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Todesfälle in New York: Covid-19 und Kawasaki-Syndrom | BR24

© picture alliance/ ANDBZ/ABAC

Auf Intensivstationen in den USA und in Europa gibt es Kinder mit starken Entzündungsreaktionen, die dem Kawasaki-Syndrom ähneln.

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    Todesfälle in New York: Covid-19 und Kawasaki-Syndrom

    Nach Fällen in Europa erleiden nun auch Dutzende Kinder in den USA ungewöhnlich heftige Entzündungen und zeigen überschießende Immunreaktionen. Drei sind daran verstorben. Unklar ist, ob ein Zusammenhang mit dem Coronavirus besteht.

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    Auf Intensivstationen in den USA, Großbritannien, Italien, Spanien und der Schweiz gibt es mehr Fälle von Kindern mit starken Entzündungsreaktionen, die dem Kawasaki-Syndrom ähneln. Deutschland ist bisher nicht betroffen.

    Drei Todesfälle mit mysteriösen Entzündungen in New York

    In der Stadt New York und im gesamten Bundesstaat gibt es Dutzende Fälle, bei denen Kinder an einem mysteriösen Entzündungssyndrom erkranken. Sie haben Fieber, Hautausschlag, Bauchschmerzen und leiden an Erbrechen. Im Bundesstaat New York wurden drei Todesfälle gemeldet: Ein fünfjähriger Junge, ein Grundschüler und ein Jugendlicher.

    Zusammenhang zwischen Coronavirus und Kawasaki-Syndrom unklar

    Jetzt soll geklärt werden, ob es einen Zusammenhang zum neuartigen Coronavirus gibt. Alle betroffenen Kinder werden auf den Erreger und Antikörper gegen Sars-CoV-2 getestet. Etwa die Hälfte der getesteten Kinder sei mit dem Coronavirus infiziert gewesen. 81 Prozent hatten Antikörper gegen den Erreger im Blut, heißt es aus New York. Trotzdem ist unklar, ob die Entzündungsreaktionen, die beim sogenannten Kawasaki-Syndrom in ähnlicher Weise auftreten, mit Corona in Verbindung stehen.

    Kinder haben bei Covid-19 meist milden Verlauf

    Bisher haben sich nur vergleichsweise wenige Kinder mit dem Coronavirus infiziert. Laut Robert-Koch-Institut sind es in Deutschland 10.000 gemeldete Fälle von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Etwa ein Prozent der Kinder und Jugendlichen musste stationär behandelt werden. Bei den meisten betroffenen Kindern ist der Verlauf mild.

    Manche Kinder müssen intensivmedizinisch behandelt werden

    Ärzte aus Großbritannien, Italien, Spanien und der Schweiz hatten Ende April berichtet, dass sie neuerdings vermehrt Kleinkinder intensivmedizinisch behandeln müssen, die starke Entzündungsreaktionen zeigen. Die Zahl der jungen Patienten sei gering, aber höher als sonst. In Paris wurde von 15 Kindern berichtet, in London wurden bisher zehn Kinder behandelt.

    Ein Münchner Junge mit starken Entzündungen nach Covid-19

    Auch in München zeigte ein Junge nach Covid-19-Infektion eine überschießende Entzündungsreaktion, die gut behandelt werden konnte. Der Junge ist jetzt wieder wohlauf, so André Jakob, Oberarzt der Abteilung Kinderkardiologie und pädiatrische Intensivmedizin am Klinikum Großhadern. Er leitet deutschlandweit die größte Forschungseinheit zum Kawasaki-Syndrom.

    "Auf unserer Intensivstation wurde ein Kind mit einem schweren Verlauf behandelt. Neben der Covid-19 typischen schweren Lungenbeeinträchtigung, das Kind musste beatmet werden, hatte es mit einer überschießenden Entzündungsreaktion, einer sogenannten Hämophagozytischen Lymphohistiozytose (HLH), zu kämpfen. Es gibt aber keinen Hinweis darauf, dass der Junge am Kawasaki-Syndrom erkrankt war." André Jakob, Leiter der kinderkardiologischen Ambulanz im Dr. von Haunerschen Kinderspital in München

    Das Kawasaki-Syndrom führt zu Fieber und Atemwegsproblemen

    Das Kawasaki-Syndrom ist eine akute Erkrankung, bei der Gefäße der kleinen und mittleren Arterien und viele Organe entzündet sind. Zuerst kommt es zu hohem Fieber, das ohne Therapie etwa zehn Tage anhält. Die meisten Kinder haben eine rote Erdbeerzunge, einen Hautauschlag und niedrigen Blutdruck. Auch Bauchschmerzen, Darmprobleme und Husten können auftreten. In Deutschland erkranken pro Jahr etwa neun von 100.000 Kindern unter fünf Jahren an dieser "Multi-System-Entzündung" mit grippeähnlichen Symptomen. Die Ursache für diese seltene Kinderkrankheit ist unbekannt.

    Covid-19 und das Kawasaki-Syndrom haben Gemeinsamkeiten

    Covid-19 und das Kawasaki-Syndrom haben einige gemeinsame Merkmale wie beispielsweise Atemwegsprobleme und die überschießenden Entzündungsreaktionen, weshalb sich die Frage nach Berührungspunkten stellt.

    "Weder bei uns in München, noch aus den Berichten der anderen Krankheitsverläufe in Europa geht hervor, dass ein Zusammenhang zwischen Covid-19 und Kawasaki besteht." André Jakob, Leiter der kinderkardiologischen Ambulanz im Dr. von Haunerschen Kinderspital in München

    Bisher unklar, ob die Kinder am Kawasaki-Syndrom erkrankt waren

    Britische Ärzte hatten berichtet, dass die Kinder "extrem krank" gewesen seien. Einige von ihnen seien positiv auf Covid-19 getestet worden, andere aber auch nicht. Deshalb ist bisher völlig unklar, ob aus einer Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus eine Erkrankung am Kawasaki-Syndrom folgen könnte oder ob überhaupt ein Zusammenhang besteht.

    "Es wächst die Sorge, dass bei Kindern in Großbritannien ein Covid-19-bedingtes entzündliches Syndrom auftritt oder dass mit diesen Fällen ein weiterer, noch nicht identifizierter infektiöser Erreger verbunden sein könnte." Nationaler Gesundheitsdienst in Großbritannien

    In Deutschland gibt es bisher keine vergleichbaren Berichte

    Der heftige Krankheitsverlauf bei Kindern in anderen europäischen Ländern wird hierzulande in dieser Art nicht beobachtet.

    "In Deutschland sind bislang keine vergleichbaren Fälle bekannt, es wird aber verstärkt darauf geachtet." Susanne Glasmacher, Pressesprecherin des Robert-Koch-Instituts

    Überschießende Entzündungsreaktion kann das Herz angreifen

    In Paris berichtet der französische Gesundheitsminister von 15 Kindern aller Altersstufen, die Symptome wie Fieber, Beschwerden im Verdauungstrakt und Gefäßentzündungen hatten, die eine Herzschwäche verursachen können. Bisher ist kein Kind daran gestorben. Außerdem wurden aus Spanien, Italien und der Schweiz solche Erkrankungen bei Kindern gemeldet.

    "Die Berichte aus anderen Ländern von Kindern mit einem Kawasaki-Syndrom-ähnlichen Verlauf lassen zu jetzigem Zeitpunkt lediglich eine schwere Entzündungsreaktion, die nicht nur durch das Coronavirus allein erklärbar wäre, erkennen. Es wird häufig von einem sogenannten inkompletten Kawasaki-Syndrom gesprochen." André Jakob, Leiter der kinderkardiologischen Ambulanz im Dr. von Haunerschen Kinderspital in München

    Üblicherweise haben Kinder mit Covid-19 kaum Symptome

    Experten betonen, dass nur wenige Kinder schwer am Coronavirus erkranken und oft sogar gar nichts von einer Infektion bemerken. Ob Covid-19 längerfristige Spuren hinterlässt, weiß derzeit noch niemand.

    "Insgesamt scheinen Kinder nach Exposition gegenüber Coronavirus widerstandsfähiger gegen schwere Lungeninfektionen zu sein, und die Zahl der auf Intensivstationen aufgenommenen Personen ist relativ gering." Dr. Nazima Pathan, Beraterin für pädiatrische Intensivmedizin in Cambridge

    Falls Symptome auftreten, sofort ärztlichen Rat einholen

    Der Rat ist, dass sich Eltern, die sich aus irgendeinem Grund Sorgen um ihr Kind machen, möglichst umgehend ärztlichen Beistand suchen sollten. Unter der Telefonnummer 116117 gibt es rund um die Uhr Hilfe für Patienten. Dieser ärztliche Bereitschaftsdienst vermittelt auch Kinderärzte, die eine erste Einschätzung geben können.

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