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#Faktenfuchs: Falschbehauptungen rund um Tönnies und Hopp | BR24

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Screenshot der Falschbehauptung über Clemens Tönnies und Dietmar Hopp

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    #Faktenfuchs: Falschbehauptungen rund um Tönnies und Hopp

    Aktuell wird in einer Falschnachricht eine mögliche Verschwörung von Clemens Tönnies und SAP-Gründer Dietmar Hopp in den Raum gestellt. Doch an den Behauptungen ist nichts dran. Ein #Faktenfuchs.

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    In sozialen Netzwerken kursiert seit einigen Tagen eine Verschwörungserzählung über einen möglichen Zusammenhang zwischen den hohen Infektionszahlen bei der Fleischfirma Tönnies in Nordrhein-Westfalen und einem angeblichen finanziellen Profit des Unternehmers Dietmar Hopp.

    Vor der Ausbreitung von Sars-CoV-2-Infektionen in der Fleischfirma Tönnies war die Zahl der Infektionen in Deutschland stark zurückgegangen gewesen, auch wegen der Maßnahmen der Bundesregierung und der Länder. Clemens Tönnies habe, so die implizite Behauptung, absichtlich einen Infektionsherd geschaffen, damit die Corona-Problematik wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerate - und damit Tönnies' langjähriger Freund, Dietmar Hopp, Geld an der Pandemie verdiene.

    Hopp ist seit Jahren Investor des Pharmaunternehmens und Impfstoff-Entwicklers Curevac, darüber hinaus ist er Gründer des Technologie-Konzerns SAP, der die Corona-Warn-App entwickelte. Der behauptete Zusammenhang zwischen dem Corona-Ausbruch bei Tönnies und Dietmar Hopp wird in der Falschnachricht nicht belegt, begründet oder nachvollziehbar gemacht.

    Behauptungen nicht nachvollziehbar

    So heißt es in der kursierenden Nachricht, dass Arbeiterinnen und Arbeitern der Fleischfabrik zweite Corona-Tests verweigert worden wären. Auch für diese Behauptung gibt es keine Belege. Ein Sprecher des Kreises Gütersloh sagt vielmehr, durch die Reihentestungen im Auftrag des Gesundheitsamts habe es schon zahlreiche Doppeltests von Mitarbeitern gegeben. Nachdem es im Mai bereits amtliche - also durch den Kreis veranlasste - Reihentests gegeben hatte, testete das Unternehmen auch selbst. Danach folgte jedoch erneut ein amtlicher Reihentest.

    Doppelte Tests in NRW Pflicht

    Dabei gingen mobile Teams aus Bundeswehr, DRK und Malteser in die Quarantäne-Unterkünfte der Mitarbeiter und machten Abstriche. Vom 1. Juli an muss in NRW sogar die gesamte Belegschaft in Schlachthöfen mindestens zweimal pro Woche auf das Coronavirus getestet werden - dies besagt eine neue Allgemeinverfügung des Arbeitsministeriums des Landes.

    Corona-Warn-App & Impfstoff - Spekulationen über Hopp

    Ein schwer zu überprüfender Teil der Falschnachricht ist die Behauptung, Hopp habe durch den Ausbruch in der Fleischfabrik von Tönnies finanzielle Vorteile erhalten. In der Meldung wird in den Raum gestellt, Hopp profitiere als Mitgründer von SAP - dem Entwickler der Corona-Warn-App - finanziell von den Infektionen mit dem Coronavirus.

    Fakt ist: Hopp hat heute keine Funktion mehr bei SAP, er hält aber Aktienpakete. Der etwaige finanzielle Vorteil, den Dietmar Hopp aus CureVac und der Corona-App ziehen kann, hat aber keinen Zusammenhang mit dem Ausbruch bei Tönnies, sondern ist in seiner grundsätzlichen unternehmerischen Tätigkeit im Bereich der Software-Lösungen (SAP) und der Biotechnologie (CureVac) zu finden.

    Zudem hängt der Umsatz, den SAP mit der App macht, nicht von der Nutzerzahl ab, wie das Bundesgesundheitsministerium in einer Mail-Antwort an BR24 schreibt: "Eine vertragliche Vereinbarung, die der SAP bei steigender Nutzerzahl eine Erhöhung der Vergütung in Aussicht stellt, wurde weder für die Entwicklung noch für den Support getroffen."

    Die Falschbehauptungen, die sich gegen Hopp richten - der als einer der reichsten Deutschen gilt - ähneln in ihrer Funktionsweise den Verschwörungsmythen rund um Bill Gates. Auch hier - und das ist typisch für Verschwörungserzählungen - werden keine Belege für die Behauptungen geliefert.

    Fazit

    Die kursierende Nachricht über einen angeblichen Zusammenhang zwischen dem Infektions-Cluster in der Fleischfirma Tönnies und finanziellem Profit durch Unternehmer und Investor Dietmar Hopp basiert auf falschen Behauptungen. Bereits Monate vor den Infektionen von Tönnies-Mitarbeitern hatte Curevac, bei der Hopp Hauptinvestor ist, mit der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs begonnen, auch werden Mitarbeitern der Fleischfirma keine zweiten Tests verweigert. Vielmehr sollen ab 1. Juli alle Schlachthofmitarbeiter zweimal pro Woche getestet werden.

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    29. Juni 2020, 21.47 Uhr: Wir haben im Teaser die Bezeichnung von Dietmar Hopp als "Software-Entwickler" in "SAP-Gründer" geändert.

    30. Juni 2020, 11.40 Uhr: Wir haben noch eine Antwort des Bundesgesundheitsministeriums zu den vertraglichen Regelungen mit SAP eingefügt.

    30. Juni 2020, 12.22 Uhr: Durch die Redigatur des Artikels am 29.6.2020 ist im Fazit ein Fehler entstanden. Dort stand dann "die Firma von Dietmar Hopp" - doch Hopp ist lediglich Hauptinvestor bei Curevac, nicht Inhaber. Dies haben wir nun korrigiert.