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Wann Igel Ihre Hilfe brauchen | BR24

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Im Herbst fressen sich Igel ihre Fettreserven für den Winter an. Das Insektensterben und eine igelfeindliche Natur machen ihnen das immer schwerer. Dennoch sollten Sie Igeln nur im Notfall helfen. Wann genau und wie, dazu hier eine Checkliste.

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Wann Igel Ihre Hilfe brauchen

Im Herbst fressen sich Igel ihre Fettreserven für den Winter an. Das Insektensterben und eine igelfeindliche Natur machen ihnen das immer schwerer. Dennoch sollten Sie Igeln nur im Notfall helfen. Wann genau und wie, dazu hier eine Checkliste.

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Igel halten gewöhnlich von November bis März ihren Winterschlaf. Um die nötigen Kraftreserven für die Wintermonate zu haben, gehen sie im Herbst auf Futtersuche. Doch immer seltener werden sie dabei fündig. "In einer ausgeräumten Landschaft, in der blühende Wegraine, Hecken, Feldgehölze und Brachen untergepflügt oder weggespritzt werden, kann er weder Insekten als Nahrung noch Unterschlupf finden", beklagte erst kürzlich Rüdiger Wohlers, stellvertretender Pressesprecher beim Naturschutzbund in Niedersachsen (NABU Niedersachsen), in einer Anfang September veröffentlichten Mitteilung.

Doch nicht nur eine igelfeindliche Landschaft, auch der Klimawandel reduziert das Nahrungsangebot für die Tiere. Die Folge: Die Igel fressen, was sie kriegen. Das kann aber gefährlich werden. Insbesondere Regenwürmer und Schnecken machen Igel krank. Und: Wer Igeln dann helfen will, muss einiges beachten.

Warum Schnecken und Regenwürmer Igel krank machen

Der Verzehr von Schnecken und Regenwürmern ist für Igel deshalb so gefährlich, weil sowohl Schnecken als auch Regenwürmer Zwischenwirte des Haarwurms, Saugwurms, Bandwurms und Rundwurms sind. Frisst ein Igel Regenwürmer oder Schnecken, breiten sich die Würmer in seinem Organismus aus und richten auf Dauer lebensgefährliche Schäden an allen inneren Organen des Igels an.

© picture alliance /blickwinke/Fotograf: McPHOTO/R. Mueller

Igeln zu helfen, ist oft gut gemeint, aber nur in Ausnahmefällen erlaubt.

Warum Sie Igeln nur in Ausnahmefällen helfen dürfen

Weil Igel Wildtiere sind, sie sogar durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützt sind, darf ihnen aber nur in Ausnahmefällen geholfen werden - etwa, wenn sie verletzt oder krank sind. Danach müssen sie unverzüglich wieder freigelassen werden.

Woran Sie erkennen, dass ein Igel Hilfe braucht

Ein Igel braucht Hilfe, wenn:

  • er erkennbar mager ist - Anzeichen dafür sind: die Einbuchtung hinter dem Kopf, der birnenförmige anstatt runde Körper, die eingefallenen anstatt kugelig hervorstechenden Augen,
  • er röchelt oder hustet und als nachtaktives Tier tagsüber nach Futter sucht,
  • er torkelt, er sich merkwürdig fortbewegt oder apathisch herumliegt,
  • er sichtbar verletzt ist,
  • er voller Zecken, Flöhe, Fliegeneier oder Maden steckt.
  • er dünnflüssigen Kot hinterlässt

Weitere Anzeichen, dass ein Igel Hilfe braucht

Um zu erkennen, ob ein Igel tatsächlich krank ist, nehmen Sie ihn mit Handschuhen oder einem Tuch vorsichtig auf und drehen ihn auf den Rücken: Wenn der Igel sich nicht zur Kugel zusammenrollt und sich der Igelbauch deutlich kälter anfühlt als Ihre Hand, ist der Igel wahrscheinlich krank und auf Hilfe angewiesen.

Außerdem brauchen Jungtiere dringend Hilfe, die sich tagsüber außerhalb des Nestes befinden und noch geschlossene Augen und Ohren haben.

Bei Igeln, die nach Wintereinbruch, bei Dauerfrost oder Schnee – vor allem tagsüber - herumlaufen, handelt es sich meist um alte, kranke Tiere. Sie brauchen ebenfalls Hilfe. Auch bei Jungtieren, die das Winterschlafgewicht von 500 – 600 Gramm noch nicht erreicht haben, ist eine Hilfe erlaubt.

Igel gefunden? Was Sie dann tun sollten

Der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV Bayern), der gemeinsam mit dem BR 2015 das Projekt "Igel in Bayern" gestartet hat, gibt beim Auffinden eines Igels folgende Ratschläge:

  • Funddaten und Gewicht des Igels notieren
  • Fliegeneier, Maden, Flöhe und Zecken entfernen
  • Igel auf Verletzungen untersuchen
  • Unterkühlte Igel wärmen: Unterkühlte Igel sind an der Bauchseite deutlich kälter als Ihre eigene Hand. Setzen Sie den Igel auf eine handwarme Wärmflasche und wickeln Sie beides in ein Handtuch ein.
  • Füttern: Verfüttern Sie eine Mischung aus Katzenfutter, Igeltrockenfutter und ungewürztem Rührei. Igel sind Fleischfresser und essen kein Obst. Zum Trinken stellen Sie ein Schälchen mit Wasser bereit. Geben Sie dem Igel niemals Milch. Er bekommt davon Durchfall und kann daran sterben.
  • Gehege mit Schlafhäuschen einrichten: Das Gehege muss mindestens 2 m² groß sein und ca. 50 cm hohe Seitenwände aus Holz- oder Hartfaserplatten aufweisen. Als Schlafhaus dient ein mit Papier ausgelegter Karton.
  • Suchen Sie sobald wie möglich einen Tierarzt auf

Aufgefundene Igel - weitere Tipps und Hilfen

Weitere Informationen rund um den Igel finden Sie unter anderem auf den Internetseiten von Bund Naturschutz e.V., Landesbund für Vogelschutz, und dem Verein für integrierten Naturschutz Deutschland e.V.

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