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Plastik im Alltag: Was ist drin in den Kunststoffen? | BR24

© picture alliance

Leichte Trinkflaschen bestehen aus dem Kunststoff Polyethylenterephthalat, PET.

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    Plastik im Alltag: Was ist drin in den Kunststoffen?

    Kunststoffe sind praktisch und vielseitig. Doch sie enthalten viele Zusatzstoffe, die nicht eindeutig bekannt sind. In einer neuen Laborstudie entdeckten Chemikerinnen in vielen Produkten einen Chemikalien-Cocktail, der nicht ganz unbedenklich ist.

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    Ob Joghurtbecher, Behälter für Lebensmittel und Duschgel oder Gebrauchsgegenstände wie Badeschlappen, sie alle enthalten einen Chemikalien-Cocktail mit ganz unterschiedlichen Substanzen. Die Forschungsgruppe PlastX von der Goethe-Universität Frankfurt hat bei ihren Untersuchungen von Kunststoffprodukten über 1.000 chemische Substanzen gefunden. Viele davon enthalten gesundheitsschädliche Chemikalien. Die Ergebnisse der Laborstudie wurden im September 2019 in der Zeitschrift „Environmental Science & Technology“ veröffentlicht.

    Zusatzstoffe für den richtigen Kunststoff

    Kunststoffe sind praktisch, formbar, langlebig und werden in Massen hergestellt. Im Herstellungsprozess wird ein ganzer Chemikalien-Cocktail eingesetzt, der je nach Eigenschaft und Beschaffenheit des Kunststoffes dazu gemixt wird. Um für jeden Zweck den geeigneten Kunststoff-Typ zu erhalten, verwenden die Hersteller unterschiedliche Zusatzstoffe, sogenannte Additive. In der EU sind über 100 Additive zugelassen. Doch was noch alles dazu gemischt wird, das kann man oft gar nicht richtig nachweisen.

    "Bei der Plastikherstellung werden wirklich sehr viele Substanzen verwendet, und die werden auch beabsichtigt reingegeben, die so genannten Additive, da kennt man zum Beispiel die Weichmacher, die Farbstoffe, die Flammschutzmittel oder die UV-Schutzmittel, und zum anderen entstehen während des ganzen Herstellungsprozesses Nebenprodukte und Reaktionsprodukte. Oder es kommen auch Verunreinigungen während des Prozesses in die Kunststoffe rein." Lisa Zimmermann, Ökotoxikologin, Goethe-Universität Frankfurt

    Giftiger Chemikalien-Cocktail in vielen Kunststoffen

    Die Wissenschaftler analysierten in ihrer Laborstudie Produkte wie Joghurtbecher, Trink- und Shampoo-Flaschen aus acht verschiedenen Kunststofftypen. Um mögliche schädliche Effekte der Chemikalienmischung zu analysieren, wurden die Substanzen im Labor aus den Produkten herausgelöst und in Zelltests mithilfe von Mikroorganismen auf mögliche Gesundheitsrisiken getestet.

    "Wir fanden in drei von vier getesteten Produkten schädliche Substanzen, darunter Chemikalien, die toxisch auf Zellen wirken oder endokrine, also hormonähnliche Effekte hervorrufen." Lisa Zimmermann, Ökotoxikologin, Goethe-Universität Frankfurt

    Wie sich dieser Cocktail auf unsere Gesundheit auswirkt, das ist noch nicht eindeutig nachgewiesen. Gerade durch die Mischung könnten sich aber ungeahnte Effekte herausstellen.

    Inhaltsstoffe in Plastik sind nicht transparent

    Doch nicht alle der getesteten Kunststoffprodukte enthielten giftige Stoffe. Harte Kunststoffe wie Polyethylenterephthalat PET und hochverdichtetes Polyethylen schnitten besser ab. Es gibt also auch unbedenkliche Materialien auf dem Markt, doch deren Kennzeichnung ist nicht eindeutig. Schwierig ist, dass die Inhaltsstoffe nicht transparent gemacht werden. Ein Grund mehr, beim Einkauf auf unverpackte Materialien zurückzugreifen. Damit ist nicht nur dem Problem Plastikmüll geholfen, sondern auch unserer Gesundheit.

    Biokunststoffe sind keine Alternative

    Lebensmittelverpackungen bestehen immer häufiger aus Poly-Milchsäure, PLA. So wird ein Bio-Kunststoff genannt, der nicht aus Erdöl hergestellt wird, sondern aus Biomasse. Die Wissenschaftler von der Goethe-Universität Frankfurt entdeckten bei ihren Analysen jedoch, dass auch bei diesen Kunststoffprodukten schädliche Chemikalien enthalten sind. Welche gesundheitlichen Auswirkungen in Biokunststoffen tatsächlich stecken, wollen sie nun in einer weiteren Laborstudie untersuchen.

    Der Prozess der Kunststoffherstellung

    Die Herstellung von Kunststoffen ist meist ein synthetischer Prozess. Als Rohstoff dient Erdöl, das in flüssige und gasförmige Bestandteile getrennt wird. Bei der Destillation entsteht das Rohbenzin, genannt Naphtha, das dann durch ein bestimmtes Verfahren in Ethylen, Propylen, Butylen und weiteren Kohlenwasserstoff-Verbindungen aufgespalten wird. In einem weiteren Schritt werden durch Hitze oder Druck aus den einzelnen Bausteinen, den Monomeren, die netz- und kettenförmigen Moleküle, die Polymere. Je nach Verfahren kann der Kunststoff fest, elastisch oder weiche Eigenschaften erhalten.

    Halbsynthetische Kunststoffe wiederum entstehen durch Modifikation von natürlichen Polymeren, wie Fasern, die aus Zellulose gewonnen werden. Polymilchsäure, biobasierte Kunststoffe werden durch Fermentation hergestellt.

    Kunststoffarten und ihre Verwendung:

    • Poly-Milchsäure, PLA ist ein spezieller Polyester, ein Kunststoff, der biologisch abbaubar ist. Er wird auch für medizinische Zwecke genutzt, zum Beispiel als Faden zum Vernähen von Wunden, die sich alleine auflösen.
    • Polyethylen, PE ist ein harter und sehr widerstandsfähiger Kunststoff, der hauptsächlich für Eimer oder Getränkekästen verwendet wird. Polyethylen kann aber auch als Verpackungsfolie dienen, dann muss der Herstellungsprozess verändert werden.
    • Polyvinylchlorid, PVC kann unterschiedliche Formen annehmen, weich oder hart. Für Rohre oder Schallplatten mit harten Eigenschaften und für Bodenbeläge verwendet man die weiche Variante. Damit der Kunststoff weich und elastisch ist, werden Weichmacher dazu gemischt.
    • Polyurethan, PUR ist ein sehr elastischer Kunststoff. Er ist in Schuhsohlen, Klebstoffen oder Matratzen zu finden. Mithilfe von Zusatzstoffen wird er elastisch gemacht.
    • Polyethylenterephthalat, PET findet man in Kunststoffen wie PET Flaschen, Textilfasern oder Folien.