Gäubodenvolksfest

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Gäubodenvolksfest eröffnet - Testlauf für die Wiesn?

Gäubodenvolksfest eröffnet - Testlauf für die Wiesn?

2020 und 2021 fiel es Corona-bedingt aus - nun ist in Straubing wieder das traditionelle Gäubodenvolksfest gestartet. Gut einen Monat vor Beginn des Oktoberfests herrscht in Niederbayern ein Gefühl zwischen Vorfreude und Vorsicht.

Die letzten beiden Jahre ist es Corona-bedingt ausgefallen - jetzt startete in Straubing wieder das traditionelle Gäubodenvolksfest. Gut einen Monat vor Beginn des Oktoberfests herrscht in Niederbayern ein Gefühl zwischen Vorfreude und Vorsicht beim zweitgrößten Volksfest in Bayern - ohne jegliche Corona-Auflagen.

Doch die Pandemie ist noch nicht vorbei: In der Straubinger Klinik St. Elisabeth werden derzeit zwischen 10 und 20 Corona-Patienten behandelt, vor einer Woche waren es noch 30 – so viele, wie zu den Hochzeiten der Pandemie, so das Klinikum. Doch die Vorgaben von Bund und Ländern ermöglichen nach zweijähriger Pause ein Gäubodenvolksfest – ohne Corona-Auflagen.

Angespannte Corona-Lage und Energie-Krise: Kann man in diesen Zeiten sorgenfrei Feste feiern? Zum Auftakt des Gäubodenvolksfestes sprechen wir bei BR24live ab 19.15 Uhr mit Straubings Oberbürgermeister Markus Pannermayr (CSU) und einem Festwirt.

Sorgen im Straubinger Klinikum: Personalengpass wird zulegen

Daher blickt man in der Straubinger Klinik skeptisch auf das zweitgrößte Volksfest Bayerns. Norbert Weigert ist Leiter der Corona-Station, er fürchtet, dass sich sowohl die Anzahl der Corona-Patienten während des Gäubodenvolksfests erhöht, als auch die Ausfälle beim eigenen Personal wegen Quarantäne: "Der Personalengpass wird während und nach dem Gäubodenvolksfest deutlich zulegen."

Man habe bereits erste Erfahrungen von anderen Festen wie in Erlangen sammeln können. "Die Inzidenz ist dramatisch angestiegen, so wird es bei uns auch sein. Wir fürchten einen dramatischeren Anstieg, weil das Fest in den Zelten stattfindet – das wird die Inzidenz in die Höhe treiben."

Festzelt: Reservierungen wie im Jahr 2019

Während im Klinikum Skepsis und Vorsicht vorherrscht, überwiegt bei befragten Straubingern auf der Straße die Vorfreude: "Endlich wieder Gäubodenvolksfest in Straubing" – so die Antwort der meisten. Auch auf dem Festplatz bei Wirten und Schaustellern ist eine Euphorie zu spüren: Festwirt Martin Lechner sagt, die Reservierungen in seinem Bierzelt seien "mindestens genauso gut wie 2019, der Vorverkauf ist super losgegangen".

Schausteller: "Essentiell wichtig, dass wir wieder arbeiten dürfen"

Peter Bausch vom Münchner Schausteller-Verein ist froh, wieder arbeiten zu dürfen: "Wenn sich so ein Karussell nicht dreht, kostet es nur Geld und bringt keins ein. Es ist essentiell wichtig, dass wir wieder arbeiten und den Menschen damit eine Freude machen dürfen." Auch Günter Haimerl, Vorsitzender des Schaustellerverbands Ostbayern, spricht von Freude: "Und wer nicht herkommen will, weil es ihm zu gefährlich ist, muss das nicht tun. Aber diejenigen sollen den anderen nicht die Freude nehmen."

Volksfest und Corona: OB appelliert an Eigenverantwortung

Haimerl spricht Corona an. Auch Straubings Oberbürgermeister Markus Pannermayr (CSU) weiß, dass das Virus das Gäubodenvolksfest begleiten wird. "Da machen wir uns nichts vor. Wir müssen lernen, damit zu leben und umzugehen. Wenn man analysiert, welche Entscheidungen Bund und Länder gemeinsam getroffen haben für diesen Sommer, dann ist die Kernbotschaft: die Eigenverantwortung in den Vordergrund rücken." Dazu müsse jedem bewusst sein: Jeder Besuch einer Veranstaltung ist mit einem Infektionsrisiko verbunden.

Kostenlose Corona-Test für Gäubodenvolksfest kommen an

Aber auch jeder Besucher kann seinen eigenen Beitrag leisten, indem beispielsweise ein Corona-Test vor dem Besuch des Gäubodenvolksfest durchgeführt werde. "Das unterstützen wir auch", so Pannermayr. Die Stadt stellt rund 10.000 kostenlose Selbsttests für den Gäubodenvolksfest-Besuch zur Verfügung. Diese sind im Tourismus-Amt und in Impfstationen erhältlich – so auch in der Impfstation des Klinikums St. Elisabeth. Die Leiterin der Impfstation, Julia Hempel, spricht davon, dass "die Menschen uns die Bude einrennen". Die kostenlosen Tests: Sie werden schon jetzt gut angenommen.

Klinikum: Ohne Tests beim Personal Gefahr eines "Hot-Spots"

Indessen appelliert man im Klinikum St. Elisabeth auch an das Gäubodenvolksfest-Personal, sich zu testen. "Es wäre wünschenswert, wenn das Verantwortungsgefühl wie bei unseren Mitarbeitern in den Kliniken auch beim Personal am Volksfest vorhanden wäre – dann könnte man Infektionsketten unterbinden. Ansonsten müssen wir davon ausgehen, dass das Volksfest ein Hot-Spot wird", so Weigert.

In Straubinger Impfzentren erhalten Bürger kostenlose Corona-Tests für den Gäubodenvolksfest-Besuch.

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Krisen und Kriege: "Gäubodenvolksfest verbindet Menschen"

Bei Straubings Oberbürgermeister Pannermayr überwiegt die Vorfreude, wie er sagt. "Das ist ein Fest, das unseren Lebensrhythmus hier in der Region prägt und das uns schwer gefehlt hat die letzten Jahre. Die meisten freuen sich, dass es das Gäubodenvolksfest wieder gibt." Die Geschichte des Gäubodenvolksfest reicht über 200 Jahre zurück – für die Region hat es wirtschaftliche wie emotionale Bedeutung. Für Pannermayr ist angesichts der Krisen und Kriege die wichtigste Botschaft dieses Jahr: "Das Fest bringt Menschen zusammen, verbindet. Hier sind alle Menschen willkommen unabhängig von Alter, Beruf oder Herkunft. Das Verbindende ist etwas, das wir im Moment ganz besonders brauchen."

Während sich die meisten in Straubing auf das Volksfest freuen, äußert die Straubinger Klinik Skepsis: Die Pandemie sei noch nicht vorbei.

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