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Wo drückt der Schuh? Viele Kinder tragen zu kleine Schuhe | BR24

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Kinder, die viel barfuß laufen, sind klar im Vorteil. Die Füße sind besser durchblutet und sie neigen weniger zu Plattfüßen. Afrikanische Kinderfüße können aber noch mehr, weil viel barfuß gelaufen wird.

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Wo drückt der Schuh? Viele Kinder tragen zu kleine Schuhe

Zu groß, zu klein, zu steif - viele Kinder tragen falsche Schuhe. Junge Füße sind formbar und passen sich dem Schuh an - auch wenn der zu eng ist. Das kann zu Knick- und Senkfüßen, Haltungsfehlern und Rückenschäden führen. Tipps für den Schuhkauf.

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Klettern, toben, Ball spielen, barfuß laufen – Kinderfüße halten so manches aus. Dabei schaden ihnen solche Belastungen nicht einmal. Im Gegenteil: Für eine gesunde Entwicklung der Füße ist vor allem das Barfußlaufen wichtig. Denn dadurch werden nicht nur die Füße stärker, sondern auch die Wirbelsäule profitiert davon.

Das Gesundheitsrisiko lauert ganz woanders - nämlich bei zu kleinen Schuhen. Laut einer Studie von blitzrechner.de tragen 65 Prozent der Kinder zu kleine Schuhe. Dort wurden insgesamt 2.109 Eltern nach der Fußlänge und Schuhgröße ihrer Kinder gefragt. Danach wurde eine Messanleitung herausgegeben. Mithilfe der gewonnenen Werte wurde die optimale Schuhgröße berechnet. Mittels einer Schablone wurden die Eltern dann gebeten, die tatsächliche Schuhinnenlänge zu messen.

Die Ergebnisse der Studie

  • 65 Prozent aller Kinder trugen zu kleine Schuhe. Davon 47 Prozent eine Nummer zu klein und sogar 18 Prozent zwei Größen zu klein.
  • Nur 35 Prozent trugen die richtige Größe. Bei 24 Prozent passte diese gerade, bei 11 Prozent gab es noch eine Wachstumsreserve.
  • 52 Prozent aller Eltern gaben an, noch nie die Fußlänge ihrer Kinder gemessen zu haben, sondern sich allein auf Fühl- und Sichtproben zu verlassen.

Falsche Schuhe können gerade bei Kindern fatale Folgen haben. Denn während des Wachstums sind die Knochen noch leicht verformbar. So kann es zu Knick- und Senkfüßen, Haltungsfehlern und Rückenschäden kommen.

Kein Verlass auf Größenangaben

Eigentlich sollte es ganz einfach sein, passende Kinderschuhe zu finden. Ist es aber nicht, denn die Größenangabe auf Schuhen dient den Herstellern nur zur Orientierung. Sie ist nicht EU-weit genormt und wird nicht kontrolliert. Richtwert bei Kinderschuhen ist der sogenannte "Pariser Strich", das ist die Schuhgröße mal 6,6 Millimeter. Schuhe werden auf Leisten dieser Größe gefertigt - und häufig zu früh wieder abgenommen. Dabei schrumpfen sie.

Kinder wissen nicht, ob der Schuh drückt

Um herauszufinden, ob Schuhe passen, hilft es nicht, wenn die Eltern bei der Anprobe vorne auf die Schuhspitze drücken. Kinder ziehen dann reflexartig den Fuß zurück. Umgekehrt funktioniert es ebenso wenig. Die Fersenprobe - also zu schauen, ob dort noch genug "Spiel" ist - führt dazu, dass die Kinder den Fuß nach vorne zusammenquetschen. Ein anderes wenig effektives Mittel, um die vermeintlich richtige Größe zu ermitteln ist, den Fuß von außen an die Schuhsohle zu halten. Auch, wenn der Schuh so deutlich länger als der Fuß aussieht, sagt das nichts über die Passgenauigkeit aus. Denn wie es im Schuh aussieht, weiß man deshalb noch lange nicht. Die Innenlänge des Schuhs ist häufig durch Fütterung, Nähte und Fußbett deutlich kürzer als vermutet. Auch die Frage "Passen die Schuhe?" bringt nichts. Kinder bis etwa zehn Jahre merken meistens gar nicht, wenn ihre Schuhe zu klein sind. Ihr Nervensystem nimmt den Druck nicht richtig wahr. Außerdem sind ihre kleinen Füße weich und passen sich dem Schuh an.

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Schuhe auf Zuwachs - das ist auch nicht das Richtige!

Tipps für den Schuhkauf

  • Verlassen Sie sich nicht auf die angegeben Größenangaben. Denn das kennt man auch als Erwachsener: Eine Größe 40 kann bei dem einen Schuh passen, bei dem anderen Paar nicht. Tipp: Messen Sie immer die Füße und die Innenlänge der Schuhe nach.
  • Fertigen Sie dazu eine Schablone für den Kinderfuß an. Dazu den Umriss der Kinderfüße auf Pappe nachziehen und 12 bis 17 Millimeter Spielraum addieren. Die ausgeschnittene Schablone sollte locker in den Schuh passen. Bei getragenen Schuhen reichen eher 12 Millimeter Zugabe, bei neuen Schuhe sollten es eher 17 Millimeter sein.
  • Kinderschuhe sollten nicht zu fest sein und ausreichend Bewegungsfreiheit lassen.
  • Die "Daumenprobe" funktioniert bei Kindern nicht. Besser sollte man den Fuß im Schuhgeschäft ausmessen lassen. Optimal für die Vermessung sind sogenannte Schuhinnenlängenmessgeräte. Mit diesen kann nicht nur die Länge des Fußes, sondern auch die effektive Innenlänge des Schuhs bestimmt werden. Wer online kauft, sollte zuhause nachmessen und zu kleine Schuhe retournieren. Schuhinnenmessgeräte kann man für den Hausgebrauch für wenig Geld kaufen.
  • Der rechte und der linke Fuß haben nur ganz selten die gleiche Länge. Ein Längenunterschied von bis zu 6 mm ist völlig normal - das entspricht aber fast einer ganzen Schuhgröße. Eltern sollten sich daher beim Schuhkauf immer am längeren Fuß orientieren.
  • Schuhe kauft man am besten nachmittags. Füße können sich im Laufe des Tages um einige Millimeter vergrößern!
  • Ein Kinderschuh, der vor vier Wochen noch gepasst hat, kann heute schon zu eng sein. Die Füße wachsen nämlich nicht gleichmäßig, sondern in Schüben. Deshalb sollte mindestens viermal im Jahr die Schuhgröße kontrolliert werden.
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