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Gift im Spielzeug vermeiden: So gehen Sie auf Nummer sicher! | BR24

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Gift im Spielzeug - eine App hilft, Schadstoffe zu entdecken.

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Gift im Spielzeug vermeiden: So gehen Sie auf Nummer sicher!

Weihnachten – leuchtende Kinderaugen. Kinder fiebern dem Fest meist wegen der Geschenke entgegen. Damit die auch wirklich eine Freude sind, sollte das Spielzeug frei von giftigen Schadstoffen sein. Eine App hilft, das zu erkennen.

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Alle Jahre wieder: Weihnachten kommt schneller als man denkt. Deswegen werden jetzt schon fleißig Weihnachtsgeschenke eingekauft. Aber Produkte aus Plastik können gefährliche Schadstoffe enthalten - so zum Beispiel Kinderspielzeug, das jetzt in der Vorweihnachtszeit massenhaft über die Verkaufstische geht.

Mit der App ToxFox auf Schadstoffsuche

Mit der ToxFox-App des BUNDs, die Sie in den App-Stores kostenlos herunterladen können, lassen sich die Schadstoffe in Spielzeug und Alltagsprodukten aufspüren. Sie scannen den Barcode des Produkts und erhalten Informationen über die Inhaltsstoffe. Der BUND baut mit insgesamt 19 Partnerorganisationen in dem Projekt "AskREACH" eine europäische Produktdatenbank auf. Daran beteiligt sind inzwischen 13 Länder. Das Projekt will europaweit die Bevölkerung, Handel und Industrie für "besonders besorgniserregende Stoffe" in Erzeugnissen sensibilisieren, so das Umweltbundesamt.

Weichmacher, Schwermetalle und andere Giftstoffe

Schwermetalle in Plastikautos, Weichmacher in Kuscheltieren, Formaldehyd in Holzspielzeug - versteckte Gifte können sich nicht nur addieren, sondern potenzieren - und krankmachen. Besonders Kinder sind gefährdet, denn so mancher Spielzeughersteller verwendet aus Kostengründen billige und giftige Chemikalien. Ob ein Plastikspielzeug potenziell gesundheitsgefährdend ist, hängt von der verwendeten Kunststoffart und den Zusatzstoffen ab. Manche Hersteller machen dazu freiwillig Angaben, vorgeschrieben ist das aber nicht. Wer beim Einkauf keine App zur Verfügung hat und trotzdem weitgehend sichergehen will, sollte zumindest folgende Ratschläge beherzigen:

Tipps für den Einkauf

  • Achten Sie auf die Verarbeitung der Spielwaren. Wenn Nähte platzen und Augen ausfallen, weist das darauf hin, dass der Hersteller auf Billigmaterialien setzt.
  • Vorsicht bei billigem No-Name-Spielzeug. Es ist nicht umsonst so billig. Die beliebten softweichen Squishies zum Beispiel sind nicht selten mit Chemikalien belastet, die das Nervensystem und die Leber schädigen können oder die Schleimhäute reizen, so die Verbraucherzentralen.
  • Riechen Sie am Spielzeug, denn wenn ein Produkt schon unangenehm riecht, dann zurück ins Regal damit. Daraus kann man schließen, dass der Hersteller nicht sehr sorgfältig bei der Produktion war und hier auch schädliche Stoffe enthalten sein können. Dieser Tipp gibt allerdings keine Sicherheit, denn gerade Phthalat-Weichmacher sind geruchlos!
  • Die Verbraucherzentralen raten dazu, Spielzeug aus weichem Kunststoff nur zu kaufen, wenn erkennbar kein Polyvinylchlorid (PVC) enthalten ist ("PVC-frei"). Wenn PVC nicht zu vermeiden ist, sollte es zumindest "Phthalat-frei" sein.
  • Spielzeug aus PE (Polyethylen), PP (Polypropylen) oder ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymer kann gekauft werden, denn diese Kunststoffe kommen ohne Weichmacher aus.
  • Machen Sie sich mit den verschiedenen Siegeln vertraut, die im Umlauf sind. Einige Siegel sind schlicht aussagelos.

Auf welche Siegel sollte man achten?

CE-Zeichen

Das CE-Zeichen muss jedes Produkt tragen, das auf dem europäischen Markt eingeführt wird. Mit ihm verpflichten sich die Hersteller, die europäische Sicherheitsrichtlinie zu beachten. Über Schadstoffbelastungen gibt dieses Siegel nur begrenzt Auskunft, da die europäischen Grenzwerte oft hoch sind oder - in einigen Fällen - nicht vorhanden.

Größtes Manko: Unabhängige Kontrollen gibt es nicht. Das Siegel wird von den Firmen selbst aufgeklebt und auch häufig gefälscht - es ist also KEIN Garant für gutes Spielzeug.

"GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit"

Weit aussagekräftiger ist das "GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit". Hier lässt der Spielzeughersteller freiwillig das Spielzeug durch eine unabhängige und zertifizierte Stelle auf die Einhaltung der gesetzlichen Mindestanforderungen prüfen. Darüber hinaus muss das Produkt bei den gesundheitsgefährdenden PAKs (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe) einen sehr niedrigen Grenzwert von 0,2 Milligramm pro Kilogramm Spielzeug einhalten. Wichtig: Das GS-Zeichen muss in Verbindung mit der Prüfinstitution - zum Beispiel TÜV Rheinland, TÜV Rheinland LGA, TÜV Süd, TÜV Nord - aufgeklebt sein. Fehler in der Aufschrift weisen auf eine Fälschung hin.

Das VDE-Siegel

Das VDE-Siegel wird vom Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V. für elektrotechnische Geräte - also auch für Elektrospielzeug - vergeben. Es beruht auf einer freiwilligen Prüfung, die der Hersteller vom VDE-Verband vornehmen lässt. Es bietet elektronische Sicherheit bei sachgemäßem Gebrauch, sagt aber nichts über den Schadstoffgehalt oder den pädagogischen Wert aus.

Das Spiel-gut Siegel

Das Siegel wird vom Arbeitsausschuss Kinderspiel + Spielzeug e. V. vergeben, unabhängig von der Spielwarenindustrie. Es bewertet Kriterien wie Spielwert, Umweltverträglichkeit, Haltbarkeit, Material und Sicherheit. Spielzeug aus PVC-Plastik ist ausgeschlossen.

Fair-spielt

Dieses noch relativ unbekannte Siegel steht für menschenwürdige Arbeitsbedingungen in den Spielzeugfabriken von Billiglohnländern. Träger der Aktion "fair spielt" sind kirchliche Einrichtungen und gemeinnützige Vereine.

PVC wird erst durch Weichmacher geschmeidig

Viele weiche Plastikspielzeuge bestehen aus dem eigentlich harten Kunststoff PVC (Polyvinylchlorid). Dieser wird erst weich, wenn sogenannte Weichmacher wie Phthalate hinzugefügt werden. Das Problem daran: Diese Stoffe sind nicht fest gebunden und können durch Ausdünsten, Auswaschung oder Abrieb entweichen und sich zum Beispiel an den Hausstaub binden. Und der ist in der Atemluft. Einige Phthalat-Weichmacher ähneln menschlichen Hormonen und können das ausbalancierte Hormonsystem des Körpers aus dem Gleichgewicht bringen. Sie stehen in Verdacht, eine Reihe von gesundheitlichen Schäden hervorrufen zu können wie zum Beispiel: verringerte Spermienqualität, verfrühte Pubertät, Asthma, Brustkrebs, Fettleibigkeit, Diabetes sowie erniedrigte Intelligenzquotienten und das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADHS), so der BUND.

Für einige Weichmacher gibt es Grenzwerte

Seit inzwischen zehn Jahren gibt es für drei dieser Substanzen gesetzliche Grenzwerte in Kinderspielzeug und drei weitere in Babyspielzeug. Das heißt aber nicht, dass diese Grenzwerte auch immer eingehalten werden. Aber nicht alle Phthalat-Weichmacher und Ersatzstoffe sind mit Grenzwerten belegt. Es kann also nicht ausgeschlossen werden, dass von diesen eine gesundheitliche Beeinträchtigung ausgehen kann.

Kunststoffarten und ihre Verwendung:

  • Poly-Milchsäure: PLA ist ein spezieller Polyester, ein Kunststoff, der biologisch abbaubar ist. Er wird auch für medizinische Zwecke genutzt, zum Beispiel als Faden zum Vernähen von Wunden, die sich alleine auflösen.
  • Polyethylen: PE ist ein harter und sehr widerstandsfähiger Kunststoff, der hauptsächlich für Eimer oder Getränkekästen verwendet wird. Polyethylen kann aber auch als Verpackungsfolie dienen, dann muss der Herstellungsprozess verändert werden.
  • Polyvinylchlorid: PVC kann unterschiedliche Formen annehmen, weich oder hart. Für Rohre oder Schallplatten mit harten Eigenschaften und für Bodenbeläge verwendet man die weiche Variante. Damit der Kunststoff weich und elastisch ist, werden Weichmacher dazu gemischt.
  • Polyurethan: PUR ist ein sehr elastischer Kunststoff. Er ist in Schuhsohlen, Klebstoffen oder Matratzen zu finden. Mithilfe von Zusatzstoffen wird er elastisch gemacht.
  • Polyethylenterephthalat: PET findet man in Kunststoffen wie PET Flaschen, Textilfasern oder Folien.
© picture-alliance/dpa

Kontrovers-Reporter haben sich auf die Suche nach Gift im Spielzeug gemacht. Sie stießen auf Produkte, die in einigen Ländern Europas bereits verboten sind, hierzulande aber immer noch verkauft werden. Wie kann das sein?