Bundespolizisten kontrollieren in Zügen (Symbolbild)

Bundespolizisten kontrollieren in Zügen (Symbolbild)

Bildrechte: dpa-Bildfunk/Annette Riedl
  • Artikel mit Video-Inhalten
>

Züge Prag-München: Massive Verspätungen wegen Grenzkontrollen

Züge Prag-München: Massive Verspätungen wegen Grenzkontrollen

Seitdem viele Ukrainer über Tschechien nach Deutschland flüchten, wird an der tschechisch-bayerischen Grenze wieder kontrolliert. Deshalb kommt es häufig zu großen Verspätungen. Die Kontrollen allein sind laut Polizei aber nicht der Grund.

Gut fünfeinhalb Stunden dauert normalerweise eine Zugfahrt mit dem Alex, einer Marke der Länderbahn, von München nach Prag. Umgekehrt, also von Prag nach München, nicht selten sieben Stunden. Und das für eine Strecke von nicht einmal 400 Kilometern Länge. Schuld an der Verspätung seien Grenzkontrollen in Furth im Wald, eingeführt von der Bundespolizei im Zuge des Flüchtlingsstromes aus der Ukraine, heißt es auf Anfrage bei der Länderbahn, die den Alex auf der Strecke Prag-München betreibt.

Volle Züge – lange Kontrollen

Das war nicht immer so, schreibt die Länderbahn: Früher seien die Grenzkontrollen bei einem normalen Fahrgastaufkommen im fahrenden Zug durchgeführt worden. "Die Beamten sind stichprobenartig in Furth im Wald eingestiegen und in Cham ausgestiegen."

Wenn die Züge aber voller sind, wie am Pfingstwochenende, bleibt der Zug in Furth im Wald am Grenzbahnhof stehen, bis die Kontrollen abgeschlossen sind. Das kann bis zu 40 Minuten dauern.

Die Bundespolizei betont derweil, dass für die teils massiven Verspätungen auf der Bahnstrecke Prag-München nicht allein ihre Grenzkontrollen verantwortlich seien. Eine Kontrolle dauere lediglich zehn bis fünfzehn Minuten, sagte der Pressesprecher der Bundespolizeiinspektion Waldmünchen, Thomas Dvorak dem BR. Teilweise kämen die Züge bereits verspätet aus Tschechien. Zum Thema Mitfahrkontrollen hieß es, diese seien personell und logistisch sehr aufwendig. Die Beamten müssten ja zurück zum Startpunkt der Kontrollen und könnten solange nicht anderweitig kontrollieren.

Tschechische Grenze kein Einzelfall

Eine ähnliche Situation bietet sich auch an der österreichisch-bayerischen Grenze, auch dort wird nicht mehr im fahrenden Zug kontrolliert, bestätigt Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter von der CSU. Er fordert, dass die Nachbarländer hier besser kooperieren und die Kontrollen grenzübergreifend durchgeführt werden: "Dass die Bundespolizei dort einsteigen darf und auch auf österreichischer, tschechischer Seite im fahrenden Zug die Kontrollen durchgeführt werden dürfen."

Auf der Strecke Prag-München kommt erschwerend das sogenannte Flügel-Kuppelkonzept dazu: Die Züge aus Prag werden in Schwandorf mit dem aus Hof kommenden Zug gekoppelt. Allerdings wartet dieser nicht, wenn der Prager Zug eine größere Verspätung hat, berichtet Andreas Barth vom Fahrgastverband ProBahn. Er nennt den Alex aus Prag das "abschreckendste Beispiel": "Denn wenn der Zug zu lange Aufenthalt hat an der Grenze, dann wird der andere Zug aus Hof verpasst."

Auf dem Rücken der Passagiere

Laut Barth ist die Strecke Regensburg-Hof nur eingleisig ausgebaut. Um als verspäteter Einzelzug von Schwandorf nach München zu fahren, fehlen die Gleiskapazitäten und das Personal. Der aus Tschechien kommende Zugführer soll den Gegenzug übernehmen, kann also nicht bis München fahren. Die Folge: Der Zug endet in Schwandorf statt in München.

Die Fahrgäste müssen in Schwandorf auf den nächsten Zug nach Regensburg warten und hoffen, noch Platz zu finden. In Regensburg müssen sie dann ein zweites Mal Richtung München umsteigen. Die Fahrt Prag-München kann dann schon mal gut sieben Stunden dauern. Für den Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Landtag, Ludwig Hartmann, ein Desaster. Aus seiner Sicht sind diese Grenzkontrollen sowieso ein Relikt aus vergangenen Zeiten: "Ich bin ein Gegner von Grenzkontrollen innerhalb Europas, die Zeit sollte vorbei sein. Aber einen Zug anzuhalten, um zu kontrollieren, das ist ja wirklich letztes Jahrhundert in Europa, das sollte so nicht mehr stattfinden."

In Sachsen gibt es Mitfahrkontrollen

An der sächsisch-tschechischen Grenze funktioniert das aber: Die Kontrollen auf der Strecke Prag-Dresden werden stichprobenartig als Mitfahrkontrollen zwischen den Bahnhöfen Bad Schandau und Dresden durchgeführt, heißt es bei der Bundespolizei.

Seitdem viele Ukrainer über Tschechien nach Deutschland flüchten, wird an der Grenze wieder kontrolliert. Daher kommt es häufig zu Verspätungen.

Bildrechte: BR

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!