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Schatzsucher sind meist mit Metallsonden unterwegs

Bayern gilt als Eldorado für Schatzsucher. Wer mit Metallsonden auf Tour gehen will, bewegt sich in Bayern beim sogenannten Sondeln nämlich nicht in so engen Grenzen wie in anderen Bundesländern. Denkmalschützern und Archäologen passt das jedoch gar nicht.

Die genaue Zahl der Sondengeher in Bayern ist nicht bekannt, das Landesamt für Denkmalpflege schätzt sie auf Basis von Anfragen und Foren auf mehrere Tausend.

BR24 hatte kürzlich einige von ihnen aus der Facebook-Gruppe "Schatzsucher Bayern" mit der 360-Grad-Kamera begleitet - woraufhin mehrere Nutzer in den Kommentaren Hinweise auf die rechtlichen Grenzen gaben und Fragen stellten.

Kommentare auf Facebook zu der BR24-Tour mit Schatzsuchern

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Welche Gesetze gilt es zu beachten?

Für einen Gang mit der Metallsonde braucht man in Bayern zwar keine Erlaubnis einer Behörde - wohl aber die des Grundstückseigentümers. So steht es im bayerischen Denkmalschutz-Gesetz (DSchG).

Beim Graben dann wird es komplizierter. Eine Einwilligung von der Unteren Denkmalschutzbehörde im jeweiligen Landratsamt braucht nämlich, "wer auf einem Grundstück nach Bodendenkmälern graben oder zu einem anderen Zweck Erdarbeiten auf einem Grundstück vornehmen will, obwohl er weiß oder vermutet oder den Umständen nach annehmen muss, dass sich dort Bodendenkmäler befinden, …". Auch das regelt das DSchG. Allein die Vermutung, dass sich unter der Erde Bodendenkmäler finden lassen, reicht, dass man nicht mehr ohne Genehmigung graben darf.

Bodendenkmäler übrigens sind laut DSchG bewegliche und unbewegliche Denkmäler, die sich im Boden befinden oder befanden und in der Regel aus vor- oder frühgeschichtlicher Zeit stammen, also aus der Steinzeit bis zum späten Mittelalter. Keltenzeitliche Siedlungen oder Grenzanlagen wie der Limes sind Beispiele.

Was finden Sondengeher?

Manchmal nichts, manchmal Münzen, manchmal Waffen. Sie können auch auf Skelette stoßen oder andere historisch relevante Funde. Ein großer Markt ist der Handel mit Überbleibseln aus dem Zweiten Weltkrieg. "Eine große Szene sucht gezielt danach", sagt eine Sprecherin des Landesamts für Denkmalpflege. In Aying etwa fanden zwei Männer ein Schlüsselgerät 41, ein Chiffriergerät aus dem Zweiten Weltkrieg, das wegen seiner Kurbel an der Seite auch "Hitlermühle" genannt wird.

Darf man also überall Sondengehen?

Nein. Im Bayerischen Denkmal-Atlas ist für jeden sichtbar, welche Bodendenkmäler bekannt sind. Diese Flächen - etwa zwei Prozent des Landes - sind laut Vize-Generalkonservator Sebastian Sommer vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege für Sondengeher tabu.

Weil die Grenzen eines Denkmals selten exakt zu bestimmen sind, gelte das auch für die unmittelbare Umgebung eines bekannten Bodendenkmals, in der weitere Denkmäler zu vermuten sind, schrieb Sommer in einer Stellungnahme für die Zeitschrift "Bayerische Archäologie“, die unverändert gilt. Auf dem Rest der Fläche Bayerns könne die Metallsonde ein sinnvolles Instrument sein, um noch unbekannte Bodendenkmäler zu finden.

Doch auch auf diesen 98 Prozent des Bodens gilt es beim sogenannten Sondeln zu beachten, dass nicht nur der Grundstückseigentümer zustimmen muss. Sondengeher müssen auch die Entdeckung unberührt im Boden lassen und umgehend melden - und zwar der jeweiligen Unteren Denkmalschutzbehörde oder dem Landesamt für Denkmalpflege.

Darf man die Schätze behalten?

In der Frage nach dem Eigentum liegt auch das Paradox in Bayern: Selbst wenn ein Sondengeher widerrechtlich gräbt - dem Finder gehört trotzdem die Hälfte des Werts des Fundes.

Nach Paragraf 984 des Bürgerlichen Gesetzbuches steht in Bayern dem Entdecker die Hälfte des Eigentums zu, die andere Hälfte gehört dem Grundstückseigentümer. Wer sich nicht daran hält, begeht dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege zufolge eine Straftat: Unterschlagung.

Der Freistaat zeigt sich hier bislang großzügiger als alle anderen Bundesländer. Denn Bayern hat - anders als die 15 anderen Bundesländer - in seinem Denkmalschutzgesetz kein "Schatzregal". So heißt ein Passus, in dem steht, dass herrenlose Funde, die einen wissenschaftlichen Wert haben, ins Eigentum des Landes übergehen. Hierzulande gilt das eben nicht.

Um die Einführung eines Schatzregals wird jedoch schon lange gestritten. Denn mit der bisherigen Regelung gehen Probleme einher, die Denkmalschützer, Archäologen und Politiker und nicht zuletzt die Schatzsucher umtreiben.

Wie viele Funde entgehen Wissenschaft und Forschung?

Das Grundproblem für Denkmalschützer und Archäologen: Die Mehrheit der Schatzsucher stelle ihre eigenen Regeln auf, bedauerte Sommer in seiner Stellungnahme. Von den geschätzten einigen Tausend Aktiven in Bayern kämen, so beklagte er 2016, weniger als 20 pro Jahr ihrer gesetzlichen Meldepflicht nach.

Der Vize-Generalkonservator berichtete sogar von Löchern in bekannten Bodendenkmälern - und setzte sie gleich mit gezielter Denkmalzerstörung in Syrien oder im Irak, die mit Recht angeprangert werde.

Seit 2016 sei die Zahl derer, die Funde melden, zwar leicht gestiegen, so eine Sprecherin des Landesamts für Denkmalpflege. Über genaue Zahlen verfüge die Behörde nicht. Deren Experten schätzen allerdings, dass der Anteil der Sondengeher, die ihre Funde angeben, bei weniger als ein Prozent liegt.

Auch die Gesellschaft für Archäologie in Bayern stellte sich entschieden gegen den unkontrollierten Einsatz von Metalldetektoren. Unwissenschaftliche Raubgrabungen zerstörten massiv archäologisches Wissen - wodurch gemeinsame Geschichte verloren gehe, schrieb der Vorstand des Vereins in einem Interview.

Die Gesellschaft setzte sich deshalb auch dafür ein, den Umgang mit Detektoren durch den Gesetzgeber in Bayern besser regeln zu lassen. Bisher ohne Erfolg.

Was tut die Politik gegen illegale Schatzgräber?

Seit vielen Jahren debattiert der Landtag in Bayern darüber, ob der Freistaat nicht auch ein Schatzregal einführen soll. Zuletzt brachte die SPD 2014 im Landtag einen Gesetzentwurf ein, um ein Schatzregal ins Denkmalschutzgesetz einzufügen - und scheiterte drei Jahre später damit.

Es sei nicht ersichtlich, argumentierte etwa die Grünen-Abgeordnete Rosi Steinberger während der Debatten dazu im Landtag, wieso automatisch diejenigen von wertvollen Kulturgütern profitieren sollten, die gerade zufällig Eigentümer des Grundstücks sind - oder diejenigen, die diesen Fund gemacht haben. "Sogar ein Raubgräber hat demnach Anspruch auf die Hälfte des Fundes." Die bisher gültige bayerische Regelung begünstige deshalb Raubgrabungen, argumentierte die SPD-Abgeordnete Helga Schmitt-Bussinger.

Auch der ehemalige Wissenschaftsminister Thomas Goppel (CSU) gestand im Plenum ein: "Wir haben ein großes Problem, das sich eigentlich erst in diesen Jahren herausgestellt hat", sagte Goppel. Um die Hälfte des Eigentums erschleichen zu können, meldeten einige Schatzsucher Funde etwa aus Schleswig-Holstein in Bayern an, sagte Goppel. Solche sogenannten Fundverschleppungen kritisieren auch Archäologen.

Obwohl also auch CSU-Politiker dieses Problem erkannten: Sie stellten sich bislang dennoch gegen ein bayerisches Schatzregal, sie sehen darin die Gefahr von Enteignung der Finder und Grundstückseigentümer.

Fazit

Schatzsucher haben in Bayern den Anspruch auf die Hälfte des Werts ihres Fundes. Sie dürfen aber nicht überall mit Metallsonden suchen und vor allen Dingen nicht überall graben. Der Landtag diskutiert seit Jahren darüber, das Suchen, Finden und Verteilen von Schätzen neu zu regeln - bisher ohne Ergebnis.