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WMO: 2020 wohl eines der drei wärmsten Jahre | BR24

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Nur einmal wurde in der Arktis eine kleinere Eisfläche gemessen als im September 2020.

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    WMO: 2020 wohl eines der drei wärmsten Jahre

    Trotz Corona-Pandemie heizt sich die Erde weiter auf: Das Jahr 2020 dürfte nach vorläufigen Analysen der Weltwetterorganisation (WMO) eines der drei wärmsten seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen werden.

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    Von
    • Jan-Claudius Hanika

    Das Jahr 2020 dürfte nach vorläufigen Analysen der Weltwetterorganisation (WMO) eines der drei wärmsten seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen Mitte des 19. Jahrhunderts werden. Für Europa lag die Durchschnittstemperatur in den ersten zehn Monaten sogar höher als je zuvor. Das berichtet die Organisation in ihrem vorläufigen Report über den Zustand des Klimas 2020. Klar sei schon jetzt, dass die Jahre seit 2015 die sechs wärmsten seit Messbeginn seien. Den Temperaturrekord hält das Jahr 2016 mit plus 1,2 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Niveau.

    La Niña bremst die Erderwärmung nicht

    Die WMO-Analyse bezieht sich auf Messungen von Januar bis Oktober 2020. In diesen Monaten lag die globale Durchschnittstemperatur um 1,11 bis 1,23 Grad über dem Durchschnitt der Jahre 1850 bis 1900. Dies ist bemerkenswert, denn im September begann sich das Wetterphänomen La Niña zu entwickeln. Es tritt alle paar Jahre auf und geht eigentlich mit Temperaturabkühlungen einher. Besonders drastisch waren die Messergebnisse nördlich des Polarkreises in Sibirien: Die Temperatur lag dort von Januar bis Oktober mehr als fünf Grad über dem Durchschnitt von 1981 bis 2010. Außer in Europa war es nach Angaben der WMO auch im Südwesten der USA, im Westen Südamerikas und in Teilen Zentralamerikas sehr warm. Kühlere Temperaturen als im Durchschnitt erlebten dagegen Kanada, Teile Brasiliens, Nordindien und Südostaustralien.

    Kurze Pause für den Anstieg des Meeresspiegels

    Der mittlere globale Meeresspiegel steigt laut WMO seit Beginn der Messungen 1993 um durchschnittlich 3,3 Millimeter im Jahr. Ein leichter Rückgang 2020 sei - wie schon 2011 - wahrscheinlich auf La Niña zurückzuführen. Am langfristigen Trend ändere das aber nichts. Während der La Niña-Monate fällt mehr Regen in tropischen Flussgebieten als über dem Meer. Das lässt den mittleren Meeresspiegel global vorübergehend sinken. La Niña dürfte nach Angaben der WMO noch bis Frühjahr 2021 zu spüren sein. Am stärksten stieg der Meeresspiegel seit 1993 auf der Südhalbkugel jeweils östlich von Madagaskar, von Neuseeland und von Südamerika.

    Eis in der Arktis schmilzt weiter

    Einer der Gründe für den Anstieg des Meeresspiegels ist das schmelzende Eis um Nord- und Südpol. Die Insel Grönland verlor nach den Angaben von September 2019 bis August 2020 etwa 152 Gigatonnen Eis. Das war allerdings weniger als 2019, als 329 Gigatonnen schmolzen.

    "Die Arktis erlebt mit dem globalen Temperaturanstieg drastische Veränderungen. Seit Mitte der 1980er-Jahre steigen die Temperaturen dort mindestens doppelt so schnell wie im globalen Mittel." Weltwetterorganisation WMO

    In der Arktis war die Ausdehnung des Meereises in den Monaten Juli und Oktober so gering wie nie zuvor seit Beginn der Messungen. Die minimale Eisausdehnung war im September mit 3,74 Millionen Quadratmetern. Nur im Jahr 2012 wurde bisher eine geringere Eisfläche gemessen. Das schwimmende Eis der Arktis trägt zwar nicht zum Anstieg des Meeresspiegels bei, wenn es schmilzt. Allerdings erwärmt sich die Erde schneller, wenn Eis, das Licht reflektiert, verschwindet und stattdessen dunkle Wasserflächen frei werden. Der Meeresspiegel steigt auch, weil die wachsende Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre zu einem Überschuss an Energie im Erdsystem führt. Diese Energie wird zu einem großen Teil von den Ozeanen absorbiert. Das Meerwasser wird dadurch wärmer und dehnt sich aus.

    Hurrikane, Starkregen und Dürren

    Die Hurrikan-Saison im Nordatlantik verzeichnete in diesem Jahr so viele starke Stürme wie nie zuvor. Sie ging theoretisch am 30. November zu Ende. Teile Afrikas und Asiens erlebten starken Regen und Überschwemmungen, darunter die Sahel-Region, das Horn von Afrika, der Indische Subkontinent sowie China, die koreanische Halbinsel, Japan und Teile Südostasiens. Dagegen erlebten in Südamerika etwa Nordargentinien, Paraguay und Westbrasilien schwere Dürren.

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