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Ebbe und Flut - Herausforderung für das Leben an der Küste | BR24

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Die Gezeiten der Meere erscheinen uns fast selbstverständlich. Doch das wundersame Wechselspiel von Ebbe und Flut ist ebenso einzigartig, wie die erstaunliche Vielfalt der Dinge, die davon abhängig sind.

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Ebbe und Flut - Herausforderung für das Leben an der Küste

Mond und Sonne sind verantwortlich, dass sich alle paar Stunden das Meer der Küste nähert oder von ihr entfernt: Ebbe und Flut. Nicht nur Strandurlauber müssen sich auf die Gezeiten einstellen, sondern auch Tiere und Pflanzen.

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Wie Gezeiten entstehen

Ebbe und Flut sind abhängig von der Schwerkraft. Einerseits von der des Mondes, denn Erde und Mond bilden einen gemeinsamen Schwerpunkt, der etwa 1.000 Kilometer unter der Erdoberfläche liegt. Weil sich die Erde dreht, entsteht gleichzeitig eine Fliehkraft.

"Das kann man vergleichen mit einem Kettenkarussell. Wenn das Kettenkarussell steht, dann geht nichts nach außen. Wenn sich das Kettenkarussell dreht, dann fliegen die Sitze nach außen." Margret Grob, Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI), Bremerhaven

So bildet sich dann der Wasserberg, den wir als Ebbe und Flut erleben. Doch nicht nur der Mond hat einen Einfluss auf unsere Meere, sondern auch die Sonne: Sie zieht mit ihrer Schwerkraft ebenfalls an der Erde. Aber weil sie zugleich an einer anderen Position steht als der Mond, wandern zwei Wassermassen regelmäßig um unsere Erde.

Ebbe und Flut sind nicht überall gleich hoch

Der Unterschied zwischen Ebbe und Flut wird "Tidenhub" genannt und ist an manchen Orten der Welt extrem groß. Das hängt damit zusammen, ob der Flutberg schnell durch zwei Landmassen passieren kann. Besonders hohen Tidenhub findet man beispielsweise im Kanal Dover-Calais und an der Küste von Wales, wo er bis zu 14,5 Meter betragen kann.

Tiere müssen sich an Ebbe und Flut anpassen

Gezeiten führen zu extremen Lebensräumen, die stundenweise völlig überflutet sind, und dann wieder trocken werden. Nur Spezialisten können dort überleben, zum Beispiel zehn Milliarden Wattwürmer im deutschen Wattenmeer. Auch Muscheln sind perfekt auf diesen Lebensraum eingestellt.

"Die Miesmuschel ist bei Wasserbedeckung aktiv und bei Ebbe schließt sie sich und ist inaktiv. Da geht dann der Herzschlag von rund 100 Schlägen pro Minute auf unter zehn Schläge pro Minute zurück – das ist quasi wie ein kleiner Mini-Winterschlaf." Waltraud Menger, Leiterin Nationalparkhaus Wattenmeer, Dorum

Landtiere und die Gezeiten

Vögel, die im Watt nach Nahrung suchen, sind natürlich auf die freie Wattfläche angewiesen. Dort fressen sie dann die Muscheln oder Würmer, die dort leben. Gerade für Zugvögel ist das Watt eine wichtige Nahrungsquelle.

Auch ausschließlich landlebende Tiere können vom Wechsel von Ebbe und Flut betroffen sein. Zum Beispiel eine Herde von Wildpferden im Norden von Wales, die dort seit Generationen in der Gegend leben. Sie flüchten regelmäßig vor der Flut auf kleine Hügel.

"Sie haben gelernt, damit umzugehen, wenn die Tide kommt und die Wiesen überschwemmt, auf denen sie grasen. Sie wissen ganz einfach, wo sie vor der Flut sicher sind. Bei Flut sind die Tiere komplett von Wasser umgeben und bewegen sich nicht vom Fleck. Wenn dann die Ebbe kommt, machen sie einfach weiter, als wäre nichts geschehen." Chris Dale, Wildhüter, Wales Coastal Path

Ebbe und Flut haben auch Auswirkungen unter Wasser

Unter Wasser verursacht die Tide große Strömungen. Das nutzen zum Beispiel Korallen auf den Malediven:

"In Vollmondnächten setzen die Korallen ein bis zweimal im Jahr alle zum selben Zeitpunkt ihre Eier und Spermien frei. Durch die starke Tide und Strömung kann sich der Korallennachwuchs dann sehr weit ausbreiten. Das ist sehr, sehr wichtig." Emilia Fulgido, Meeresbiologin

Steigender Meeresspiegel hat Folgen für die Küsten

Im Klimawandel steigt der Meeresspiegel langsam an. Das hat auch Auswirkungen auf die Küstenbereiche, die von Ebbe und Flut betroffen sind. Das kann die Pferde in Wales betreffen, die auf das Marschland angewiesen sind. Aber auch Einsiedlerkrebse auf den Malediven müssen damit umgehen:

"Wir haben zwei verschiedene Arten von Einsiedlerkrebsen. Den Wasser-Einsiedlerkrebs, der unter Wasser lebt und den Strand-Einsiedlerkrebs. Durch einen Meeresspiegelanstieg könnten wir den Einsiedlerkrebs auf den Inseln verlieren, denn sie brauchen das Land. Sie können im Wasser nicht überleben." Emilia Fulgido, Meeresbiologin

Je nachdem, wie schnell der Meeresspiegel ansteigt, desto lebensbedrohlicher wird das für die Küstenbewohner also werden. Geht das zu schnell, können sich Tiere, Pflanzen und Menschen nur schlecht darauf einstellen.