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Welche Verhütungsmittel für Männer und Frauen gibt es? | BR24

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Schwangerschaftsverhütung mit einem Kondom - die einzige Verhütungsmethode für den Mann?

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Welche Verhütungsmittel für Männer und Frauen gibt es?

Die Pille für die Frau, das Kondom für den Mann. Was gibt es für alternative Methoden zur Verhütung einer Schwangerschaft? Und wie zuverlässig sind diese? Wir klären auf.

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Frauen seien pillenmüde, sagt die AOK Bayern und belegt das anhand von Zahlen ihrer Versicherten. Es gebe einen Trend zu alternativen Verhütungsmethoden, meint auch die Medizinerin Helga Schwarz von pro familia in München. Ein bewussterer Lebensstil, eine gesündere Ernährung, da passe die Pille nicht mehr zum Lifestyle der Frauen. Doch welche Verhütungsmethoden gibt es als Alternative zur Pille? Und gibt es auch für den Mann geeignete Methoden, eine Schwangerschaft zu vermeiden?

Für jeden Lebensabschnitt die passende Verhütung

Es gibt sehr viele Arten der Schwangerschaftsverhütung. Die Schwierigkeit liegt eher darin, die für das jeweilige Alter passende herauszusuchen. Denn meist wollen ganz junge Frauen unter gar keinen Umständen schwanger werden, weil sie noch keinen festen Partner haben. Frauen, die schon länger im Berufsleben stehen und in einer festen Verbindung leben, denken vielleicht über Alternativen nach. Und wenn die Familienplanung abgeschlossen ist, stellt sich das Thema wieder neu. Jetzt werden möglicherweise längerfristige Lösungen gesucht. Wir stellen gängige Methoden vor.

Verhütungsmittel für Frauen

Natürliche Familienplanung nach dem weiblichen Zyklus

Natürliche Familienplanung NFP: Frauen bestimmen ihre fruchtbaren und unfruchtbaren Tage mithilfe der Körpertemperatur direkt nach dem Aufwachen und dem Beobachten des Zervixschleims. Um den Eisprung steigt die Temperatur an und am dritten Tag beginnt die unfruchtbare Zeit. Mithilfe eines Kalenders oder einer Verhütungsapp werden die unfruchtbaren Tage berechnet.

Vorteile: Eine völlig natürliche Methode ohne Nebenwirkungen.

Nachteile: Die NFP-Methode setzt einen regelmäßigen Lebenswandel voraus. Wer unregelmäßig lange schläft oder erkrankt ist, sollte zusätzlich auf andere Verhütungsmittel wie Kondom oder Diaphragma zurückgreifen. NFP schützt nicht vor sexuell übertragbaren Erkrankungen.

Zuverlässigkeit: Da Spermien mehrere Tage in der Scheide überleben, können die fruchtbaren Tage je nach Zyklus 10 bis 18 Tage dauern.

Ohne Hormone – Zäpfchen, Tabletten, Cremes

Chemische Verhütungsmittel gibt es als Zäpfchen, Tabletten, Cremes und Gels. Sie werden in die Scheide eingeführt und töten Samenzellen ab oder unterbinden zumindest deren Fortbewegungsmöglichkeit.

Vorteile: Sie müssen nur bei Bedarf angewendet werden.

Nachteile: Bei Zäpfchen und Tabletten muss eine Wartezeit von zehn Minuten eingehalten werden, bis sie voll wirksam sind. Sie schützen nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten.

Zuverlässigkeit: Chemische Verhütungsmittel alleine sind nicht ausreichend, sondern nur in Kombination mit einem Diaphragma oder einer Verhütungskappe. Eine Kombination von chemischen Verhütungsmitteln und Kondomen wird nicht empfohlen.

Barriere gegen Spermien – das Diaphragma

Ein Diaphragma kommt ohne Hormone aus. Es kann vor jedem Geschlechtsverkehr angewandt werden oder nur in der fruchtbaren Phase des Monatszyklus. Entscheidend ist, dass es richtig eingesetzt wird. Zusammen mit einem Verhütungsgel wirkt es in der Scheide wie eine Barriere gegen Spermien.

Vorteile: Ein Diaphragma muss nur bei Bedarf angewendet werden und ist hormonfrei.

Nachteile: Reizungen der Harnröhre oder allergische Reaktionen auf das Verhütungsgel sind möglich.

Zuverlässigkeit: Der Pearl-Index, also die Angabe für die Sicherheit der Verhütungsmethode, ist niedrig.

Die Pille – der tägliche Begleiter

Die Pille ist ein hormonelles Verhütungsmittel in Tablettenform. Meistens ist es ein Kombinationspräparat und es enthält Östrogene und Gestagene. Die Mini-Pille ist eine Sonderform. Sie enthält nur das Hormon Gestagen. Die klassische Antibabypille wirkt dreifach: Es reift keine Eizelle heran und findet kein Eisprung statt. Der Schleim wird zäh, so dass keine Samenzellen in die Gebärmutter gelangen können. Die Gebärmutterschleimhaut baut sich weniger auf, so dass sich dort selbst bei einer Befruchtung keine Eizelle einnisten kann.

Vorteile: Sehr sichere Verhütungsmethode, wenn die Pille zuverlässig eingenommen wird.

Nachteile: Da die Pille in den Hormonzyklus eingreift, können Nebenwirkungen auftreten. Diese reichen von Zwischenblutungen über Übelkeit und Schwindel bis hin zu Kopfschmerzen, Thrombose und Libidoverlust. Bei depressiven Verstimmungen sollte beim Arzt nach einem Alternativpräparat gefragt werden.

Zuverlässigkeit: Durchfall, Erbrechen oder Wechselwirkungen mit Medikamenten können die Wirksamkeit der Pille herabsetzen.

Hormonspritze für ein Vierteljahr

Die Depot-Spritze oder auch 3-Monats-Spritze enthält das Hormon Gestagen und hemmt so den Eisprung über maximal 12 Wochen.

Vorteile: Hohe Sicherheit und man muss nicht wie bei der Pille täglich daran denken.

Nachteile: Die Hormonmenge ist hoch, daher kann die Spritze zu Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, Stimmungsveränderungen und Libidoverlust führen.

Zuverlässigkeit: sehr hoch, da es nicht zu Einnahmefehlern kommen kann.

Das Hormonstäbchen im Oberarm

Das Hormonstäbchen ist ein Implantat im Oberarm, welches das Hormon Gestagen abgibt. Es verhindert den Eisprung und verdickt den Schleim im Gebärmutterhals. Die Wirkung hält drei Jahre lang an. Dann muss das Stäbchen entfernt oder ausgetauscht werden.

Vorteile: Für Frauen, die das Hormon Östrogen nicht vertragen. Die Methode ist sehr sicher. Im Vergleich zur Depot-Spritze werden Frauen nach dem Entfernen des Stäbchens schneller wieder fruchtbar.

Nachteile: Ähnlich wie bei der Depot-Spritze kann es zu Kopfschmerzen, Brustspannen, Stimmungsschwankungen oder sexueller Unlust kommen.

Zuverlässigkeit: Sehr sicher, allerdings setzen manche Medikamente wie Antibiotika, Antiepileptika, Psychopharmaka und Johanniskraut die Wirkung herab.

Spirale mit und ohne Hormone

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Spiralen: die Kupferspirale und die Hormonspirale.

Die Kupferspirale bleibt fünf Jahre in der Gebärmutter und gibt ständig winzige Mengen Kupfer ab. Dadurch kommt es in der Regel nicht zu einer Befruchtung. Außerdem verhindert das Kupfer den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, was das Einnisten einer befruchteten Eizelle in die Gebärmutter verhindert, falls es doch zu einer Befruchtung kommen sollte.

Vorteile: Man muss sich fünf Jahre keine Gedanken über Verhütung machen. Die Kupferspirale greift nicht in den Hormonhaushalt ein und ist relativ sicher.

Nachteile: Starke und längere Blutungen sind möglich. Frauen, die noch Kinder haben wollen, werden darauf hingewiesen, dass es zu Unterleibsentzündungen kommen kann, die unbehandelt zu Unfruchtbarkeit führen können.

Zuverlässigkeit: Eine zuverlässige Verhütungsmethode, wenn man den Sitz der Kupferspirale regelmäßig vom Arzt überprüfen lässt.

Bei der Hormonspirale wird ständig eine geringe Menge Gestagen in die Gebärmutterhöhle abgegeben. Diese führt zu einer Verdickung des Schleims im Gebärmutterhalskanal. Spermien kommen so nicht durch. Auch wird das Einnisten einer befruchteten Eizelle verhindert, da das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut unterdrückt wird.

Vorteile: Die Hormonspirale kann bis zu fünf Jahre in der Gebärmutter bleiben. Die Regelblutungen werden schwächer oder bleiben ganz aus.

Nachteile: Wie bei allen Hormonpräparaten kann es zu Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Stimmungsveränderungen oder sexueller Unlust kommen.

Zuverlässigkeit: Sehr hoher Verhütungsschutz. Auch hier sollte halbjährlich die richtige Lage der Spirale vom Arzt mittels Ultraschall überprüft werden.

Kupferkette für die Gebärmutter

Eine Kupferkette oder Gynefix, das sind vier bis sechs kleine Kupferzylinder, die auf einem Nylonfaden aufgereiht sind. Diese Kupferkette wird in der Muskulatur der Gebärmutter verankert und kann dort bis zu fünf Jahren bleiben. Die Wirkung ist vergleichbar mit einer Kupferspirale.

Vorteile: Kein Eingriff in den Hormonhaushalt und eine langfristige Verhütungsmethode.

Nachteile: Bei Kupferketten kann es wie bei Kupferspiralen zu verstärkten Regelblutungen kommen.

Zuverlässigkeit: Zuverlässig wie die Kupferspirale.

Vaginalring wirkt mit Hormonen

Der Vaginalring ist eine hormonelle Methode der Schwangerschaftsverhütung. Der weiche Kunststoffring wird in die Scheide eingeführt und gibt dort 21 Tage kontinuierlich die Hormone Östrogen und Gestagen frei. Dann wird der Ring entfernt und in der siebentägigen Pause kommt es zur Regelblutung, in der man aber unfruchtbar bleibt. Denn der Vaginalring verhindert den monatlichen Eisprung.

Vorteile: Es muss nur zweimal im Monat an Verhütung gedacht werden: beim Einsetzen und Herausnehmen des Rings.

Nachteile: Mögliche Nebenwirkungen wie bei der Pille. Der Ring kann beim Geschlechtsverkehr oder beim Herausziehen eines Tampons herausrutschen. Er sollte dann schnellstmöglich wieder eingesetzt werden.

Zuverlässigkeit: Ähnlich zuverlässig wie die Pille.

Das Hormonpflaster für die Verhütung

Das Verhütungspflaster ist eine hormonelle Methode der Schwangerschaftsverhütung. Über die Haut werden die beiden Hormone Östrogen und Gestagen im Körper aufgenommen und verhindern so den Eisprung. Das Pflaster wird jeweils sieben Tage getragen und danach durch ein neues ersetzt. Nach drei Wochen wird eine Pause von sieben Tagen gemacht, in der die Blutung einsetzt.

Vorteile: Es muss nur alle sieben Tage an den Pflasterwechsel gedacht werden.

Nachteile: Die Nebenwirkungen sind mit denen der Pille vergleichbar. Das Thromboserisiko allerdings ist höher als bei der Pille.

Zuverlässigkeit: Die Sicherheit entspricht der der Pille.

Die Pille, die nicht verhütet: Die Pille danach

Die Pille danach ist kein Verhütungsmittel. Dennoch kann mit der Pille danach ein Eisprung verzögert oder verhindert werden, wenn man ungeschützt Geschlechtsverkehr hatte. Sie wirkt umso sicherer, je eher sie eingenommen wird – je nach Präparat spätestens nach 72 bzw. 120 Stunden.

Wichtig: Die Pille danach wirkt nicht mehr, wenn ein Eisprung bereits stattgefunden hat. Eine Schwangerschaft kann damit also nicht abgebrochen werden. Die Pille danach gibt es ohne Rezept in der Apotheke zu kaufen.

Verhütungsmittel für Männer

Verhütung und Schutz in einem – das Kondom

Ein Kondom ist ein dünner Gummi, der vor dem Geschlechtsverkehr über den steifen Penis gezogen wird. Der Samenerguss gelangt so nicht in die Scheide der Frau. Bevor die Erektion nachlässt, muss der Penis samt Kondom aus der Scheide gezogen werden.

Vorteile: Ein Kondom ist einfach zu besorgen und muss nur bei Bedarf angewendet werden. Es bietet Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie HIV, Gonorrhoe oder Syphilis.

Nachteile: Es kann beim spontanen Sex stören.

Zuverlässigkeit: Wenn es richtig angewendet wird, ist ein Kondom zuverlässig. Unbedingt auf das Haltbarkeitsdatum achten.

Sterilisation - die unwiderrufliche Methode

Vasektomie ist die Sterilisation des Mannes, bei der die beiden Samenleiter im Hodensack durchtrennt werden. Die Methode ist im Wesentlichen ohne größere Risiken ambulant und mit örtlicher Betäubung durchzuführen. Allerdings ist sie in der Regel eine nicht mehr rückgängig zu machende Art der Verhütung.

Vorteile: Kein Gedanke an Verhütung ist mehr nötig.

Nachteile: Die Konsequenzen müssen vorher sehr bewusst überdacht werden.

Zuverlässigkeit: Es dauert einige Zeit, bis keine Samenzellen mehr im Samenerguss vorhanden sind, aber danach ist die Methode absolut zuverlässig.

Verhütungsmethoden für den Mann, die noch in der Entwicklung sind

Vasalgel: Hier wir ein Gel in den Samenleiter des Mannes gespritzt, das sich an den Wänden festsetzt und dort haften bleibt. Das Gel tötet vorbeikommende Spermien ab, so dass die Eizelle nicht befruchtet werden kann. Eine Injektion würde zehn Jahre vor einer Schwangerschaft schützen.

Das hormonfreie Verhütungsgel für den Mann wurde bereits in den 1970er-Jahren in Indien unter dem Namen Risug (Reversible Inhibition of Sperm Under Guidance) an Männern getestet. Die Wirkung des Gels lässt sich wieder rückgängig machen.

Testosteronspritze: Nach einer Injektion mit Testosteron erhält das Gehirn die Meldung, dass genügend Testosteron im Körper vorhanden ist und stellt dessen Produktion und damit auch von Samenzellen ein. Der Mann muss alle 30 Tage gespritzt werden. Die Sicherheit ist fast so gut wie bei der Pille für die Frau. Männliche Probanden klagen aber über Akne oder Stimmungsschwankungen.

Statt der Spritze werden auch Studien mit einem Testosterongel gemacht. Das Gel wird am Oberarm bzw. der Schulter aufgetragen. Die Verhütungssicherheit ist gut, das Auftragen einfach. Allerdings sollten andere Personen die Stelle nicht berühren, damit sie das Testosteron nicht über die Haut aufnehmen.

Als drittes im Test ist die klassische Pille für den Mann. Der Wirkstoff, eine modifizierte Form von Testosteron, wird in 28-Tage-Packungen verabreicht und kontinuierlich eingenommen. Wie bei der Spritze und dem Gel ist das Ganze reversibel, die Spermienproduktion kehrt nach Absetzen des Präparats zurück. Allerdings führten die Hormone in der Pille zu Migräne, Libidoverlust, Depressionen, Thrombose – bekannte Nebenwirkungen, die auch Frauen bekommen können, wenn sie die Pille nehmen.

© Bayerischer Rundfunk / Abendschau

Jahrzehntelang galt die Pille als Befreiung für die Frau. Inzwischen nehmen sich immer mehr Frauen die Freiheit, das Hormon-Präparat nicht zu schlucken. Sie setzen lieber auf Alternativen, die weniger Nebenwirkungen haben.