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Im Fall der in der RKI-Statistik verschwundenen 85.000 Erstimpfungen für Bayern spricht der bayerische Gesundheitsminister Holetschek von einer Datenbereinigung des RKI.

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"Verschwundene Erstimpfungen": Datenbereinigung beim RKI

Impfturbo im Rückwärtsgang, so sah es Anfang der Woche aus, denn die Zahlen der Erstimpfungen gegen das Coronavirus sanken in Bayern plötzlich von einem Tag auf den anderen – und zwar um fast 85.000. Gesundheitsminister Holetschek hat eine Erklärung.

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Von
  • Andreas Neukam
  • BR24 Redaktion

Der Blick in die Statistik warf Fragen auf: 85.000 Menschen, die doch nicht geimpft worden sind? Und das von einem Tag auf den anderen – laut den Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI). Dieser Zahlensprung passierte von Montag auf Dienstag.

Die Opposition im Landtag ist auf den Plan gerufen: Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Ludwig Hartmann, nennt es "typisch" für die Regierung. "Ich finde es deshalb so gravierend, weil das ja, das sägt am Vertrauen der Regierung, das sägt auch am Vertrauen der Demokratie und gibt denen wieder Recht, die immer wieder sagen, man kann sich auf Parteien nicht verlassen, auf die Zahlen, was sie sagen."

Holetschek reagiert entspannt

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek ist entspannt, konnte sich die plötzlich sinkende Zahl am Donnerstagvormittag zunächst aber nicht voll erklären. "Das ist eine Bereinigung, sehe ich jetzt nicht als so dramatisch, um ehrlich zu sein." Er erklärt, es handle sich um eine Bereinigung von Dubletten, die das RKI vorgenommen habe.

Eine Bereinigung um 85.000 macht allerdings viel aus. Bei der Impfquote verliert Bayern leicht, um 0,6 Prozentpunkte. Der Freistaat ist damit Vorletzter, weniger Erstgeimpfte hat nur Sachsen. Bei den Zweitimpfungen ist Bayern im Mittelfeld.

RKI bekommt Impfzahlen auf anderem Weg

Das Robert Koch-Institut teilt auf BR-Anfrage mit, dass es die Impfzahlen aus Bayern seit gestern über einen anderen Weg beziehe. Zuvor per E-Mail, jetzt über eine Web-Anwendung. Und in dieser Web-Anwendung waren die Zahlen der in Bayern Geimpften demnach geringer. Doch wieso?

Im Laufe des Tages hatte sich Bayerns Gesundheitsministerium genauer erkundigt. Und bestätigt: Es liegt tatsächlich am System, das die Daten übermittelt. Zuvor wurden alle Geimpften anonymisiert übermittelt, jetzt mit Pseudonym. Dazu erklärt ein Ministeriumssprecher: "Durch diese Umstellung von anonymen Datensätzen auf pseudonymisierte Datensätze können fehlerhafte Mehrfachmeldungen derselben Impfung korrigiert werden. Solche Mehrfachmeldungen sind beispielsweise dadurch entstanden, dass das Impfzentrum einen fehlerhaften Datensatz absendet, dies bemerkt und den korrigierten Datensatz nochmal absendet."

Auch andere Bundesländer betroffen

Ein Vorgang, den es wohl in allen Bundesländern gibt oder schon gegeben hat, wenn die Datenübermittlung umgestellt wird, wie Bayerns Gesundheitsminister dann am Nachmittag auf BR-Nachfrage erklärt: "Wir haben jetzt eine neue Datenlage, mit der wir umgehen. Ich denke, das war jetzt tatsächlich einmalig, eine Bereinigung, die auch richtig ist, weil wir jetzt eine neue Datengrundlage haben und wir haben zehn Millionen Impfungen schon fast und diese 85.000 muss man auch in Relation zu denen setzen, was auch an Impfungen schon da ist."

© Andreas Neukam
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"Verschwundene Erstimpfungen": Datenbereinigung beim RKI

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