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Nur der Malabar-Schnapper darf in Deutschland als Red Snapper verkauft werden. Hier kommt es oft zu Falsch-Deklarierungen.

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    Importierte Speisefische: Steckt der Fisch drin, der draufsteht?

    Immer wieder fällt bei Kontrollen auf, dass importierte Fische falsch deklariert werden. Dann kommt gar kein Red Snapper, sondern sein günstigerer Verwandter auf den Teller. Ein neues Verfahren soll solche Kontrollen sicherer und schneller machen.

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    Von
    • Thomas Samboll
    • Katrin Klaus

    Der Red Snapper - oder auch Roter Schnapper genannt - ist für seine tiefrote Farbe bekannt und als Speisefisch beliebt. Ein teurer, barschartiger Tropenfisch mit großem Kopf und großem Maul. Er kann bis zu einem Meter lang werden. Er wird in den Tropen gefangen, im nördlichen Indischen Ozean, aber auch an der Nord- und Ostküste Australiens bis hin zu Fidschi. Dann kommt er per Frachtflugzeug nach Europa. Zumindest trifft das für den Snapper zu, der bei uns in Deutschland als Red Snapper verkauft wird.

    Fischarten sehen sich sehr ähnlich

    Denn zu den Red Snappern gehören viele verschiedene, aber optisch ähnliche Fische. Hier in Deutschland darf nur der Malabar-Schnapper als Red Snapper verkauft werden. In den USA beispielsweise wird der Nördliche Schnapper als Red Snapper verkauft. Der lebt im Golf von Mexiko und an der Atlantikküste der USA. Verwirrend? Ist es. Denn die Fische sehen sich sehr ähnlich. Da muss bei Importkontrollen am Flughafen schon sehr genau darauf geachtet werden, dass auch wirklich der Red Snapper in den Verpackungen ist, der auch auf den Etiketten angegeben ist.

    Falsch-Deklarierungen an der Tagesordnung

    “Unsere Untersuchungen zeigten beispielsweise, dass über zwei Jahre im Grunde am Frankfurter Flughafen kein einziger Import dieser Art, also des echten „Red Snappers“, den echten „Red Snapper“ enthielt. Sondern nur nahe verwandte Arten, wobei es sich ganz klar um Falsch-Deklarationen handelt.“ Institutsleiter Reinhold Hanel, Thünen-Institut für Fischereiökologie in Bremerhaven

    Beamte bei der Einfuhrkontrolle am Frankfurter Flughafen haben 1.000 Proben von Fisch-Importen genommen, bei denen sie sich selbst nicht sicher waren, ob die angegebene Art auch wirklich drin ist. Das Ergebnis: Über 30 Prozent der Verdachtsfälle waren Falsch-Deklarierungen. Teilweise kann das nicht mal Absicht sein.

    Verwechslung kann zu falschen Etiketten führen

    Der Institutsleiter vom Thünen-Institut für Fischereiökologie, Reinhold Hanel, erklärt im BR-Interview, dass in den Herkunftsländern nicht immer nach den biologischen Arten unterschieden wird. Die Fischer gehen teilweise nur nach der Form der Fische - vor allem, wenn sich die Arten sehr ähnlich sehen. Teilweise handelt es sich aber auch um bewussten Betrug, wenn hochpreisige gegen niedrigpreisige Arten ausgetauscht werden.

    Identifikation bei verarbeitetem Fisch schwierig

    Das wird vor allem schwierig, wenn die Fische bereits verarbeitet - also direkt als Filet - geliefert werden. Dann helfen optische Identifikationsmerkmale wie Kopf oder Flossen gar nicht, weil sie nicht mehr vorhanden sind. Fischereiexpertin Catherine Zucco von der Umweltschutzorganisation WWF weist darauf hin, dass das vor allem auch bei Meerbarben, Drückerfischen und Zackenbarschen ein großes Problem darstellt:

    “Bei den Zackenbarschen hat man über 500 Arten! Und die sehen sich zum Teil sehr ähnlich. Und diese Arten sind dann schwer auseinanderzuhalten.” Fischereiexpertin Catherine Zucco, WWF

    DNA-Analysen zur Bestimmung von Art und Herkunft nötig

    Um die Fische eindeutig identifizieren zu können, hilft dann eigentlich nur eine DNA-Analyse. Bisher können diese aber nur begrenzt eingesetzt werden. Auch, weil es bei einigen importierten Arten keine eindeutigen Angaben zu ihrer typischen Genstruktur gibt. Da soll eine neu entwickelte, öffentliche Datenbank des Thünen-Instituts helfen. Darin ist ein genetischer Fingerabdruck der meisten legal in Deutschland gehandelten Fischarten enthalten. Derzeit sind das etwa 500 Arten. Neben Fotos werden DNA-Proben hinterlegt, die für einige Arten noch in ihren Herkunftsländern gesammelt werden müssen.

    “Bei unserer Datenbank ist es so, dass von dem Individuum auch Bilder verfügbar sind und dass eine genaue Herkunft verfügbar ist. Dass wir so eine Art Produktblätter für die einzelnen Fischarten entwickelt haben. Und diese Kombination aus mehrfachen Angaben erlaubt es, Falsch-Deklarationen aufzudecken.” Institutsleiter Reinhold Hanel, Thünen-Institut für Fischereiökologie in Bremerhaven

    Falsch gelabelte Fische können Gesundheit gefährden

    Denn Falsch-Deklarationen können auch gefährlich werden. Das ist beispielsweise bei der stark ölhaltigen Buttermakrele so, die regelmäßig als hochpreisiger Thunfisch ausgegeben wird. Bei empfindlichen Personen kann sie nach Verzehr starke Magen-Darm-Störungen hervorrufen. Transparenz ist damit auch für den Verbraucher wichtig.

    Fisch-Piraterie und illegalen Fang eindämmen

    Durch Kontrollen soll vor allem auch der illegale Fischfang aufgedeckt und unterbunden werden. Denn noch zu oft wird Fisch dort gefangen, wo die Bestände geschützt werden sollten. Wo sie sich erholen sollen. Fischfang zu regulieren ist schwierig. Die DNA-Datenbank, die ständig erweitert werden soll, kann aber helfen, Fische genau zu identifizieren und damit auch ihre Herkunft zu bestimmen.

    “Es ist so, dass weltweit geschätzt wird, dass bis zu 30 Prozent der Fänge illegal sind. Und das treibt natürlich auch die Überfischung an!“ Fischereiexpertin Catherine Zucco, WWF

    Schnelltests erforderlich

    Langfristig sollen Schnelltests entwickelt werden, damit falsch deklarierte Ware direkt am Flughafen erkannt wird und nicht erst, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Und wir dann gar nicht das auf dem Teller haben, was wir auf dem Teller haben sollten.

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