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Wetterfühligkeit - wenn der Kreislauf verrückt spielt | BR24

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Wetterfühligkeit - wenn der Kreislauf verrückt spielt

Goldener Herbst, nasskalte Tage - die Wetterkapriolen des Herbstes machen so manchem zu schaffen. Bei extremen Temperaturschwankungen kommt der Körper oft nicht mit. Kopf und Knochen schmerzen, der Kreislauf spielt verrückt.

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Mehr als die Hälfte aller Deutschen bezeichnet sich als wetterfühlig, so eine Umfrage des Deutschen Wetterdienstes, ein Fünftel der Bundesbürger gibt sogar an, stark unter dem Wetter zu leiden. Besonders bei stürmischem Wetter und wenn es kälter wird, klagen viele über Beschwerden. Das Problem: Betroffene werden häufig nicht ernst genommen, die Symptome als Einbildung abgetan. Auch in der Wissenschaft ist man sich nicht einig, was hinter dem Phänomen Wetterfühligkeit steckt.

Starke Symptome bei Wetterwechsel

Die Älteren spüren das Wetter subjektiv stärker als die Jüngeren: In der Altersgruppe der ab 60-Jährigen klagen nahezu 70 Prozent darüber, dass ihnen das Wetter in Knochen und Kopf fährt. Auch Frauen in der Menopause leiden ausgeprochen bei Wetterumschwüngen. Die häufigsten wetterbedingten Symptome sind Kopfschmerzen und Migräne (59 Prozent), Müdigkeit (55 Prozent), Abgeschlagenheit (49 Prozent), Gelenkschmerzen (42 Prozent) und Schlafstörungen (40 Prozent). Betroffene fühlen sich matt, müde, antriebslos, deprimiert oder gereizt. Aber, so Professor Andreas Matzarakis, Meteorologe vom Deutschen Wetterdienst, Zentrum für Medizin:

"Die Wetterfühligkeit, das ist eine große Palette von Beschwerden, die nicht unbedingt mit dem Wetter zusammenhängen müssen. Aber das Wetter führt dazu, dass diese Beschwerden das Glas zum Überlaufen bringen."

Das Wetter verstärkt Beschwerden

Frieren und Schwitzen, das sind ganz normale Körperreaktion auf ganz normale Wetterreize. Andreas Matzarakis vermutet, dass wetterfühlige Menschen eine niedrige Reizschwelle haben könnten und dass ihr Körper darum schon auf geringe Wetterreize heftig reagiert. Darum unterscheidet man auch zwischen "nur" wetterfühlig und wetterempfindlich. Wetterempfindliche Menschen haben bereits Vorerkrankungen, die sich durch den Wetterwechsel verstärken. Die Krankheitssymptome verschlechtern sich bei wetterempfindlichen Menschen bei Wetterumschwüngen in manchen Fällen deutlich.

Der Nachweis von Wetterfühligkeit ist schwierig

Warum das Wetter so einen Einfluss hat, oder ob das Ganze nicht doch nur Einbildung ist, ist schwer zu erforschen. Das liegt unter anderem daran, dass es zu einem bestimmten Zeitpunkt viele verschiedene Wettervariablen gibt. Alle ändern sich gleichzeitig, oft heftig bei einem Wetterumschwung.

Fachleute gehen davon aus, dass Reaktionen auf das Wetter sich durch das Zusammenspiel aller Wetterfaktoren wie Temperatur, Feuchtigkeit, Sferics (elektromagnetische Gewitterimpulse), Druckschwankungen sowie UV- und Infrarotstrahlen erklären. Dazu kommt die persönliche Disposition. Wie genau das alles zusammenspielt, konnte bisher aber nicht geklärt werden.

Das Biowetter - Hilfe für Wetterfühlige?

Der Deutsche Wetterdienst stellt schon lange auch ein "Biowetter" zusammen und definiert dabei mehrere Wetterlagen. Am allerbesten ist die stabile Hochdrucklage. Da haben die wenigsten Menschen Probleme mit der Gesundheit. Bei einem Tiefdruckzentrum treten eher allgemeine Befindlichkeitsstörungen auf, aber auch Phantomschmerzen. Eine höhere Luftfeuchtigkeit ist schlecht bei Gelenkproblemen und nähert sich eine Warm- oder Kaltfront, haben Menschen häufiger Kopfschmerzen. Dieser Wetterumschlag ist die problematischste Wetterkonstellation, vor allem zum Kalten hin.

Biowetter - Aussagekraft ist beschränkt

Mit großer Wahrscheinlichkeit haben also Temperatur und Feuchtigkeitssprünge eine Auswirkung auf unsere Gesundheit, vor allem bei chronischen Schmerzpatienten. Unklar bleibt aber der genaue Einfluss des Wetters. Der Wirkmechanismus auf Wetterfühlige ist unbekannt und auch eine Regelhaftigkeit, also welches Wetter welche Beschwerden auslöst, ist nicht festzustellen. Biowettervorhersagen basieren auf statistischen Zusammenhängen, gelten nicht für einzelne Personen, ihre Vorhersagekraft ist also nur begrenzt.

Föhn: eine bayerische Besonderheit

An einem Tag Kälte und Regen, am anderen Tag Sonnenschein und Frühlingsgefühle - so ein plötzlicher Wetterwechsel macht manchen Bayern zu schaffen. Umweltmediziner aus München haben in einer Umfrage festgestellt, dass ein Drittel aller Bürger des Freistaats leidet, wenn es wärmer wird - in den nördlichen Bundesländern dagegen klagen wenige bei Temperaturanstiegen über Beschwerden.

Leben gegen den eignen Biorhythmus

Dass wir auf Wetterwechsel mit körperlichen Beschwerden reagieren, ist unter anderem eine Folge unseres Lebens in vier Wänden, meint Angela Schuh, Professorin für medizinische Klimatologie an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München in ihrem Buch "Biowetter". Danach beruht Wetterfühligkeit zu einem großen Teil auf einem Trainingsmangel des Körpers. Das führe dazu, dass er sich nicht schnell genug und auch nicht mit den richtigen körperlichen Abläufen anpassen könne. Darüberhinaus leben viele immer stärker gegen den eigenen Biorhythmus: Das Berufsleben findet für viele Menschen in Innenräumen statt. Dort gibt es zwangsläufig zu wenig Tageslicht, was zu Beschwerden führen kann, so Angela Schuh. Aber auch ein unregelmäßiges Leben bringe den zirkadianen Rhythmus durcheinander.

Wetterfühligkeit: Das können Sie dagegen tun

  • Ab an die frische Luft - wann immer es geht und bei jedem Wetter. Besonders gut ist Ausdauertraining: also wandern, walken, joggen, Rad fahren, spazieren gehen. Sie trainieren durch die sportliche Betätigung im Freien nicht nur Ihr Immunsystem, sondern der Körper übt auch die Anpassung an wechselnde Wetterlagen.
  • Man sollte sich so kleiden, dass man sich leicht kühl fühlt, aber nicht friert. Das trainiert die Thermoregulation des Körpers. Außerdem hilfreich ist jede Art der Abhärtung: Wechselduschen, Kneippsche Anwendungen und regelmäßige Saunabesuche.
  • Wetterfühlige sollten sich einen immer gleichen Tagesablauf angewöhnen - also Weckzeit, Mahlzeiten und Schlafensgehenzeit sollten möglichst immer zur selben Zeit stattfinden.
  • Regelmäßiger und ausreichender Schlaf kann Wetterfühligkeit lindern. Wer es kann, sollte sich ein kurzes Mittagsschläfchen gönnen, allerdings nicht länger als eine halbe Stunde.
  • Gesund und regelmäßig, möglichst immer zur selben Zeit essen.
  • Wetterfühlige sollten auf Nikotin, Alkohol oder Kaffee verzichten, da diese Genussmittel Kopfschmerzen verursachen können.
  • Melissentee und grüner Tee sowie Bäder mit Rosmarinöl werden immer wieder als Hausmittel gegen Kopfschmerzen und Wetterfühligkeit empfohlen.