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Augsburg bekommt sieben neue Stolpersteine - sie erinnern an Menschen, die von den Nazis ermordet worden sind.

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    Gedenken an Nazi-Opfer: Augsburg bekommt neue Stolpersteine

    Sie waren krank oder nicht mehr leistungsfähig, nur deshalb mussten sie sterben. Augsburg erinnert mit sieben neuen Stolpersteinen an Menschen, die im Dritten Reich von den Nazis ermordet worden sind.

    Von
    Beate MangoldBeate MangoldRoswitha PolaschekRoswitha Polaschek
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    38 Stolpersteine, die an Opfer des NS-Terrors erinnern, lagen bereits vor verschiedenen Häusern in Augsburg. Heute und morgen kommen sieben weitere dazu. Stolpersteine erinnern an ganz unterschiedliche Schicksale, an die Ausmerzung des politischen Widerstands oder an die vielfältigen Opfer der NS-Rassenideologie. Auch hinter den sieben neuen Stolpersteinen stecken tragische Geschichten.

    Stolperstein erinnert an Opfer der "dezentralen Euthanasie"

    Der erste Stolperstein wurde heute vor der Sommestraße 23 verlegt. Dort haben Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums St. Stephan ein kleines Rahmenprogramm gestaltet. Der Stein erinnert an Edmund Aull, der in Rothenbuch in Unterfranken geboren wurde, aber zuletzt in Augsburg lebte. Aull gilt als Opfer der "dezentralen Euthanasie" und wurde mit 29 Jahren im Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren vermutlich durch eine Überdosis an Medikamenten ermordet.

    Er war zuvor mehrfach wegen Schizophrenie und auffälligem Verhalten in Kaufbeuren in Behandlung gewesen, kurz vor seinem Tod bekam er alle drei Tage eine Elektroschockbehandlung und wurde mit Medikamenten ruhiggestellt, haben Recherchen der Erinnerungswerkstatt Augsburg ergeben.

    Im KZ von den Nationalsozialisten ermordet

    Vor dem Bodelschwingh-Haus am Inneren Pfaffengässchen 14 sind heute vier Stolpersteine verlegt worden. Dort haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bodelschwingh-Hauses das Programm gestaltet. Das Bodelschwingh-Haus gehört heute der Diakonie und war zurzeit des Nationalsozialismus ein evangelisches Heim, in dem unter anderem Menschen Unterschlupf fanden, die sich keine eigene Wohnung mehr leisten konnten. Zu diesen Menschen gehörten auch Wilhelm Naser, Karl Held, Max Friedrich Müller und Roman Filasiewicz.

    Karl Held und Max Friedrich Müller wurden beide aus ungeklärten Gründen ins KZ Dachau gebracht und wurden dort mit 48 bzw. 60 Jahren ermordet. Auch Wilhelm Naser und Roman Filasiewicz landeten aus unklaren Gründen im KZ Dachau. Sie wurden, nachdem sie wohl nicht mehr arbeitsfähig waren, jeweils im Rahmen von Invalidentransporten nach Hartheim in der Nähe von Linz gebracht. Dort wurden sie wohl noch am Tag des Transports vergast. Naser war 49 Jahre alt, Filasiewicz 39 Jahre.

    Stolpersteine erinnern an Ermordete in Heilanstalten

    Vor der Brentanostraße 26 wird ab heute ein Stolperstein an Johann Amesreiter erinnern. Er wurde in Augsburg geboren und mit 39 Jahren in der Heil- und Pflegeanstalt Irsee ermordet. Er gilt ebenso wie Edmund Aull als Opfer der "dezentralen Euthanasie". Nach Irsee wurde er wegen Schizophrenie und psychischer Probleme eingewiesen und dort wahrscheinlich mit einer Medikamentenüberdosis ermordet.

    Der letzte Stolperstein wird an der Adresse "Am alten Postweg 30B" verlegt und erinnert an Pauline Füßer. Sie wurde in Augsburg geboren und mit 52 Jahren in Hartheim bei Linz ermordet. Sie hatte nach dem Tod ihres Mannes offenbar einen psychischen Zusammenbruch erlitten und litt unter Wahnvorstellungen. Wegen Schizophrenie wurde sie in die Heilanstalt Kaufbeuren eingewiesen. Da sie nicht arbeitsfähig war, wurde sie bei einem Transport mehrerer Frauen nach Hartheim gebracht und dort wohl noch am Tag des Transports vergast.

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