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Giftige Spielsachen: Augen auf beim Spielzeugkauf | BR24

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Gift im Spielzeug - eine App hilft, Schadstoffe zu entdecken.

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    Giftige Spielsachen: Augen auf beim Spielzeugkauf

    Dieses Jahr ist Weihnachten anders als sonst. Was bleibt sind die Kinder, die dem Fest trotz Corona entgegenfiebern. Damit ihre Geschenke auch wirklich Freude machen, sollte das Spielzeug frei von giftigen Schadstoffen sein. Tipps für den Einkauf!

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    Von
    • Marlene Riederer

    Alle Jahre wieder: Weihnachten kommt schneller als man denkt. Deswegen werden jetzt schon fleißig Weihnachtsgeschenke eingekauft. Aber Produkte aus Plastik können gefährliche Schadstoffe enthalten - so zum Beispiel Kinderspielzeug, das jetzt in der Vorweihnachtszeit massenhaft über die Verkaufstische geht.

    Weichmacher, Schwermetalle und andere Giftstoffe

    Damit Kinder lange Freude an ihren Spielsachen haben, sollte man das süße Püppchen oder das schnittige Auto nicht unüberlegt in den Warenkorb legen. Die Produktsicherheit spielt bei vielen Konsumenten inzwischen eine große Rolle. Einige Merkmale geben Hinweise darauf, mit welchen Spielzeugen Sie auf Nummer sicher gehen, so TÜV SÜD-Produktexperte Robert Ziegler.

    "Vorsicht ist geboten, wenn die vollständige Adresse des Herstellers oder des Importeurs nicht angegeben ist. Handelt es sich dabei auch noch um ein unverhältnismäßig billiges Produkt, ist das häufig ein Indiz, dass sich der Hersteller nicht mit den gesetzlichen und normativen Regelungen auseinandergesetzt hat." Robert Ziegler

    Versteckte Gilfte im Spielzeug

    Schwermetalle in Plastikautos, Weichmacher in Kuscheltieren, Formaldehyd in Holzspielzeug - versteckte Gifte können sich nicht nur addieren, sondern potenzieren - und krankmachen. Besonders Kleinkinder sind durch Schadstoffe wie Weichmacher oder Phtalate gefährdet, denn sie nehmen ihr Spielzeug häufig auch in den Mund. Spielzeug für kleine Kinder sollte deshalb grundsätzlich speichel- und schweißfest sein.

    So mancher Spielzeughersteller verwendet aus Kostengründen billige und giftige Chemikalien. Ob ein Plastikspielzeug potenziell gesundheitsgefährdend ist, hängt von der verwendeten Kunststoffart und den Zusatzstoffen ab. Manche Hersteller machen dazu freiwillig Angaben, vorgeschrieben ist das aber nicht. Deutsche Unternehmen betreiben in der Regel einen großen Aufwand, um sichere Produkte auf den Markt zu bringen, so Ziegler.

    Tipps für den Einkauf

      • Bevor das Spielzeug in Kinderhände kommt, sollten sich Eltern mit der Bedienungsanleitung vertraut machen und die Warnhinweise des Herstellers beachten. Zudem muss Spielzeug, das nicht für Kinder unter 36 Monaten bestimmt ist und für sie gefährlich sein könnte, immer mit einem Warnhinweis ("Achtung. Nicht für Kinder unter drei Jahren geeignet wegen Erstickungsgefahr durch Kleinteile.") versehen sein.
      • Achten Sie auf die Verarbeitung der Spielwaren. Wenn Nähte platzen und Augen ausfallen, weist das darauf hin, dass der Hersteller auf Billigmaterialien setzt.
      • Vorsicht bei billigem No-Name-Spielzeug. Es ist nicht umsonst so billig. Die beliebten softweichen Squishies zum Beispiel sind nicht selten mit Chemikalien belastet, die das Nervensystem und die Leber schädigen können oder die Schleimhäute reizen, so die Verbraucherzentralen.
      • Riechen Sie am Spielzeug, denn wenn ein Produkt schon unangenehm riecht, dann zurück ins Regal damit. Daraus kann man schließen, dass der Hersteller nicht sehr sorgfältig bei der Produktion war und hier auch schädliche Stoffe enthalten sein können. Dieser Tipp gibt allerdings keine Sicherheit, denn gerade Phthalat-Weichmacher sind geruchlos!
      • Die Verbraucherzentralen raten dazu, Spielzeug aus weichem Kunststoff nur zu kaufen, wenn erkennbar kein Polyvinylchlorid (PVC) enthalten ist ("PVC-frei"). Wenn PVC nicht zu vermeiden ist, sollte es zumindest "Phthalat-frei" sein.
      • Spielzeug aus PE (Polyethylen), PP (Polypropylen) oder ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymer kann gekauft werden, denn diese Kunststoffe kommen ohne Weichmacher aus.

    Nach dem Spielzeugkauf

    Plastikspielzeuge sollten vor dem ersten Gebrauch und auch danach regelmäßig gereinigt sowie kontrolliert werden. Sind noch alle Teile dran oder haben sich Kleinteile bereits gelöst? Treten Veränderungen in der Farbe oder der Oberflächenstruktur auf, ist es an der Zeit, die Kunststoffteile zu ersetzen. Plüsch- und Stofftiere sollten ebenfalls vor dem ersten Gebrauch gewaschen werden. Dabei bestehen sie schon den ersten Test, ob Bänder, Schleifen oder Knöpfe auch wirklich gut befestigt sind. Auch hier ist regelmäßiges Waschen empfehlenswert, so Robert Ziegler.

    Spielzeugkauf in Zeiten von Corona

    Sich ins vorweihnachtliche Einkaufsgetümmel zu stürzen, ist für manche Menschen zu Zeiten von Corona keine Option. Was bleibt ist der Onlinehandel. Da fehlen aber leider die Möglichkeiten, ein Spielzeug direkt auf Herz und Nieren zu prüfen. Anstatt auf die bekannten Versandhändler zu setzen, kann man versuchen, den Handel in der Region zu stärken. Vielleicht bietet der Spielzeugladen in der Nähe als neues Coronakonzept auch Lieferungan nach Hause an? Vielleicht besteht sogar die Möglichkeit, sich telefonisch oder schriftlich beraten zu lassen? Ansonsten bleibt nichts anderes, als ein minderwertiges Spielzeug zurückzuschicken - zu Lasten der Umwelt.

    Geprüfte Sicherheit

    Eine weitere Möglichkeit, Spielzeuge auch via "Ferndiagnose" zu beurteilen, sind Siegel. Machen Sie sich mit den verschiedenen Siegeln vertraut, die im Umlauf sind. Einige Siegel sind schlicht aussagelos. Robert Ziegler empfiehlt: "Wer unbedenkliches Spielzeug verschenken möchte, sollte auf das Siegel 'Sicherheit geprüft' achten (...) . Diese Spielsachen sind auf Farbechtheit, Entflammbarkeit und Belastbarkeit geprüft." Als Prüfgrundlage werden produktspezifische Normen und Prüfprogramme herangezogen.

    Zusätzlich gibt das Siegel "Schadstoffgeprüft" darüber Auskunft, ob die entsprechenden Grenzwerte eingehalten beziehungsweise unterschritten werden. Als Grundlage dienen die gesetzlichen Anforderungen, die in einigen Punkten durch die TÜV SÜD Product Service noch verschärft wurden.

    Welche weiteren Siegel gibt es?

    CE-Zeichen

    Das CE-Zeichen muss jedes Produkt tragen, das auf dem europäischen Markt eingeführt wird. Mit ihm verpflichten sich die Hersteller, die europäische Sicherheitsrichtlinie zu beachten. Über Schadstoffbelastungen gibt dieses Siegel nur begrenzt Auskunft, da die europäischen Grenzwerte oft hoch sind oder - in einigen Fällen - nicht vorhanden.

    Größtes Manko: Unabhängige Kontrollen gibt es nicht. Das Siegel wird von den Firmen selbst aufgeklebt und auch häufig gefälscht - es ist also KEIN Garant für gutes Spielzeug.

    "GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit"

    Weit aussagekräftiger ist das "GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit". Hier lässt der Spielzeughersteller freiwillig das Spielzeug durch eine unabhängige und zertifizierte Stelle auf die Einhaltung der gesetzlichen Mindestanforderungen prüfen. Darüber hinaus muss das Produkt bei den gesundheitsgefährdenden PAKs (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe) einen sehr niedrigen Grenzwert von 0,2 Milligramm pro Kilogramm Spielzeug einhalten. Wichtig: Das GS-Zeichen muss in Verbindung mit der Prüfinstitution - zum Beispiel TÜV Rheinland, TÜV Rheinland LGA, TÜV Süd, TÜV Nord - aufgeklebt sein. Fehler in der Aufschrift weisen auf eine Fälschung hin.

    Das VDE-Siegel

    Das VDE-Siegel wird vom Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V. für elektrotechnische Geräte - also auch für Elektrospielzeug - vergeben. Es beruht auf einer freiwilligen Prüfung, die der Hersteller vom VDE-Verband vornehmen lässt. Es bietet elektronische Sicherheit bei sachgemäßem Gebrauch, sagt aber nichts über den Schadstoffgehalt oder den pädagogischen Wert aus.

    Das Spiel-gut Siegel

    Das Siegel wird vom Arbeitsausschuss Kinderspiel + Spielzeug e. V. vergeben, unabhängig von der Spielwarenindustrie. Es bewertet Kriterien wie Spielwert, Umweltverträglichkeit, Haltbarkeit, Material und Sicherheit. Spielzeug aus PVC-Plastik ist ausgeschlossen.

    Fair Toys Organisation (FTO)

    Die FTO wurde im Juli diesen Jahres in Nürnberg gegründet und arbeitet daran, ein Label auf den Markt zu bringen, welches Umwelt- und Sozialstandards glaubhaft dokumentiert. Beteiligt sind Kirchen, Kommunen und Zivilgesellschaft sowie Unternehmen aus der Spielwarenbranche.

    PVC wird erst durch Weichmacher geschmeidig

    Viele weiche Plastikspielzeuge bestehen aus dem eigentlich harten Kunststoff PVC (Polyvinylchlorid). Dieser wird erst weich, wenn sogenannte Weichmacher wie Phthalate hinzugefügt werden. Das Problem daran: Diese Stoffe sind nicht fest gebunden und können durch Ausdünsten, Auswaschung oder Abrieb entweichen und sich zum Beispiel an den Hausstaub binden. Und der ist in der Atemluft. Einige Phthalat-Weichmacher ähneln menschlichen Hormonen und können das ausbalancierte Hormonsystem des Körpers aus dem Gleichgewicht bringen. Sie stehen in Verdacht, eine Reihe von gesundheitlichen Schäden hervorrufen zu können wie zum Beispiel: verringerte Spermienqualität, verfrühte Pubertät, Asthma, Brustkrebs, Fettleibigkeit, Diabetes sowie erniedrigte Intelligenzquotienten und das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADHS), so der BUND.

    Für einige Weichmacher gibt es Grenzwerte

    Seit inzwischen zehn Jahren gibt es für drei dieser Substanzen gesetzliche Grenzwerte in Kinderspielzeug und drei weitere in Babyspielzeug. Das heißt aber nicht, dass diese Grenzwerte auch immer eingehalten werden. Aber nicht alle Phthalat-Weichmacher und Ersatzstoffe sind mit Grenzwerten belegt. Es kann also nicht ausgeschlossen werden, dass von diesen eine gesundheitliche Beeinträchtigung ausgehen kann.

    Kunststoffarten und ihre Verwendung

    • Poly-Milchsäure: PLA ist ein spezieller Polyester, ein Kunststoff, der biologisch abbaubar ist. Er wird auch für medizinische Zwecke genutzt, zum Beispiel als Faden zum Vernähen von Wunden, die sich alleine auflösen.
    • Polyethylen: PE ist ein harter und sehr widerstandsfähiger Kunststoff, der hauptsächlich für Eimer oder Getränkekästen verwendet wird. Polyethylen kann aber auch als Verpackungsfolie dienen, dann muss der Herstellungsprozess verändert werden.
    • Polyvinylchlorid: PVC kann unterschiedliche Formen annehmen, weich oder hart. Damit der Kunststoff weich und elastisch ist, werden Weichmacher dazu gemischt.
    • Polyurethan: PUR ist ein sehr elastischer Kunststoff. Er ist in Schuhsohlen, Klebstoffen oder Matratzen zu finden. Mithilfe von Zusatzstoffen wird er elastisch gemacht.
    • Polyethylenterephthalat: PET findet man in Kunststoffen wie PET Flaschen, Textilfasern oder Folien.

    Stiftung Warentest hat Spielzeug getestet

    Stiftung Warentest hat im November 22 Plüschtiere und Figuren getestet. Dabei fanden sie zwar auch gesund­heits­gefähr­dende Schad­stoffe, aber vor allem Sicherheitsrisiken. Nur elf der getesteten Spielzeuge werden von Warentest empfohlen, die restlichen sind aufgrund von Schad­stoffen oder anderer Sicher­heits­risiken nur ausreichend oder gar mangelhaft.

    Mit der App ToxFox auf Schadstoffsuche

    Mit der ToxFox-App des BUNDs, die Sie in den App-Stores kostenlos herunterladen können, lassen sich die Schadstoffe in Spielzeug und Alltagsprodukten aufspüren. Sie scannen den Barcode des Produkts und erhalten Informationen über die Inhaltsstoffe. Der BUND baut mit insgesamt 19 Partnerorganisationen in dem Projekt "AskREACH" eine europäische Produktdatenbank auf. Daran beteiligt sind inzwischen 13 Länder. Das Projekt will europaweit die Bevölkerung, Handel und Industrie für "besonders besorgniserregende Stoffe" in Erzeugnissen sensibilisieren, so das Umweltbundesamt.

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