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Öffentliche Toiletten als Corona-Virenschleudern | BR24

© picture alliance/Geisler-Fotopress

Öffentliche Toiletten können beim Spülvorgang Viren bis zu einem Meter in die Luft schleudern.

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    Öffentliche Toiletten als Corona-Virenschleudern

    Die Klospülung könnte dazu beitragen, dass Coronaviren in die Luft gelangen, bestätigt eine aktuelle Studie aus China. Kann man sich in öffentlichen Toiletten mit SARS-CoV-2 anstecken?

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    Ein weiteres Ansteckungsrisiko für SARS-CoV-2 rückt in den Fokus wissenschaftlicher Studien: Der Toilettengang und eine mögliche Übertragung über die Luft. Chinesische Wissenschaftler veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachblatt "Physics of Fluides". Sie untersuchten, wie sich kleine Schwebeteilchen beim Spülen einer Toilette in der Luft verteilen.

    Aerosole steigen bis zu einem Meter hoch

    Die Physiker der Universität von Yangzhou nutzten Computersimulationen, um die Wasser- und Luftströmungen im Detail zu untersuchen. Denn bei jedem Spülgang werden in der Toilette Wirbel erzeugt, die nach oben steigen und sich in Form von Aerosolen auf Oberflächen absetzen können. Bis auf eine Höhe von einem Meter können die Teilchen eingeatmet werden. Sie sind ein Gemisch aus festen und flüssigen Schwebeteilchen und nur wenige Mikrometer groß. Eine Minute lang können diese Aerosole in der Luft schweben. Bei Toilettentypen mit zwei Wassereinflüssen steigen sie sogar noch schneller nach oben, stellten die Forscher fest.

    "Man kann davon ausgehen, dass diese Geschwindigkeit noch höher ist, wenn eine Toilette häufig benutzt wird, so etwa bei einer Familientoilette oder einer öffentlichen Toilette in einem dicht besiedelten Raum." Ji-Xiang Wang, Ko-Autor, Universität Yangzhou

    Ansteckungsrisiko in engen öffentlichen Toiletten

    Der einfachste Weg, dieses Ansteckungsrisiko zu umgehen, wäre ganz praktisch: Den Klodeckel vor dem Spülgang zu schließen. Doch dazu müsste es immer einen Deckel in öffentlichen Toiletten geben. Die Ergebnisse könnten aber auch eine mögliche Erklärung zur schnellen Verbreitung des Corona-Virus auf Kreuzfahrtschiffen liefern, betont der Chefarzt Clemens Wendtner von der München-Klinik Schwabing in Bezug auf die Studie: "Ein derartiges Spreading halte ich nicht für ausgeschlossen". Gerade in engen Räumen wie auch in Zügen, Flugzeugen oder Sammelunterkünften, könnte das Virus über die Luft übertragen werden. Noch ist jedoch unklar, ob dafür die Ausscheidungen verantwortlich wären oder Husten und Niesen einer infizierten Person, die vorher in der Toilette war.

    Vermehrt sich SARS-CoV-2 im menschlichen Magen-Darm-Trakt?

    Wissenschaftler konnten bislang in wenigen Fällen nachweisen, dass SARS-CoV-2 im menschlichen Verdauungstrakt überlebt. Eine Studie dazu veröffentlichte Clemens Wendtner zusammen mit Christian Drosten von der Berliner Charité im Fachblatt "Nature". Sie untersuchten den Infektionsverlauf von neun deutschen Patienten. Im Stuhl der Infizierten fanden sie keine Viren, die sie auf Covid-19 zurückführen konnten. "Jedoch könnten hier E.-coli Bakterien alles überwuchern", erklärt der Infektiologe Wendtner.

    Tote Viren sind nicht ansteckend

    Es ist noch unklar, ob von Ausscheidungen ein Infektionsrisiko ausgeht. Bisherige Ergebnisse bei denen SARS-CoV-2-RNA aus dem Stuhl isoliert wurden, bestätigen die Übertragung als mögliches Risiko. Doch ein Detail wurde auch deutlich: Tote Viren sind nicht ansteckend. Trotzdem empfehlen Mediziner, sich in öffentlichen Toiletten nicht auf die Klobrille zu setzen und die Hygieneempfehlungen zu beachten. Clemens Wendtner betont jedoch: "Nachdem die Infektionskette über die Lunge läuft, ist es bestimmt relevanter, Abstandsregeln im öffentlichen Raum einzuhalten und Massenveranstaltungen zu vermeiden".