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Mögliche Langzeitfolgen der Covid-19-Erkrankung | BR24

© dpa-Bildfunk/Sebastian Gollnow

Durch Covid-19 wird nicht nur die Lunge geschädigt. Das Virus SARS-Cov-2 kann zahlreiche Organe des Körpers beeinträchtigen - mit Langzeitfolgen.

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Mögliche Langzeitfolgen der Covid-19-Erkrankung

Der Erreger Sars-Cov-2 befällt hauptsächlich die Lunge, in schweren Fällen bekommen die Patienten eine Lungenentzündung und müssen beatmet werden. Doch das Virus schädigt auch andere Organe und das kann möglicherweise zu langfristigen Folgen führen.

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Einerseits ist die künstliche Beatmung bei schweren Lungenentzündungen durch das Coronavirus lebensrettend. Andererseits ist bekannt, dass diese Maßnahme nur als letztes Mittel und nur so kurz wie nötig eingesetzt werden soll, weil sie ebenfalls die Lunge schädigen kann. Das liegt daran, dass das Beatmungsgerät die Luft mit einem höheren Druck in die Lunge bläst, um die verringerte Aufnahmefähigkeit der Lunge auszugleichen, als bei einem normalen Atemzug.

Das kann später zu Folgeschädigungen führen, weil zum Beispiel kleinste Strukturen der Lunge, die sogenannten Alveolen, geschädigt werden könnten.

Entzündungen in den Blutgefäßen

Mittlerweile gibt es auch aus vielen Ländern Fallbeschreibungen, kleine Studien und Obduktionsergebnisse, die darauf hindeuten, dass es bei Covid-19 zu Entzündungen in den Blutgefäßen kommen kann. Die könnten indirekt zu einer höheren Sterblichkeit, aber vor allem offenbar zu schweren Langzeitschäden bei wieder Gesunden beitragen.

Blutgerinnsel im Gehirn oder Herzen

Die Entzündungen in den Blutgefäßen sorgen nämlich dafür, dass sich im Rahmen der Immunreaktion auch Gerinnsel bilden, das heißt, es können kleinere oder größere Blutpfropfe in den Gefäßen entstehen. Die wandern dann mit dem Blutstrom im Körper weiter Richtung Herz, Gehirn, Lunge oder Niere. Sobald sie dort in kleinen Gefäßen steckenbleiben, wird im Gewebe dahinter die Blutversorgung abgeschnitten.

© BR

Die vom Coronavirus ausgelöste Krankheit Covid-19 tritt zwar meist als Lungenerkrankung in Erscheinung, doch inzwischen werden immer mehr atypische Krankheitsverläufe bekannt, bei denen das SARS-CoV-2 andere Organe schädigt.

Die Folgen können sein: Nierenversagen, Herzinfarkte oder sogar Schlaganfälle. Schon im Februar berichteten erste Studien aus China von neurologischen Ausfällen bei manchen Covid-19-Patienten, das könnten Hinweise auf solche Schlaganfälle sein. Mittlerweile berichten aber auch Kliniken aus Europa und den USA von solchen Fällen. Beunruhigend dabei: Die Patienten hatten oft keine Vorerkrankungen und waren mit 30 bis 50 Jahren ziemlich jung.

Wenn ein Schlaganfall oder ein Herzinfarkt nicht innerhalb von wenigen Stunden erkannt und behandelt werden kann, bleiben davon in vielen Fällen Langzeitfolgen zurück.

Geruchssinn geht wochenlang verloren

Schon länger häufen sich auch die Berichte, dass Covid-19-Patienten einen Verlust ihres Geruchssinns erleiden. Der kann wochenlang andauern - und ist auch ein Hinweis darauf, dass das Virus das Nervensystem angreift. Ob hinter dem Verlust des Geruchssinns noch schwerwiegendere Folgen für das Gehirn liegen, ist bislang unbekannt.

Größere Studien sind nötig

Wie aussagekräftig die einzelnen Beobachtungen und kleineren Studien zu diesen Folgeschädigungen sind, ist noch unklar. Vielleicht zeigen sich hier nur statistische Effekte, weil Patienten mit Schlaganfall, die zugleich auch an Covid-19 erkrankt sind, in der derzeitigen Lage eine besondere Aufmerksamkeit bekommen.