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Haben Schwangere ein höheres Risiko für Thrombosen bei Covid-19? | BR24

© picture-alliance/dpa

Schwangere mit Ultraschallbild

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    Haben Schwangere ein höheres Risiko für Thrombosen bei Covid-19?

    Dass das Coronavirus Blutgefäße angreifen kann, ist nicht neu. Doch jetzt taucht die These auf, dass Schwangere und Frauen, die Östrogene nehmen, bei Covid-19 einem höheren Risiko für Blutgerinnsel ausgesetzt wären. Was ist dran an dieser Theorie?

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    Frauen, die die Pille nehmen, eine Östrogentherapie machen oder auch Schwangere sind einer leicht erhöhten Gefahr für die Bildung von Blutgerinnseln ausgesetzt. Ob das Risiko noch zusätzlich erhöht ist, wenn diese Frauen an Covid-19 erkranken, haben Endokrinologen vom Tufts Medical Center und der Tufts University School of Medicine in Boston, Massachusetts untersucht. Ihre Studie veröffentlichten sie am 29. Juli 2020 in der Fachzeitschrift "Endocrinology".

    Östrogene erhöhen die Gefahr für Blutgerinnsel

    Covid-19, verursacht durch das SARS-CoV-2-Virus, kann nahezu symptomfrei verlaufen, leichte Verläufe haben oder aber auch zu schweren Symptomen führen. Eine bekannte Komplikation ist die Neigung zu Blutgerinnseln bzw. Thrombosen bei zuvor augenscheinlich gesunden Menschen. Die Einnahme von Östrogenen erhöht laut der Studie das Risiko von Blutgerinnseln bei Frauen in der Schwangerschaft, wenn sie Hormone zur Empfängnisverhütung oder als Hormonersatztherapie nehmen. Wenn diese Frauen an Covid-19 erkranken, kann dieses Risiko nach Ansicht der Wissenschaftler noch steigen. Die Folge: Sie müssen blutverdünnende Medikamente wie Heparin, sogenannte Antikoagulantien, gespritzt bekommen oder die östrogenhaltigen Medikamente absetzen. Doch auch dies ist mit einem gewissen Risiko verbunden.

    "Während dieser Pandemie benötigen wir zusätzliche Untersuchungen, um festzustellen, ob Frauen, die während der Schwangerschaft mit dem Coronavirus infiziert werden, eine Antikoagulationstherapie erhalten sollten oder ob Frauen, die Antibabypillen oder eine Hormonersatztherapie einnehmen, diese abbrechen sollten." Daniel Spratt, Mediziner am Maine Medical Center in Portland, Maine, und der Tufts University School of Medicine in Boston, Massachusetts und Hauptautor der Studie

    Sind Frauen aufgrund der Östrogene stärker gefährdet?

    Dazu braucht es laut Spratt Studien, die zu verstehen helfen, wie das Coronavirus Blutgerinnsel verursacht. Eine Überlegung ist zu untersuchen, ob bei schweren Covid-19-Verläufen nicht nur die Blutgefäße, sondern auch die Gefäße der Plazenta in Mitleidenschaft gezogen werden. Es stellt sich die Frage, ob Schwangere hier generell einem höheren Risiko ausgesetzt sind. Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte e.V. (BVF), sagt dazu:

    "Es ist bisher nicht bekannt, dass Frauen häufiger und schwerer erkranken als Männer oder dass Schwangere schwerer erkranken als nicht schwangere, gleichaltrige Frauen. Das Gegenteil ist richtig, Männer erkranken häufiger an Covid-19. Weitere bekannte "Risiken" sind die Blutgruppe A, ein BMI über 35, Rauchen, höheres Alter und eine Reihe von Vorerkrankungen."

    Eine Östrogentherapie besser nicht plötzlich absetzen

    Die im Journal Endocrinology von dem Endokrinologen Daniel Spratt und der Onkologin Rachel Buchsbaum geäußerte These, dass Östrogene eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von Thrombosen während einer Covid-19 -Erkrankung spielen, stimmt nach Einschätzung von Albring so nicht. Die klinischen Daten von Frauen und Schwangeren würden diese Theorie nicht bestätigen.

    Albring geht noch weiter: "Für eine Neuverordnung eines hormonellen kombinierten Kontrazeptivums ist eine akute Covid-19 Erkrankung wie alle Risikofaktoren eine Kontraindikation. Die plötzliche Beendigung einer laufenden Antibabypillen Einnahme bzw. Hormonersatzbehandlung der Wechseljahre mit niedrig dosiertem Östradiol und Progesteron bei einer akuten Covid-19 Erkrankung ist kontraproduktiv."

    Blutverdünner bei Schwangeren mit Covid-19-Erkrankung verordnen

    So gilt weiterhin der Grundsatz – nicht nur für Schwangere – sich sorgfältig vor einer Sars-CoV2-Infektion zu schützen. Denn bei Bettlägerigkeit und Fieber steigt allgemein das Thromboserisiko. Hier ist die Thromboseprophylaxe in Form von Blutverdünnern nach ärztlicher Anordnung unbedingt einzuhalten. Wünschenswert wäre aber auch ein COVID-19-Register zur Bewertung der Ergebnisse für schwangere Frauen, um diese Fragen beantworten zu können.

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