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Interstellarer Asteroid Oumuamua stammt wohl aus Doppelstern-System

Oumuamua war der erste entdeckte interstellare Asteroid, der durch unser Sonnensystem flog. Der Besucher aus den Tiefen des Alls stammt wahrscheinlich aus einem System mit zwei Sternen, vermuten kanadische Wissenschaftler.

Von: Heike Westram

Stand: 20.03.2018

Der Asteroid Oumuamua (oder 'Oumumamua) – hawaiianisch für "Bote aus der fernen Vergangenheit, der uns zu erreichen sucht" - war im Oktober 2017 mit dem Teleskop Pan-STARRS auf Hawaii entdeckt worden. Er war das erste Objekt, bei dem bestätigt werden konnte, dass es von außerhalb in unser Sonnensystem kam.

So ein Doppelstern-System könnte die Heimat von Oumumamua sein.

Ein Forscherteam um Alan Jackson von der Universität von Toronto vermutet, dass der Asteroid aus einem unbekannten Doppelsternsystem herausgeschleudert wurde, als sich dort die Planeten bildeten. In einem System mit zwei Sternen sei das viel wahrscheinlicher als in einem System mit nur einem Zentralgestirn, haben die Wissenschaftler berechnet. Weiter gehen sie davon aus, dass einer der beiden Sterne heiß und massereich war. In einem solchen System gebe es nämlich mehr Objekte aus Gestein. Die Studie des Wissenschaftler-Teams aus Kanada erschien im März 2018 in der Fachzeitschrift "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society".

Wirbelnd durchs All

Oumuamua, der erste uns bekannte interstellare Asteroid mit der astronomischen Bezeichnung 1I/2017 U1, ist auf seiner Reise recht unruhig unterwegs. Er kollidierte wohl vor Milliarden Jahren beim Verlassen seines Heimatsystems mit einem kleineren Objekt und geriet dadurch ins Taumeln. Das zeigen die Ergebnisse einer Studie der Queen’s University Belfast, veröffentlicht im Februar 2018 im Fachmagazin "Nature Astronomy". Ein Forscherteam um Wesley C. Fraser hat sich des Asteroiden Oumumamua seit seiner Entdeckung im Oktober 2017 angenommen.

Die Wissenschaftler analysierten das unterschiedliche Helligkeitsverhalten des Asteroiden. Dazu werteten sie die mit verschiedenen Farbfiltern gemachten Fotos des Very Large Telescopes (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) und weiterer Teleskope weltweit aus.

Gurke statt Zigarre

So könnte 'Oumuamua aussehen

Der höchstens 400 Meter lange Brocken fiel schon bei seiner Entdeckung durch seine außergewöhnliche Form und Rotation auf: Das Verhältnis seiner Länge zu seiner Breite beträgt nach den neuesten Berechnungen etwa 5:1 – zunächst war man sogar von 10:1 ausgegangen. Deshalb verglich man ihn zunächst mit einer riesigen Zigarre. Mittlerweile sprechen die Forscher von einer unregelmäßigen Gurkenform. Doch auch ein Verhältnis von 5:1 ist bisher in unserem Sonnensystem für kein Objekt bekannt. Weil er so klein ist, war es gar nicht leicht, den Asteroiden überhaupt aufzuspüren.

Fast unsichtbares Objekt

Denn Oumuamua gehört zu den dustersten Gesellen im All: Seine zunächst rötlich erscheinende Oberfläche reflektiert nur vier Prozent des Lichts (eine Albedo von 0,04), das auf ihn fällt. Im Vergleich: Schnee hat eine Albedo von 95 Prozent. Fraser und sein Team fanden heraus, dass der Asteroid über eine gefleckte Oberfläche verfügt. Waren seine Breitseiten in Richtung Erde gedreht, erschien Oumuamua rötlich, sonst geht seine Färbung eher ins Dunkelgraue. Die starken farblichen Unterschiede weisen auf einen inneren Aufbau aus verschiedenen Materialien hin, so die Forscher.

Taumelnde Rotation im All

Zunächst nahmen sie an, Oumuamua drehe sich um seine kürzere Achse. Das schlossen die Astronomen aus dem Helligkeitswechsel, der immer wieder zwei ausgeprägte Peaks erreichte, in denen er um zwei Größenklassen heller wird, obwohl seine Oberfläche überall gleich dunkel ist. Die weitere Analyse der unterschiedlichen Helligkeitswerte zeigte nun, dass es sich nicht um eine einfache Drehung um eine feste Achse handelt. Vielmehr vollführt der Asteroid ein chaotisches Trudeln durch den Raum. Dabei rotiert der Astroid sehr schnell und benötigt für eine Rotation zwischen sieben und achteinhalb Stunden. "Der erste interstellare Besucher unseres Sonnensystems hatte eine brutale Vergangenheit, die bewirkte, dass er chaotisch herumtaumelt," heißt es bei Wesley C. Fraser und seinem Team auf der Webseite der Universität.

Den Wissenschaftlern zufolge ereignete sich dies Kollision vor mehreren Milliarden Jahren. Seither taumelt Oumuamua chaotisch durchs Weltall. Und wahrscheinlich wird er noch sehr lange weiter trudelnd rotieren, bis die dabei entstehende Reibung ihn ausbremst. Allerdings nur, wenn er nicht vorher nochmals mit einem fremden Objekt zusammenstößt.

Entdeckt in einem günstigen Moment

Um den kleinen, dunklen Brocken zu entdecken, brauchte es ein modernes Hochleistungs-Teleskop wie Pan-STARRS 1. Und den richtigen Moment: Denn als das Teleskop am 19. Oktober 2017 Oumuamua fand, war der Asteroid gerade noch sehr nah bei unserer Sonne. Auffallend nah. Nach wenigen Tagen Beobachtung mit verschiedenen Riesenteleskopen weltweit war klar: Das Objekt hat eine extreme Flugbahn, vergleichbar nur mit manchen Kometen. Doch es ist kein Komet: Nichts gast aus dem kleinen Körper aus, kein Schweif ist zu sehen. An diesen Untersuchungen war wesentlich die Europäische Südsternwarte ESO mit ihrem Very Large Telescope (VLT) in Chile beteiligt, mit dem Oberflächenfarbe, Albedo und der geringe Masseausstoß festgestellt werden konnten.

Interstellares Objekt auf ungewöhnlicher Bahn

Flugbahn des interstellaren Asteroiden 'Oumuamua

Die Bahn, auf der Oumuamua unterwegs ist, passt allerdings nicht zu einem gewöhnlichen Asteroiden. Er kreist nicht um unsere Sonne, seine Flugbahn ist auch nicht elliptisch, sondern geformt wie eine Hyperbel: Die beiden Äste – auf dem er kam und auf dem er wieder wegfliegt – verlieren sich im Unendlichen. Für die Forscher um Karen Meech vom Hawaiianischen Institut für Astronomie, die seine Bahn untersuchten, ein klares Indiz: Dieses kosmische Objekt auf seiner exzentrischen Bahn kam nicht aus unserem Sonnensystem, sondern von außerhalb – er ist ein interstellares Objekt (kurz: ISO). Und begründet damit eine neue Namensreihe: 1I/2017 U1 lautet seine offizielle Bezeichnung – "I" für "interstellar".

Schnelle Stippvisite aus dem fernen All

Nur ein einziges Mal kam der interstellare Asteroid unserer Sonne nah. Und zwar näher als der innerste Planet Merkur ihr je kommt: Nur 0,25 AE war Oumuamua zum Zeitpunkt seiner größten Sonnennähe von der Sonne entfernt, ein Viertel der Entfernung der Erde. Das war bereits im September. Als die Teleskope ihn unter die Lupe nahmen, war er schon wieder bei der Abreise. Er wird unser Sonnensystem bald wieder ganz verlassen. Denn Oumuamua ist rasend schnell unterwegs: Rund 95.000 Kilometer legte der Asteroid pro Stunde zurück, als er in unser Sonnensystem eintrat. Die enge Kurve um die Sonne hat ihn noch beschleunigt, auf eine Geschwindigkeit von knapp 160.000 Kilometer pro Stunde.

Oumuamua - das erste von weiteren interstellaren Objekten

Die Wissenschaflter gehen davon aus, dass Ounamua nicht das einzige interstellare Objekt ist, dass sich im inneren Sonnensystem aufhält. Doch erst jetzt sind unsere Teleskope in der Lage, die schwer sichtbaren Objekte überhaupt zu entdecken. Vermutlich werden in Zukunft noch mehr interstellare Asteroiden wie Oumuamua gefunden. Für Astronomen wohl ein Grund zur Freude, denn diese Objekte stammen aus fernen Sonnensystemen, die so weit weg sind, dass der Mensch sie selbst mit Sonden kaum erreichen kann. Nur das Licht dieser fernen Sternenwelten können wir von der Erde aus untersuchen. Ein interstellares Objekt wie dieser Asteroid ist wie eine Postkarte aus dem fernen Sonnensystem und könnte uns mit seinem Aufbau, seiner Oberfläche, seinen Eigenschaften und seinen Elementen erzählen, wie es in seiner Ursprungswelt aussieht.

  • IQ - Wissenschaft und Forschung: Der interstellare Asteroid 'Oumuamua. 24.11.2017 um 18:05 Uhr, Bayern 2

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Kommentare

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schliemanns, Dienstag, 19.Dezember, 21:44 Uhr

9. Oumuamua

@kevin: ihnen ist nicht klar, dass sie an einer Grafik rumforschen die vom Menschen am Computer gemacht wurde? Ich meine, das Bild sieht nett aus hat aber mit dem was man mit diesen Teloskopen sieht absolut nichts gemeinsam. Es ist nicht mal klar ob es jetzt 400 oder 800m lang ist. Die "Rotation" ist eine THeorie aufgrund dessen dass das Objekt alle ca. 7h seine Helligkeit von Stockdunkel auf sehr dunkel verändert hat.
Kapseln... Luken... ja nee, ist klar...

Kevin, Sonntag, 17.Dezember, 12:15 Uhr

8. Auf dem raumschiff ist leben oder abgefeuerte kapseln

Ich denke nach veranschaulichung des bildes und der Nachforschung das dieses raumschiff alles heruntergefahren hat und nicht gesehen werden möchte und an der sonne "getankt" hat.
Oder an dem raumschiff kapseln abgeschossen wurden weil man sieht es ist eine "kuhle" am hinterem teil in der mitte und vorn daher schließe ich das es sich doch um ein raumschiff handelt oder es kommt aus einer kriegerischen Galaxie daher würde ich sagen das man als
1. Wärmebilder aufnimmt
2. Weiterhin belauschen
3. Signale senden (Kontakt aufnehmen)
4.Und wen sich der Verdacht auf ein raumschiff bestätigt dann eine schnelle Sonde hinschicken

Der Schwitzer, Mittwoch, 13.Dezember, 11:10 Uhr

7. FORM

Die Form ist gerade mal außergewöhnlich und sieht aus wie ein Raumschiff aus Star Wars. Ob die Signale echt sind und gesendet werden wir man noch heraus finden, laut der NASA will man die Signale abhören und herausfinden ob es echte Signale sind oder einfach selbst durchsendete Strahlen.?! Sollte man herausfinden dasdie Signale doch unreal scheinen wird man sich ausrüsten und versuchen es vom Weltall holen oder es zu uns an die Erde fordern und dann genauer anschauen. Vielleicht wird man auch mit dem MIlitär handel. Warscheinlich würde dann auf der Erde die Menschheit nicht drauf klar kommen.!"?

Andreas, Freitag, 01.Dezember, 12:43 Uhr

6. Ungewöhnliche Form für einen Astereoiden ...

Augrund der ungewöhnlichen Form des Asteroiden sei die Frage erlaubt: Könnte es sich nicht auch um ein ausser Kontrolle geratenes interstellares Raumschiff handeln? Vielleicht sollten wir ihm eine Sonde nachschicken - was aber aufgrund seiner schnellen Hyperbelbahn fast unmöglich sein dürfte ... schade!

Helmut, Freitag, 24.November, 16:45 Uhr

5. Schon interessant

was man alles sieht, wenn man noch genauer hinsieht.
Vor einigen Jahren dachte man noch , das Weltall wäre eine fixe Einrichtung. Jetzt merkt man immer mehr, welche Dynamik dahinter steckt.
Wir nehmen sie nur nicht so gut wahr, weil wir so schnelllebig sind.

Was werden wir als nächstes entdecken, nach Eiswänden auf dem Mars, Sechsecken auf Saturn, Methanseen auf Titan, fliegenden Badeenten und Zigarren , verschmelzenden schwarzen Löchern und Neutronensternen ?
Ich bin gespannt.