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Seit Jahren gibt es Streit um den Steinbruch am Heuberg. Der Betreiber hat einen Antrag zur Erweiterung gestellt, Naturschützer protestieren.

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    Streit um Steinbruch am Heuberg im Inntal geht weiter

    Seit Jahren gibt es Streit um den Steinbruch am Heuberg bei Nußdorf am Inn. Der Betreiber hat einen Antrag auf Erweiterung gestellt, möchte mehr Gestein abbauen. Anwohner und Naturschützer protestieren gegen die "Wunde am Heuberg".

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    Von
    • Julia Binder
    • Dagmar Bohrer-Glas

    Am Steinbruch am Heuberg bei Nußdorf am Inn scheiden sich die Geister. In den kommenden 50 Jahren will der Betreiber, das in Rohrdorf ansässige Südbayerische Portland Zementwerk Gebrüder Wiesböck, weitere knapp zehn Millionen Tonnen Gestein in Nußdorf-Überfilzen im Westhang des Heubergs abbauen. Obwohl der Bayerische Verwaltungsgerichtshof bereits 2017 bestätigt hatte, dass oberhalb von 758 Metern am Heuberg nicht mehr abgebaut werden darf, und der Steinbruch darüber sofort stillgelegt werden muss.

    Landratsamt prüft noch

    1.241 Einwendungen sind beim Rosenheimer Landratsamt gegen die geplante Erweiterung des Abbaus eingegangen. Eine Sprecherin des Landratsamtes erklärt, derzeit werden die zahlreichen Einwendungen geprüft. Ein Gutachten des TÜV und die Stellungnahme des Betreibers stehen noch aus. Dieser betonte auf BR-Anfrage, an der Sachlage und an dem Interesse des Unternehmens habe sich nichts geändert. Die Erweiterung sei immer noch geplant.

    Abbau in Nußdorf sogar gut fürs Klima

    Es gehe laut einem Sprecher des Unternehmens unter anderem darum, Kohlendioxid einzusparen. Denn der Nußdorfer Steinbruch enthalte im Vergleich zu einem anderen Steinbruch, den auch das Rohrdorfer Zementwerk betreibt, weniger Dolomit. Dieses Mineral sorgt bei der Zementherstellung für einen hohen Ausstoß von Kohlendioxid (CO2). Mit dem weiteren Abbau in Nußdorf-Überfilzen, wo der Dolomitanteil im Kalkstein sehr gering sei, wäre eine Einsparung von 10.000 Tonnen CO2 möglich. Und die Zementindustrie sei ja angehalten, so viel CO2 einzusparen wie nur möglich, so ein Firmensprecher. Die Stellungnahme des Unternehmens solle in Kürze beim Landratsamt eingereicht werden. Dann könne das Verfahren dort weiter bearbeitet werden.

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    Die Wunde im Heuberg bei Nußdorf am Inn

    Auch Aufsichtsbehörde wird kritisiert

    Für Kritik sorgt auch das Verhalten des Landratsamtes Rosenheim als Aufsichts- und Genehmigungsbehörde. Nußdorfer Anwohner und Gemeinderäte beklagen seit Langem, dass das Amt den Steinbruch-Betreiber einfach machen lasse, auch wenn er gegen Gesetze verstoße. Bestätigt sehen sich die Kritiker jetzt wieder: Aufgrund der Corona-Pandemie will das Landratsamt auf einen öffentlichen Erörterungstermin zur beantragten Erweiterung des Steinbruchs verzichten.

    Grüne beklagen Transparenzverlust

    Die Grünen im Bayerischen Landtag sehen das wie zahlreiche Nußdorfer Anwohnerinnen und Gemeinderäte kritisch und befürchten einen weiteren Transparenzverlust, auch auf Landkreisebene. Ohne zeitliche Not würden hier Tatsachen geschaffen und auf das Mitbestimmungsrecht der Bürgerinnen und Bürger verzichtet. Claudia Köhler, Grüne Betreuungsabgeordnete für den Landkreis Rosenheim, betont, sie sehe das mit Erschrecken. "Gerade Entscheidungen mit einer solchen Langzeitwirkung dürfen jetzt nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden", so Köhler, die ein digitales Treffen als Alternative vorschlägt.

    Eine Sprecherin des Rosenheimer Landratsamtes wies die Vorwürfe zurück und erklärte mit Verweis auf die Möglichkeit zu Einwendungen: Eine Öffentlichkeitsbeteiligung finde durchaus statt.

    Gegen die Wunde im Berg

    Anwohner, Gemeinderäte und Naturschutzverbände wollen verhindern, dass der Steinbruch oberhalb der 758 Meter erweitert werden darf. Denn dadurch werde enorm in das Landschaftsbild des Inntals eingegriffen und das Ökosystem empfindlich gestört. Im Gegenteil: Die Naturschützer drängen auf eine baldige Renaturierung der "Wunde im Heuberg".

    Demo gegen Erweiterung am 1. Mai

    Am Samstag, 1. Mai, rufen BUND Naturschutz, DAV, Mountain Wilderness, die Inntal Gemeinschaft, der Verein zum Schutz der Bergwelt und Extrembergsteiger Alexander Huber ab 18.30 Uhr zu einer Demonstration am Nußdorfer Schwimmbad auf: "Wir zeigen die rote Karte", betonen die Verbände und Organisationen, "gegen die nochmalige Erweiterung des Steinbruchs".

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