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Gassibeutel für Hundehaufen: Umweltfreundlich geht anders, oder? | BR24

© dpa-Bildfunk/Christoph Schmidt

Wie umweltfreundlich kann Bellos Haufen entsorgt werden?

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Gassibeutel für Hundehaufen: Umweltfreundlich geht anders, oder?

Hundehalter sind angehalten, die Hinterlassenschaften ihres Hundes mit einem Plastikbeutel aufzusammeln, der im Restmüll entsorgt werden soll. Oft landen sie aber auch prallgefüllt in der Natur.  Wie öko ist das System Gassibeutel?

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In eine "Tretmine" zu steigen, ist extrem unangenehm. Die stinkenden Hinterlassenschaften von Bello aus der Profilsohle des Schuhs zu kratzen, kann schon mal zum Würgen reizen. Um dieses Ärgernis einzudämmen, haben viele Städte und Kommunen Ständer aufgestellt, aus denen Hundehalter kostenlos kleine Plastikbeutel ziehen können. Mit denen sollen sie die Haufen ihres Vierbeiners aufklauben und anschließend im Restmüll entsorgen. Die in München verteilten roten Gassitüten sind aus Recyclingkunststoff. Sie selbst aber sind mit Hundekot darin nicht recycelbar. Sie können nur in der Müllverbrennungsanlage verbrannt werden.

Warum sind Gassibeutel aus Plastik?

Die Plastik-Hundekotbeutel warfen im Münchner Stadtrat bei mehreren SPD-Abgeordneten Fragen auf: Warum sollen Kunden an Supermarktkassen auf Plastiktüten und Hemdchenbeutel verzichten, für Hundehalter aber gibt es kein Verbot von Gassibeutel aus Plastik?

Das Münchner Baureferat listete daraufhin genau auf, warum die roten Gassibeutel ihrer Meinung nach am besten für den Zweck geeignet sind.

"Sie sind im Unterschied zu Tüten aus anderen Materialien sehr dünn, sodass viele Tüten in einen Spender passen, jedoch hinreichend reißfest, weichen nicht durch, sind kostengünstig und stellen aufgrund der stofflich und energetisch sinnvollen Verwertung von Produktionsresten die derzeit ökologisch nachhaltigste Lösung dar." Münchner Baureferat

Tüten aus Papier oder Pappmaterial weichten dagegen bei feuchtem Wetter und nach Gebrauch auf oder könnten reißen. Zudem müssten die Tütenspender aufgrund der Materialdicke wesentlich häufiger befüllt werden. Auch das Umweltbundesamt empfehle für das Sammeln von Tierexkrementen Beutel aus recycelten Kunststoffen, so das Münchner Baureferat.

Hundehaufen liegen lassen: Das kann teuer werden

In knapp jedem fünften Haushalt hierzulande lebt ein Hund, so die Statistik. In München zum Beispiel sind über 36.000 Hunde gemeldet, die täglich mehr als fünf Tonnen Kot produzieren. Die Stadt München hat über 800 Gassibeutel-Spender aufgestellt, damit der Hundekot problemlos entsorgt werden kann. Und das ist keine freiwillige Aktion, sondern eine Verpflichtung. Wenn man die Hinterlassenschaften seines Vierbeiners in München liegen lässt, droht ein Bußgeld von mindestens 75 Euro.

© dpa-Bildfunk/Uwe Anspach

Hier gibt es Gassibeutel für Hundekot.

Hundekot kann krank machen

Auf Spielplätzen und Liegewiesen kann es richtig teuer werden - das Regelbußgeld beträgt 350 beziehungsweise 250 Euro. Denn Hundekot kann Parasiten und Krankheitserreger wie Borrelien, Salmonellen, Spul- und Bandwürmer enthalten, die auch Menschen gefährlich werden können.

Jede Stadt kann die Bußgelder individuell festlegen

Zu einer ähnlichen Menge an Hinterlassenschaften kommt es in Nürnberg. Auch hier kommen täglich mehr als fünf Tonnen Hundekot zusammen. In den Grünanlagen stehen mehr als 140 Spender für Gassibeutel. Rund 40.000 Euro kostet es die Stadt, diese immer wieder auffüllen zu lassen, berichtet die Stadt in einem Flyer. Wer einen Hundehaufen in Nürnberg liegen lässt, muss 35 Euro Bußgeld berappen. Bei Wiederholungstätern können es mehrere Hundert Euro werden.

Wohin mit den Plastikbeutelchen?

Die Verpflichtung vom Einsammeln des Hundekots ist das eine, den prall gefüllten Beutel dann in einem Restmülleimer loszuwerden, ist das andere. Denn oftmals ist in der Nähe kein öffentlicher Mülleimer zu entdecken und die Bereitschaft, den "Sondermüll" weiter rumzuschleppen, ist oft nicht da. Und so landen die Haufen des Vierbeiners - ordentlich verpackt in Plastik - auf dem Rasen, im Gebüsch oder Gehölz.

Schadet der Gassibeutel der Umwelt?

Wenn die Tütchen erstmal samt Inhalt in der Natur entsorgt werden, dauert es Jahrhunderte, bis so ein herkömmlicher Gassibeutel verrottet ist, so Arne Krämer, der in seinem Unternehmen in Hamburg biologisch abbaubare Hundekotbeutel anbietet. SPD-Politikerin Schönfeld-Knor sieht das Ganze als gesellschaftliches Thema: "Vor der eigenen Haustür will niemand Dreck, aber im öffentlichen Park schert's keinen. Das Bewusstsein muss erweitert werden."

© BR

Der Oktober ist golden, die Menschen drängen ins Freie - und stoßen dabei regelmäßig auf Plastikbeutel mit Hundekot, die am Wegrand, im Gebüsch oder mitten auf der Straße liegen ...