Elon Musk um seine Übernahme. Der hatte im April 44 Milliarden US-Dollar für die Firma geboten, dann aber einen Rückzieher gemacht und behauptet, Twitter habe bewusst falsche Angaben über die Zahl seiner Falsch-Konten verbreitet. Nächsten Monat soll ein Gericht im US-Bundesstaat Delaware klären, ob Musk Twitter übernehmen muss. Der Börsenwert von Twitter ist mittlerweile deutlich geringer und liegt bei rund 35 Milliarden US-Dollar.

    Ob Zatkos Aussage Musk geholfen hat, darf bezweifelt werden. Anders als Facebook-Whistleblowerin Frances Haugen konnte der 51-Jährige keinerlei handfeste schriftliche Unterlagen vorgelegen. Und gerade bei dem für Musk wichtigen Punkt, den Fake-Konten, blieben seine Antworten im Allgemeinen.

    Komischer Zufall

    Nicht wenige glauben zudem, dass es kein Zufall gewesen sein kann, dass Zatkos Enthüllungen quasi parallel zum Rechtsstreit zwischen Musk und Twitter an die Öffentlichkeit kamen. Der Hacker hatte zuvor in Interviews beteuert, Musk nie getroffen zu haben.

    Um diesen Vermutungen vermutlich nicht noch mehr Raum zu geben, hielt sich Musk, sonst selten um eine Meinungsäußerung verlegen, zurück. Sein Twitter-Konto blieb zu diesem Thema stumm.

    Und was sagt Twitter?

    Twitter hat indes die Anschuldigungen Zatkos zurückgewiesen. Am Dienstagnachmittag teilte es mit: "Die heutige Anhörung bestätigt nur, dass die Anschuldigungen von Herrn Zatko voller Ungereimtheiten und Ungenauigkeiten sind."

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