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Forschungsschiff Polarstern ist zurück aus dem Eis | BR24

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Ein Jahr lang war die Polarstern in der Arktis unterwegs um den Klimawandel zu erforschen. Nun ist das Forschungsschiff zurückgekehrt mit vielen Daten und Proben vom Nordpol an Bord. Es war die bislang aufwendigste Arktis-Mission.

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Forschungsschiff Polarstern ist zurück aus dem Eis

Rund ein Jahr dauerte die Mosaic-Expedition der Polarstern in der Arktis. An einer Eisscholle festgefroren erforschten die Wisschenschaftler den Zyklus des Eises. Heute ist die Polarstern wieder in Bremerhaven eingelaufen.

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Gut ein Jahr lang war die Polarstern in den polaren Gewässern unterwegs. So weit im Norden, wie es im Winter noch kein Schiff zuvor je geschafft hatte. Das Forschungsschiff ließ sich an einer Eisscholle festfrieren und beobachtete fast ein Jahr lang den Zyklus des Eises am Nordpol: von der Bildung jungen Eises bis zu seiner Schmelze.

Emotionales Fazit: Klimawandel aus dem Fenster beobachtet

Nach der Rückkehr der Polarstern gab Expeditionsleiter Markus Rex die wohl eindrücklichste Erkenntnis der Expidition ins Arktiseis bekannt:

"Wir haben zugesehen, wie in der Arktis das Eismeer stirbt. Wenn es mit dem Klimawandel in der Arktis so weitergeht, wie es in der Vergangenheit abgelaufen ist, dann werden wir in wenigen Jahrzehnten im Sommer eine eisfreie Arktis haben." Markus Rex, Leiter der Arktis-Expedition Mosaic mit dem Forschungsschiff Polarstern

Polarstern - Eisfreier Blick fast bis zum Pol

Diese Folge des Klimawandels konnte die Crew der Polarstern direkt aus den Fenstern des Schiffes sehen. Selbst direkt am Nordpol hätten die Forscher im Sommer brüchiges, dünnes Eis gesehen, so Rex. In den Wintermonaten sei die Arktis zwar nach wie vor zur Eislandschaft gefroren, doch das Eis sei nur noch halb so dick wie vierzig Jahre zuvor.

Die Wissenschaftler an Bord der Polarstern erlebten die rapide Eisschmelze in diesem Sommer live mit. Beim Erreichen des Nordpols seien weite Bereiche offenen Meeres fast bis zum Pol zu sehen gewesen, umgeben von völlig durchlöchertem Eis, so das Alfred-Wegener-Institut (AWI).

"Das Eis der Arktis schwindet in dramatischer Geschwindigkeit." Pressemitteilung des Alfred-Wegener-Instituts (AWI)

Nach Angaben des AWI ist die Mosaic-Forschungsreise die bislang größte Arktis-Expedition. Mehr als 70 wissenschaftliche Institute aus knapp 20 Ländern mit Hunderten Forschern waren daran beteiligt.

"Während ihrer langen Zeit im arktischen Eis haben die Forscherinnen und Forscher einen einmaligen Datenschatz gehoben, von dem noch Generationen nach uns profitieren werden. Denn die dort im Epizentrum des Klimawandels gewonnenen Daten werden helfen, entscheidende Wissenslücken aus dieser Region zu schließen. Dadurch können wir Klimamodelle präzisieren und neu bewerten." Anja Karliczek, Bundesforschungsministerin
© picture alliance/Steffen Graupner/Alfred-Wegener-Institut/dpa

Mosaic-Expedition der Polarstern in der Arktis

3.400 Kilometer im Zickzackkurs gedriftet

Aufgebrochen war die Polarstern am 20. September 2019 - zu einer insgesamt 16.000 Kilometer langen Reise in die Arktis. Festgefroren an einer Eisscholle driftete das Forschungsschiff des AWI 3.400 Kilometer im Zickzackkurs durch das Nordpolarmeer. Um die Expedition am Laufen zu halten, waren sieben weitere Schiffe im Einsatz - Eisbrecher und Versorgungsschiffe, die sowohl Nahrungsmittel wie Material, aber auch die jeweils aktuelle Crew brachten.

Forschungsexpedition unter Corona-Bedingungen

Die Corona-Krise wirbelte auch die von langer Hand geplanten Abläufe der Arktis-Expedition Mosaic durcheinander. Es drohte sogar der Abbruch der Expedition. Doch die Expeditionsteilnehmer wollten unbedingt weitermachen. Durch erschwerte und komplizierte Crew-Wechsel gingen allerdings teils Forschungsdaten verloren.

Crew-Wechsel mit Quarantäne

Eigentlich waren alle zwei Monate Crew-Wechsel auf dem Forschungsschiff Polarstern vorgesehen. Doch ab April 2020 war der Austausch der Mannschaft sowie der Forscher erschwert. Die neue Crew musste jeweils in Quarantäne gehen. Zudem konnte die Besatzung nicht eingeflogen werden, sondern musste sich mit den Versorgungsschiffen Sonne und Maria S. Merian auf den Weg nach Spitzbergen machen, wohin sich auch die Polarstern bewegt hatte. Verfrachtet wurden dabei auch Lebensmittel, Treibstoff und einige neue wissenschaftliche Geräte.

Nach dem Stelldichein in Spitzbergen ging es zurück zur Eisscholle. Mit dieser glitt das Forschungsschiff durchs Polarmeer bis die Scholle zu dünn wurde und brach.

Quarantäne-Regelungen wie bei Weltraum-Missionen

Wegen der Coronavirus-Pandemie mussten sowohl kommende wie gehende Forscher zwei Wochen in Quarantäne ausharren. Die neue Polarstern-Crew wurde im Vorfeld dreimal auf das Coronavirus getestet. Die Quarantäne-Maßnahmen orientiert sich nach Angabe des Expeditionsleiters Markus Rex an den Quarantäne-Regelungen für Weltraum-Missionen.

Kein Social Distancing auf der Polarstern

Trotz des anstrengenden Hin und Hers in der Organisation der Crew-Wechsel freute sich Expeditionsleiter Markus Rex am Ende der Expedition wieder an Bord der Polarstern gehen zu können - weit weg vom Coronavirus. Da die Crew-Mitglieder in Quarantäne waren und dreimal negativ auf das neue Coronavirus getestet wurden, mussten sie an Bord der Polarstern nicht auf Social Distancing achten.

Live dabei mit dem Blog der Polarstern

Wie die Mosaic-Expedition voran schritt, konnte man hier live miterleben. In einem Blog schilderten Expeditionsteilnehmer ihre Arbeit und ihren Alltag auf dem Forschungsschiff.

Das Jahr im Eis war allerdings erst der Anfang. Jetzt folgen Monate und Jahre zur Analyse der gewonnenen Daten. Ziel des Projektes ist es, den Klimawandel besser zu erforschen und zu verstehen.

Fotopreis und ein überraschendes Forschungsergebnis

Am 17. April 2020 erhielt eine Fotografin des Alfred-Wegener-Instituts (AWI), Esther Horvath, den renommierten World Press Photo Award in der Kategorie Umwelt. Sie hatte zu Beginn an der Mosaic-Expedition teilgenommen und zwei Eisbären fotografiert. Ende März 2020 lieferte ein Bohrkern, der auf einer früheren Forschungsreise der Polarstern am Südpol entnommen wurde, überraschende Hinweise auf einen prähistorischen Regenwald in der Antarktis.

© Esther Horvath

AWI-Fotografin Esther Horvath machte dieses Foto von der Polarstern aus und wurde dafür mit dem World Press Photo-Award 2020 ausgezeichnet.