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Globaler E-Waste-Monitor 2020: Viel mehr Elektroschrott weltweit | BR24

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Dr. Rüdiger Kühr, Mitautor der Studie Global E-Waste Monitor 2020 und Direktor des Programms für nachhaltige Kreisläufe der Vereinten Nationen an der Universität Bonn, erläutert, warum weltweit immer mehr Elektroschrott anfällt.

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Globaler E-Waste-Monitor 2020: Viel mehr Elektroschrott weltweit

In nur fünf Jahren hat die Menge an Elektroschrott um 21 Prozent zugelegt. Nur ein Bruchteil wird recycelt. Deutschland ist in der traurigen Statistik ganz vorne mit dabei, zeigt der weltweite Elektroschrott-Monitor 2020, der jetzt erschienen ist.

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Allein im vergangenen Jahr 2019 kamen weltweit 53,6 Millionen Tonnen Elektroschrott zusammen. Das ist etwa so viel, wie alle erwachsenen Europäer zusammen wiegen. Oder 350 große Kreuzfahrtschiffe. Oder tausendmal die Titanic. Auf jeden Fall sehr viel. Und leider immer mehr, wie der jährliche "Global E-Waste Monitor 2020" feststellt: Seit 2014 hat die Masse an Elektroschrott (E-Waste) um mehr als ein Fünftel zugenommen. Damit ist er im Bereich des häuslichen Mülls der am schnellsten wachsende Abfallstrom.

Warum es immer mehr Elektroschrott wird

Hauptgründe für das Anwachsen des Elektroschrottberges sind laut den Autoren der Studie vor allem der zunehmende Konsum an Elektro-Produkten, deren Kurzlebigkeit und die Schwierigkeiten, Elektrogeräte reparieren zu lassen. Auffallend sei auch der überdurchschnittliche Zuwachs bei den sogenannten Wärmetauschern: Kühlschränken und Klimaanlagen. Der sei vor allem durch wachsenden Konsum in ärmeren Ländern entstanden, wo diese Geräte den Lebensstandard wesentlich verbessern.

Und die Autoren fürchten, dass dieser Schrottberg in den kommenden Jahren weiter steil ansteigen wird. Bis zum Jahr 2030 könnte die globale jährliche Elektroschrott-Produktion bei 74 Millionen Tonnen liegen - und hätte sich dann in nur 16 Jahren verdoppelt.

Deutschland ist ganz vorn dabei

Zwar fielen in Deutschland 2019 nur knapp zwei Millionen Tonnen Elektroschrott an (zwölf Millionen Tonnen in ganz Europa), während über 46 Prozent in Asien entstanden (knapp 25 Millionen Tonnen), doch umgerechnet auf den Pro-Kopf-Anteil ragen wir hierzulande hoch aus dem Schrotthaufen heraus:

Mehr als 20 Kilogramm Elektroschrott pro Kopf entstehen in Deutschland, genau wie in den USA. Der weltweite Durchschnitt liegt mit 7,3 Kilogramm E-Waste pro Kopf weit darunter. Menschen in Afrika haben daran den kleinsten Anteil mit gerade einmal 2,5 Kilogramm Elektroschrott pro Person und Jahr.

Dafür wird in Deutschland nach Angaben der Entsorger ein sehr hoher Anteil wieder dem Wertstoff-Kreislauf zugeführt: Die Recyclingrate liegt bei uns über 50 Prozent. Weltweit sieht das leider ganz anders aus.

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2019 fielen weltweit 53,6 Millionen Tonnen Elektroschrott an, 12 Millionen Tonnen davon in Europa.

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In Europa fielen dabei pro Kopf im Jahr 2019 mehr als 16 kg an, in Deutschland über 20 kg. Weltweit lag der Durchschnitt bei 7,3 kg pro Kopf.

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Der Elektroschrott wird nach unterschiedlichen Geräten gruppiert. Den größten Anteil machten 2019 dabei die Elektro-Kleingeräte aus.

Nur ein Bruchteil wird recycelt

Gerade mal 17,4 Prozent des weltweiten Elektroschrottes werden nach Meldungen der einzelnen Länder recycelt. 82,6 Prozent landen dagegen einfach auf Müllhalden oder werden verbrannt. Und mit ihnen die in den Elektrogeräten enthaltenen Materialien - wertvolle oder auch giftige.

Edelmetalle auf dem Müll

Der Bericht schätzt, dass in dem Elektroschrott von 2019 über 50 Milliarden Euro stecken - in Form von Gold, Silber, Kupfer oder anderen wertvollen Stoffen. Und die landen zum größten Teil mit dem Schrott auf dem Müll. Das ist mehr, als die meisten Länder der Erde als Bruttoinlandsprodukt (BIP) aufweisen.

"Elektrogeräte enthalten unheimlich viele wichtige Rohstoffe. Sie können mehr als die Hälfte des Periodensystems in den meisten Geräten wiederfinden, insbesondere in Smartphones. Wenn wir sie nicht vernünftig entsorgen, verlieren wir diese Rohstoffe und diese Rohstoffe sind begrenzt auf unserer Erde. Wenn wir sie verlieren, riskieren wir somit auch zukünftige Produktion dieser Geräte, die für uns ja so bedeutsam sind." Dr. Rüdiger Kühr, Direktor des Programmes für nachhaltige Kreisläufe an der Universität der Vereinten Nationen (UNU-ViE SCYCLE) und Leiter von UNITAR

Elektroschrott gefährdet Umwelt und Gesundheit

Aber in den Elektrogeräten, Lampen, Bildschirmen oder Kühlschränken stecken oft auch gefährliche oder giftige Stoffe, die der Umwelt schaden und unsere Gesundheit schädigen können. Quecksilber beispielsweise: Die Autoren des Monitorings schätzen, dass allein in den nicht dokumentierten Elektroschrott-Strömen im vergangenen Jahr 50 Tonnen Quecksilber enthalten waren, etwa in Monitoren, Leiterplatten oder Energiesparlampen.

Die CO2-Emissionen von Elektroschrott

In Bezug auf den Klimawandel spielt E-Waste ebenfalls eine beachtliche Rolle, so der Bericht: Weggeschmissene Kühlschränke und Klimaanlagen hätten 2019 fast 100 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente ausgestoßen und damit 0,3 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen ausgemacht.

"Die Menge an Elektroschrott ist in den vergangenen fünf Jahren dreimal schneller als die Weltbevölkerung und um 13 Prozent schneller als das weltweite BIP (Bruttoinlandsprodukt) gestiegen. Dieser starke Anstieg führt zu erheblichen Umwelt- und Gesundheitsbelastungen und zeigt die Dringlichkeit, die vierte industrielle Revolution mit der Kreislaufwirtschaft zu verbinden. Die vierte industrielle Revolution wird entweder einen neuen Kreislaufwirtschaftsansatz für unsere Volkswirtschaften vorantreiben oder die weitere Erschöpfung der Ressourcen und neue Verschmutzungswellen fördern." Antonis Mavropoulos, Präsident der International Solid Waste Association (ISWA)

Was kann man tun?

Jeder einzelne kann dazu beitragen, die Menge an Elektroschrott zu verringern, indem man den Konsum von Elektrogeräten nachhaltiger gestaltet. Es muss ja nicht immer gleich die neueste Version eines Gerätes angeschafft werden. Und indem wir alte Geräte nicht erst jahrelang in Schubladen, Speichern und Kellern horten oder einfach über den Hausmüll entsorgen.

Dr. Rüdiger Kühr, Mitautor des Global E-Waste Monitor 2020, schlägt zudem vor, das Recycling-Konzept in Deutschland attraktiver für die Konsumenten zu gestalten, da der Weg zum Wertstoffhof offenbar vielen zu mühsam ist. Man könne Anreize schaffen wie Gutscheine oder andere Sammel-Wege finden wie etwa beim Altpapier. Eine denkbare Möglichkeit sei auch, Hersteller in die Pflicht zu nehmen: Als Konsument würde man dann eher nur den Service eines Gerätes einkaufen - Herstellung und Entsorgung lägen aufseiten des Anbieters, meinte Kühr in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk.

Woraus der Elektroschrott besteht

Zu Elektroschrott zählen alle weggeworfenen Produkte, die einen Stromanschluss haben oder mit Batterie betrieben werden. Im Global Waste Monitor werden sie unterschieden nach:

  • Elektro-Kleingeräte (z.B. Staubsauger, Mixer, Fön)
  • Elektro-Großgeräte (z.B. Waschmaschinen)
  • Wärmetauscher (Kühlschränke und Klimaanlagen)
  • Bildschirme und Fernseher
  • Telefone und Klein-IT (z.B. Taschenrechner)
  • Lampen

Der Weltweite Elektroschrott-Monitor (Global E-Waste Monitor) ist ein Gemeinschaftsprojekt der Global E-Waste Statistics Partnership (GESP), zu der sich die UN University (UNU), die Internationale Fernmeldeunion (ITU), die International Solid Waste Association (ISWA) und inzwischen auch das Ausbildungs- und Forschungsinstitut der Vereinten Nationen (UNITAR) zusammengeschlossen haben. Mitgewirkt hat auch das Programm für nachhaltige Kreisläufe (UNU-ViE SCYCLE) in Bonn unter Leitung von Dr. Rüdiger Kühr.

Quelle: Global E-Waste Monitor 2020

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Pro Person fallen im Schnitt pro Jahr 22 Kilogramm Elektroschrott an. Doch weniger als die Hälfte davon wird ordnungsgemäß entsorgt. Große Mengen wertvoller Rohstoffe gehen so verloren. Zudem enthalten viele Geräte gefährliche Substanzen. #fragBR24