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Weltnaturerbe Wattenmeer Schutz für ein reiches Feuchtgebiet

Das Wattenmeer ist als Feuchtbiotop einzigartig. Mehr als 3.000 Tierarten tummeln sich hier. Millionen von Zugvögeln nutzen es als Rastplatz. Kein Wunder, dass die UNESCO das Wattenmeer 2009 zum Weltnaturerbe erklärt hat.

Stand: 19.09.2016

Mit 11.000 Quadratkilometern ist das mitteleuropäische Wattenmeer die größte zusammenhängende Wattfläche der Welt – und damit auch eines der größten Feuchtgebiete. Alle sechs Stunden spült die Flut neue Nährstoffe in den Meeresboden, ein Quadratmeter Watt enthält mehr tierische Biomasse als der Boden tropischer Urwälder.

Rastplatz, Schlaraffenland und Kinderstube

Im Spätsommer halten sich hier bis zu 1,5 Millionen Vögel gleichzeitig auf.

Im Frühjahr und Herbst wird das Wattenmeer zum Schlaraffenland von Millionen Zugvögeln, die hier Rast machen und sich an den Krebsen, Schnecken und Muscheln laben. Jungfische können in dem flachen Übergang zwischen Meer und Land vor Feinden unbehelligt heranwachsen. Seehunde, Kegelrobben und Schweinswale tummeln sich hier. Als Weltnaturerbe der UNESCO steht das Wattenmeer unter besonderem Schutz. Und offenbar mit Erfolg: Die Seehundpopulation im Wattenmeer erholt sich.

Das Wattenmeer

Wattenmeerlandschaft bei Vollerwiek

Das Wattenmeer, dessen Name sich vom altfriesischen Wort "wad" für "seicht" ableitet, erstreckt sich über 450 Kilometer: von der dänischen Nordseeküste bis zur niederländischen Stadt Den Helder. Entstanden ist es nach der jüngsten Eiszeit. Als die Gletscher schmolzen stieg der Wasserspiegel, die mitgeführten Sedimente lagerten sich in den flachen Küstenregionen ab. 

Doch auch das Wattenmeer ist Gefahren und Veränderungen ausgesetzt: Steigende Wassertemperaturen sorgen dafür, dass einige nördliche Arten seltener auftreten, während südlichere sich neu ansiedeln. Durch Schifffahrt oder Aquakulturen werden aus anderen Gegenden der Welt fremde Arten ins Wattenmeer eingeschleppt wie Algen und Wirbellose.

Pazifische Austern im Wattenmeer

Von den 52 bekannten gebietsfremden Arten haben nach Aussage des Nationalparks Wattenmeer bisher sechs deutliche Auswirkungen auf das Leben im Watt: die Pazifische Auster, das Schlickgras, der Japanische Beerentang, ein invasiver Borstenwurm, die Amerikanische Schwertmuschel sowie die Amerikanische Pantoffelschnecke. Zudem machen dem maritimen Gleichgewicht der Nordsee Ölreste zu schaffen, die von Schiffen ins Meer gelangen.

Ursprüngliche Naturlandschaft soll erhalten bleiben

Tausende Tierarten lassen es sich im Wattenmeer gut gehen.

Heute ist das Wattenmeer eine der letzten ursprünglichen Naturlandschaften Mitteleuropas. Seit mehr als 25 Jahren arbeiten die Anrainerstaaten Deutschland, Niederlande und Dänemark zusammen, um das Gebiet zu schützen. 2009 wurden die deutschen Wattenmeer-Nationalparks Niedersachsens und Schleswig-Holsteins sowie das niederländische Wattenmeer-Schutzgebiet als Weltnaturerbe in die Liste der UNESCO aufgenommen. 2011 wurde das Welterbe um den Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer erweitert und seit 2014 zählt auch der dänische Teil zum grenzüberschreitenden Schutzgebiet.

Damit steht die Naturstätte auf einer Stufe mit so bekannten Naturwundern wie dem Grand Canyon, den Galapagos-Inseln oder dem Serengeti-Nationalpark. Das Wattenmeer ist erst das zweite Weltnaturerbe in Deutschland. Bis 2009 hatte es einzig die Grube Messel bei Darmstadt auf die UNESCO-Liste geschafft. Dort werden immer wieder Fossilien aus der Entstehungszeit der Säugetiere gefunden. Seit 2011 sind auch die alten Buchenwälder Deutschlands Weltnaturerbe.

Die Welterbestätten der UNESCO

Weltnaturerbe seit 2009: das Wattenmeer

Seit 1972 schützt die UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) Kultur- und Naturdenkmäler mit weltweit herausragendem Wert in einem internationalen Abkommen. Die Vereinbarung, die Welterbestätten zu schützen und für zukünftige Generationen zu erhalten, haben bisher 190 Staaten unterzeichnet, 165 haben mindestens eine solche Welterbestätte.
Ein eigenes UNESCO-Komitee prüft jährlich, welche Stätten neu in die "Liste des Welterbes" aufgenommen werden. Hierfür müssen die von den Mitgliedstaaten vorgeschlagenen Stätten zum Beispiel Kriterien wie "Einzigartigkeit", "Authentizität" oder "Integrität" erfüllen. Außerdem muss ein überzeugender Erhaltungsplan vorgelegt werden.


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