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Die Lage auf den Intensivstationen ist in der vierten Welle der Corona-Pandemie kritisch. Theresa Momsen hat die Intensivstation im Krankenhaus Traunstein besucht.

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Angespannte Lage auf der Traunsteiner Intensivstation

Traunsteiner Intensivstation, Stand gestern Abend 17 Uhr: 33 Patienten müssen versorgt werden, 17 davon sind Covid-Patienten. 13 davon sind nicht geimpft. Überlegt handeln müssen Ärzte und Pfleger im Fall eines 35-Jährigen.

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Dagmar Bohrer-Glas Dagmar Bohrer-Glas Theresa MomsenTheresa Momsen
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Weil sich der Zustand eines 35-jährigen Covid-Patienten am gestrigen Montag deutlich verschlechtert hat, muss der leitende Oberarzt Holger Liermann einen Platz an einer Herz-Lungen-Maschine in einem anderen Krankenhaus suchen, denn in Traunstein ist aktuell kein Platz an einer ECMO-Maschine frei. In Murnau wird der Oberarzt fündig, der Patient wird wohl noch am Abend verlegt.

Oberarzt blickt mit Sorge auf die kommenden Wochen

Wie wird es sein, wenn mehr Patienten kommen, als man Betten zur Verfügung hat? Das fragt sich Oberarzt Liermann. Es mache ihm Sorge, dass man nicht garantieren könne, dass in Zukunft jeder Patient einen Platz auf der Intensivstation findet. Der Ansturm, der bevorstehe, werde so groß sein, dass die Betten, die geschaffen wurden, nicht ausreichen könnten, befürchtet der Oberarzt. Dabei rekrutiere man Personal aus anderen Bereichen.

Zu wenige Pflegekräfte

Auch in Traunstein hat Personal während der Corona-Pandemie gekündigt, und nun muss die Intensivstation mit drei Vierteln der Pflegekräfte im Vergleich zu vor Corona auskommen. Die Intensivstation ziehe Personal von anderen Stationen ab, zum Beispiel aus dem OP-Bereich, und auch Ärzte würden Pflegetätigkeiten übernehmen.

Konnten im vergangenen Jahr noch 40 Betten betrieben werden, habe man Mühe aktuell 35 Betten zu belegen. Planbare Operationen werden verschoben, nur noch Notfall-Operationen werden in Traunstein durchgeführt.

An der Grenzen der Belastbarkeit

Wie sehr die Arbeit auf der Intensivstation mitnimmt, schildert die Pflegerin Michaela Schönsmaul dem BR, die sich in ihrem Bereich um zwölf Covid-Patienten kümmert. Fast täglich komme man an seine Grenzen. Und wenn man sehe, wie die Kollegen total erschöpft, psychisch und physisch, nach Hause gehen, dann belaste das einen einfach. Die Ehepartner, Partner und Freunde müssten das mittragen. Nach eineinhalb Jahren fehle dann oft auch das Verständnis für das alles. Corona sei einfach eine Ausnahmesituation, fasst die Intensivpflegerin zusammen.

Hinweis der Redaktion:

In der ersten Version des Artikels ist uns ein Fehler unterlaufen. Darin hieß es, die 17 Covidpatienten seien ungeimpft gewesen.

Richtig ist: Von den COVID-Intensivpatienten in Traunstein waren zuletzt 13 von 17 nicht geimpft, die Geimpften nicht geboostert.

Wir bitten den Fehler zu entschuldigen. Im aktuellen Artikel sind die Zahlen korrigiert.

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