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Erste Hilfe bei Schimmel: Wenn die Wohnung bläulich blüht | BR24

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Wer frisch in eine Wohnung zieht, rechnet nicht mit Schimmel. Noch ärgerlicher ist es, wenn der Vermieter nichts gegen den Schimmel unternimmt. Dabei haben Mieter Rechte: auf Beseitigung und auf einen finanziellen Ausgleich durch den Vermieter.

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Erste Hilfe bei Schimmel: Wenn die Wohnung bläulich blüht

Muffiger Geruch, kleine Flecken an Wänden oder an Fensterdichtungen: Das sind die ersten Indizien für Schimmelbefall in der Wohnung. Schimmel sieht nicht nur eklig aus, sondern kann auch die Gesundheit gefährden. Erste Hilfe im Kampf gegen Schimmel.

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Schwarzbläulich-grüner Belag an den Wänden: Besonders in der kalten Jahreszeit kann sich in der Wohnung leicht Schimmel bilden. Mögliche Ursachen sind schlecht gelüftete und wenig geheizte Räume, kalte Außenwände, defekte Fassaden oder Dächer.

Schimmelsporen sind überall

Schimmelpilze sind bestimmte Pilzarten, die aus Zellfäden und Sporen bestehen. Die häufig farblosen Zellfäden selbst sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Um sich zu vermehren, bilden Schimmelpilze Sporen aus, die überall durch die Luft schwirren. Normalerweise sind diese harmlos, erst wenn sie eine gewisse Konzentration übersteigen, können sie Probleme bereiten. Das Umweltbundesamt klärt in der Broschüre "Schimmel im Haus" über Ursachen, Wirkungen und Abhilfe auf.

Schimmel: Auswirkungen auf die Gesundheit

Allergiker, Asthmatiker und Personen mit einem geschwächten Immunssystem sind besonders anfällig für Erkrankungen, die durch herumfliegende Sporen ausgelöst werden können.

Aber auch Menschen ohne Vorbelastungen können Symptome wie Augenbrennen, Atemprobleme, Schleimhautreizungen, Kratzen im Rachen, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Magen-Darm- und Gelenkbeschwerden oder gar Neurodermitis bekommen. Doch ist es schwierig, diese Krankheitssymptome direkt auf die Schimmelbelastung zurückzuführen. Denn es sind so unspezifische Symptome, dass sie auch auf andere Krankheiten zutreffen könnten.

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Schimmel im Bad

Verfärbte Fugen und Silikonabdichtungen an Dusche und Wanne sind nicht selten - doch nicht immer ist es Schimmel. Rosa Verfärbungen weisen auf Bakterien hin, die Seifenreste lieben. Ihnen kann man am besten mit Reinigungsmitteln und Bürste zu Leibe rücken.

Schwarze Verfärbungen jedoch weisen auf Schimmel hin, den man mit speziellen Anti-Schimmel-Mitteln beseitigen kann. Wenn sich Silikonabdichtungen gar nicht mehr reinigen lassen, kann man sie komplett entfernen und erneuern. Aber das Wichtigste ist, die Ursachen für Schimmelbildung zu bekämpfen. Das heißt: Fliesen, Armaturen und Dusche immer sorgfältig abtrocknen und ausreichend lüften!

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Schimmel in der Dusche

Einfallstor für Schimmel sind Dachfenster

Dachfenster sind Kälte und Feuchtigkeit besonders stark ausgesetzt. Sie kühlen also auch stärker ab, es bildet sich mehr Kondenswasser: gute Voraussetzungen für Schimmelbildung. Deshalb sollte in Zimmern mit Dachfenstern ganz besonders darauf geachtet werden, Luftfeuchtigkeit und Raumtemperatur konstant zu halten.

Regelmäßiges Lüften ist hier besonders wichtig. Außerdem sollte erwärmte Luft ungehindert am Dachfenster zirkulieren und so die Scheibe erwärmen können. Auch das vermindert die Bildung von Kondensat am Fenster.

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Schimmel am Dachfenster

Bei Schimmelbefall sollten Sie sofort handeln

Wer nichts gegen die herumschwirrenden Schimmelsporen unternimmt, riskiert gesundheitliche Probleme. Ist der Befall erst Mal entdeckt, hilft nur noch rasches Handeln.

Schimmel verhindern: Das sollten Sie tun

Fenster auf! Öffnen Sie mehrmals am Tag die Fenster in allen Räumen möglichst weit. Im Winter reichen fünf Minuten, wenn richtiger Durchzug herrscht. Die Luft sollte komplett ausgetauscht werden. Im Bad gilt nach dem Duschen und Baden: Fenster auf! Nasse Handtücher trocknen rasch auf der warmen Heizung. Die Feuchtigkeit in der Küche verringert eine Dunstabzugshaube mit Abluft ins Freie. Fahren Sie in den Urlaub, sollten Sie die Türen aller Zimmer öffnen, so verteilt sich die noch vorhandene Feuchtigkeit gleichmäßig über die Räume.

Die Luftfeuchtigkeit sollte nicht zu hoch sein

Die Luftfeuchtigkeit in Räumen sollte idealerweise 60 Prozent nicht überschreiten. Messen kann man diesen Wert mit einem Hygrometer, der für wenig Geld erhältlich ist.

In kühlen Räumen: Tür zu!

Schließen Sie die Türen zu kühlen Zimmern. Sonst zieht die feuchte, warme Luft dort hin und kondensiert an den kalten Wänden - ein Paradies für Schimmelpilze. Betroffen sind oft Schlafzimmer, denn das sind häufig die kühlsten Räume. Im Schlaf entsteht viel Feuchtigkeit - wir schwitzen und auch unsere Atmung bringt Feuchtigkeit in den Raum. Lassen Sie deshalb das Schlafzimmer nicht zu sehr auskühlen, sondern stellen Sie tagsüber mal die Heizung an. 16 bis 18 Grad sind ideal.

Heizen in der Wohnung: Regler hoch

Im Winter sollten Sie Ihre Wohnung möglichst gleichmäßig beheizen. Denn warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte Luft. Die ideale Temperatur in Wohnräumen liegt bei 19 bis 21 Grad. Der Unterschied zu den anderen Zimmern sollte keinesfalls über fünf Grad betragen.

Kondenswasser an den Fensterscheiben: Tröpfchen trocknen

Es lohnt sich, beschlagene Fensterscheiben mit einem Tuch trocken zu wischen. Auch feuchte Gummidichtungen, Silikonfugen an Dusche und Badewanne oder nasse Fließen sollten Sie umgehend trocknen. Das verringert das Schimmelrisiko.

Wärmebrücken: Luft an Außenwänden

Achten Sie besonders auf schlecht gedämmte Außenwände. Hier kann feuchte, warme Luft schnell abkühlen und kondensieren. Damit die Luft hier trotzdem möglichst gut zirkulieren kann, sollten Sie darauf verzichten, Möbelstücke direkt vor diese Wände zu stellen. Auch auf große Bilder oder dicke Vorhänge sollten Sie hier verzichten. Der Abstand zur Wand sollten mindestens zehn Zentimeter betragen.

Schimmel entfernen: So geht es

Wenn Sie schon Schimmel in der Wohnung haben, ist es zunächst wichtig, die Ursachen für den Pilzbefall zu klären. Wenn beispielsweise ein Riss in der Fassade für feuchte Wände sorgt, hilft es wenig, die Schimmelflecken wegzuputzen, denn sie würden schon kurze Zeit später zurückkehren. Sind die Ursachen beseitigt, kann man oberflächlich befallene Flächen, die kleiner sind als ein halber Quadratmeter, selbst reinigen.

Nur ausreichend geschützt arbeiten

Wenn Sie Schimmel entfernen wollen, sollten Sie Gummihandschuhe, Mundschutz und eine Schutzbrille tragen. Allergiker, chronisch Kranke und immungeschwächte Menschen sollten keinesfalls selbst sanieren und sich währenddessen auch nicht im Raum aufhalten. Stark befallene Flächen sollten Sie möglichst rasch behandeln, damit nicht unnötig Sporen aufgewirbelt werden.

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Schimmel sollte nur ausreichend geschützt entfernt werden.

Ab auf den Müll!

Poröse Materialien wie Tapeten, Holzverkleidungen oder Sofas lassen sich kaum sanieren. Am besten entsorgen Sie diese. Der beim Sanieren anfallende Abfall gehört gut in Plastikbeutel verpackt in die Mülltonne oder auf den Wertstoffhof.

Abreiben mit Alkohol

Sie können die befallenen Flächen absaugen, wenn Sie einen Staubsauger mit HEPA-Filter oder dem TÜV-Siegel "Für Allergiker geeignet" besitzen. Der Staubsaugerbeutel gehört danach auf den Müll. Waschen Sie oberflächlich befallenes Metall, Glas oder lackiertes Holz mit Haushaltsreiniger. Anschließend reiben Sie die Flächen mit achtzigprozentigem Alkohol ab und lassen Sie alles gut einwirken und trocknen. Um den Feinstaub zu entfernen, sollten Sie danach auch die gesamte Umgebung putzen.

Hausmittel wirken ausgezeichnet

Die Stiftung Warentest hat Hausmittel gegen Schimmel getestet und festgestellt, dass sie ausgezeichnet wirken: "Den Schimmel kann man mit Isopropylalkohol oder Brennspiritus einpinseln oder einsprühen und eine halbe Stunde wirken lassen. Danach ist er tot", stellt Michael Koswig von der Stiftung Warentest, fest. Wer ganz sicher gehen möchte, kann das ein oder zweimal wiederholen. Der Vorteil von Hausmitteln: Der Alkohol verdunstet, nach dem Lüften bleibt in der Wohnung nichts Giftiges zurück. Kritisch sieht der Schimmelexperte hingegen Wirkstoffe, die dauerhaft gegen Schimmel vorbeugen sollen. "Bei Giftstoffen, die Schimmelpilze abtöten können, stellt sich die Frage, ob diese gesund für den Menschen sind", merkt Koswig an. Stiftung Warentest hat ein Special zum Thema "Schimmel im Haus" veröffentlicht.

Finger weg von Essig!

Mit Essig oder Essigreiniger sollten Sie Schimmel hingegen nicht bekämpfen. Denn die darin enthaltenen organischen Nährstoffe können das Schimmelwachstum fördern.

Große Sanierungen vom Profi machen lassen

Bei größeren Schimmelschäden sollten Sie sich an eine Fachfirma wenden, die sich mit den Schutzmaßnahmen und Vorschriften auskennt.

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