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Hat sich der aufrechte Gang in Europa entwickelt? | BR24

© Christoph Jaeckle

Knochen des Danuvius guggenmosi, eine im Allgäu neu entdeckte Menschenaffen-Art.

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    Hat sich der aufrechte Gang in Europa entwickelt?

    Im Ostallgäu, nahe der Tongrube Hammerschmiede, wurden 11,6 Millionen Jahre alte Knochen eines bislang unbekannten Menschenaffen gefunden. Er konnte nicht nur klettern, sondern auch aufrecht gehen - und das mehrere Millionen Jahre früher als gedacht.

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    Bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass nur Menschen aufrecht gehen konnten und diese Fähigkeit auf dem afrikanischen Kontinent gelernt haben. Eine neu entdeckte Menschenaffenart, der Danuvius guggenmosi, ein Vorfahr von Mensch und Affe könnte die Geschichte des aufrechten Gangs nun umschreiben.

    Gut erhaltene Gelenke eines fossilen Menschenaffen

    Zwischen 2015 und 2018 hatte ein Forscherteam um Madelaine Böhme von der Universität Tübingen bei Pforzen, rund zehn Kilometer von Bad Wörishofen entfernt, fossile Knochen der neuen Primatenart ausgegraben. Darunter waren erstmals vollständig erhaltene Arm-, Bein-, Finger- und Zehenknochen sowie Wirbel. Die Knochen machten rund 15 Prozent eines Skeletts aus und ermöglichten eine Rekonstruktion.

    "Damit ließ sich rekonstruieren, wie sich Danuvius fortbewegte. Zum ersten Mal konnten wir mehrere funktionell wichtige Gelenke - darunter Ellbogen, Hüfte, Knie und Sprunggelenk - in einem einzigen fossilen Skelett dieses Alters untersuchen. Zu unserem Erstaunen ähnelten einige Knochen mehr dem Menschen als dem Menschenaffen." Studienleiterin Madelaine Böhme, Universität Tübingen

    Unterschiede zwischen Danuvius guggenmosi und Menschenaffen

    Menschenaffen haben eine einfach gebogene Wirbelsäule. Die neu entdeckte Menschenaffen-Art Danuvius guggenmosi hatte dagegen eine S-förmige Wirbelsäule. Der anatomische Unterschied ermöglichte es dem Affen, seinen Rumpf aufrecht zu halten. Im Gegensatz zu anderen Affen nutzte er nicht nur seine Arme, sondern auch seine Beine zur Fortbewegung. Der große Zeh war so kräftig, dass Danuvius guggenmosi auf seinen Fußsohlen laufen konnte.

    "Danuvius kombinierte die von den hinteren Gliedmaßen dominierte Zweibeinigkeit mit dem von den vorderen Gliedmaßen dominierten Klettern." Mitautor David Begun, University of Toronto

    Der Danuvius guggenmosi war etwa einen Meter groß. Das gefundene Männchen wog 31 Kilogramm und das gefundene Weibchen rund 18 Kilogramm. Die Studie und ein dazugehöriger Kommentar wurden am 6. November 2019 im Fachmagazin "Nature" veröffentlicht.