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Soziale Berufe sind oft unterbezahlt

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    Grüne in Bayern warnen vor humanitärer Katastrophe in der Pflege

    Soziale Berufe sind häufig unterbezahlt und kämpfen gegen ein schlechtes Image – nicht erst seit der Corona-Pandemie. Heute will sich der bayerische Landtag mit Verbesserungen in Pflege und Erziehung befassen. Anlass ist ein Antrag der Grünen.

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    Von
    • Ariane Dreisbach

    Konkrete Taten statt Applaus und warmer Worte. Das fordert die Grünen-Fraktion im Landtag in Bayern für systemrelevante Berufe. Bisher habe die Söder-Regierung viel zu wenig für soziale Berufe getan, so Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze. Besonderes Augenmerk legen die Grünen in ihren Anträgen auf Erzieherinnen und Pflegekräfte.

    Fachkräftemangel wird schlimmer

    Deren Situation ist nicht erst seit der Corona-Pandemie schlecht, in beiden Branchen herrscht Fachkräftemangel. Laut Berechnungen des Deutschen Jugendinstituts werden in Bayern von 2018 bis 2023 zusätzlich 19.400 Erzieherinnen gebraucht. Ein Anfang März veröffentlichtes Gutachten des bayerischen Gesundheitsministeriums zeigt: Bis 2050 werden 62.000 zusätzliche Vollzeit-Pflegekräfte in Bayern gebraucht. Zur Zeit arbeiten laut der Vereinigung der Pflegenden in Bayern rund 200.000 Pflegekräfte in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeeinrichtungen sowie ambulanten Diensten.

    Grüne: "Humanitäre Katastrophe in der Pflege" droht

    Die Gesellschaft steuere auf eine humanitäre Katastrophe im Bereich der professionellen Pflege zu, sagt der grüne Pflegeexperte Andreas Krahl. Das gelte es zu verhindern. "Und das schaffen wir nur, wenn wir konsequent die Profession Pflege stärken und die Arbeitsbedingungen so anpassen, dass dieser Beruf als fachlicher Beruf und nicht als Akt der Nächstenliebe in Zukunft wahrgenommen wird."

    So soll zum Beispiel die Ausbildung für Pflegehilfskräfte verbessert werden, die zurzeit kaum jemand absolviere. Eine geringere Arbeitsbelastung in Pflegeausbildungen allgemein und bessere Betreuung in den Praxisphasen soll die Zahl der Ausbildungsabbrüche senken. Laut dem Deutschen Pflegerat liegt die bei 28 Prozent. Die Staatsregierung soll – so die Forderungen der Grünen – dafür sorgen, dass soziale Berufe besser bezahlt und attraktiver werden. Außerdem solle die Digitalisierung vorangetrieben werden, um Angebote und Kommunikationsweisen auf den neuesten Stand zu bringen – und etwa in der Jugendhilfe Online-Beratungen anzubieten.

    Bayerische Staatsregierung soll Verantwortung übernehmen

    Bayerns Gesundheits- und Pflegeminister Klaus Holetschek (CSU) hatte Mitte März einen Reformplan für die Pflege vorgestellt, der etwa eine verbindliche Bezahlung nach Tarif und Steuervergünstigungen für Wochenend- und Nachtzuschläge vorsieht. Mitte April hatte Holetschek dann an den Bund appelliert, das Tempo bei der Pflegereform anzuziehen. Die Grünen-Fraktion fordert von der Staatsregierung, nicht mehr auf Maßnahmen des Bundes zu warten, sondern selbst aktiv zu werden und die Länderkompetenzen für Gesundheits- und Erziehungsberufe zu nutzen. Das Antragspaket der Opposition zur Verbesserung der Situation wird heute im bayerischen Landtag besprochen.

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