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Münchner Runde live: Kriegspropaganda als Gefahr für Demokratie?

Der Ukraine-Krieg ist auch ein Krieg der Desinformation und Propaganda. Wie gehen Journalisten, die aus dem Kriegsgebiet berichten, damit um? Und wie stark gefährden Propaganda und Corona-Fake-News die Demokratie? Das diskutiert die Münchner Runde.

Über dieses Thema berichtet: Münchner Runde am .

Mehrere Wochen berichtete der BR-Journalist Oliver Mayer-Rüth aus der Ukraine. Als Korrespondent im Kriegsgebiet befand er sich in einer unübersichtlichen und schwierigen Situation: Kriegshandlungen, russische Desinformationskampagnen und Fake-News erschwerten seine Arbeit. Teilweise wurde er aber auch von ukrainischer Seite mit nicht-verifizierbaren Aussagen konfrontiert. So habe der Bürgermeister von Mariupol über Soziale Medien gemeldet, es gäbe ein fahrendes Krematorium, mit dem die russische Armee "in Mariupol unterwegs sein und dort Leichen verbrennen soll". Andere Menschen, die aus Mariupol geflüchtet waren, konnten diese Aussage aber nicht bestätigen.

Falschinformationen kein neues Phänomen

Im Zuge des Ukraine-Kriegs sind vor allem Falschinformationen, die von russischer Seite stammen, immer mehr zum Diskussionsgegenstand geworden. Dabei sei dieses Problem nicht neu, sagt die deutsch-polnische Publizistin Katharina Nocun. Experten hätten schon seit vielen Jahren davor gewarnt, dass "insbesondere russische Staatsmedien im Milieu der Verschwörungsideologen eine große Rolle spielen".

Geringes mediales Interesse als Problem

Wie kann es aber sein, dass Falschinformationen aus Russland in den vergangenen Jahren so selten im Fokus der Berichterstattung standen? Für die Journalistin und Osteuropaexpertin Olivia Kortas ist ein Grund, dass das mediale Interesse am Ukraine-Konflikt nach 2014 relativ schnell wieder verschwand. Ihrer Ansicht nach sind fehlende Informationen das größte Problem. "Sehr häufig lesen wir ja nur von Polen, Ungarn, wenn dort etwas passiert, was nicht in unser Wertesystem passt", meint Kortas.

Desinformation entwickelt sich weiter

Netzaktivistin Katharina Nocun beschreibt, dass die russischen Desinformationskampagnen nicht immer die gleichen Geschichten erzählen, sondern diese im Laufe der Zeit weiterentwickelt werden. Zu Beginn des Ukraine-Kriegs wurde beispielsweise von russischer Seite behauptet, man wolle die Ukraine entnazifizieren, weil die Regierung angeblich von Nationalsozialisten durchsetzt sei. Die ukrainische Bevölkerung würde sich freuen, dass Russland einmarschiert. Das sei aber ganz klar "Propaganda-Unsinn", so Nocun. Inzwischen wurden diese falschen Erzählungen beispielsweise von Russlands Außenminister Lawrow weitergesponnen. Er behauptet mittlerweile, es sei nicht abwegig, dass der ukrainische Präsident ein Nationalsozialist ist, obwohl er jüdische Wurzeln hat. Schließlich hätte auch Hitler jüdisches Blut gehabt.

  • Zum Artikel: "Empörung in Israel über Lawrow-Aussagen zu Hitler"

Wenn es darum geht, solche Falschinformationen weiter zu verbreiten, spielen laut Katharina Nocun auch Soziale Medien eine wichtige Rolle:

"Meine Wahrnehmung ist, dass russische Propagandisten sehr genau beobachten, was sich – in Anführungsstrichen – 'erfolgreich' in sozialen Medien verbreitet, was viel geklickt wird, was viel Resonanz bekommt, was von großen Influencern aufgegriffen wird, und dann schiebt man eben häufig zu dem jeweiligen Thema etwas nach." Publizistin Katharina Nocun

Nur eigene Eindrücke wiedergeben

Journalisten und Journalistinnen vor Ort müssen also immer wieder überprüfen, welchen Informationen man Vertrauen schenken kann. Für BR-Korrespondent Oliver Mayer-Rüth ist klar: "Es geht nicht darum, dass man immer gleich nach den grausamsten Geschichten sucht." Stattdessen will er nur das wiedergeben, was er selbst erlebt, gesehen und in persönlichen Gesprächen mit den Menschen erfahren hat.

Diskussion in der Münchner Runde

"Verschwörungstheorien, Fake News und Desinformation: Wie gefährlich ist das für unsere Demokratie?" Darüber diskutiert die Münchner Runde am Mittwoch um 20.15 Uhr im BR Fernsehen und hier auf BR24.

Zu Gast sind:

  • Ilse Aigner, Präsidentin des Bayerischen Landtags, CSU
  • Wolfram Weimer, Verleger und Publizist
  • Ingrid Brodnig, Publizistin und Journalistin
  • Prof. Jan C. Behrends, Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam

Moderiert wird die Sendung von BR-Chefredakteur Christian Nitsche.

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