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Rote Liste für Meere Jede dritte Art in Nord- und Ostsee ist bedroht

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat 2014 eine Rote Liste für Fische, Wirbellose und Großalgen herausgebracht. Danach ist ein Drittel der Meeresbewohner in Nord- und Ostsee bedroht. Der Grund dafür ist meist der Mensch.

Stand: 06.05.2015

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat nach sechs Jahren Arbeit 2014 eine neue Rote Liste der Meeresorganismen veröffentlicht. Die Analyse beruht auf den Beständen und der Bestandsentwicklung von über 1.700 Arten von Fischen, Wirbellosen und Großalgen. Das Ergebnis: Rund 30 Prozent der untersuchten Arten sind auf der Roten Liste als mindestens gefährdet eingestuft.

30 Prozent Unbekannte

Neben 94 Fischarten wurden zehn Tierstämme der Wirbellosen wie Weichtiere, Krebse und Nesseltiere untersucht. Zudem auch 350 Arten von Makroalgen. Meeressäugetiere wie Kegelrobbe, Seehund, Großer Tümmler oder Schweinswal wurden bei der Untersuchung nicht berücksichtigt. Sie waren bereits 2009 in der Roten Liste der Säugetiere Deutschlands behandelt worden.

Bei der Bestandsaufnahme der Meeresorganismen wurde deutlich, dass die Zahl der bedrohten Arten noch wesentlich höher ausfallen könnte. Darauf machte die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Beate Jessel, aufmerksam.

"Bei etwa einem Drittel der Arten gibt es nicht genügend Informationen, um ihre Gefährdung hinreichend einschätzen zu können. Darunter befinden sich erfahrungsgemäß immer auch unentdeckte Rote-Liste-Arten."

Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN)

Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN)

Im Vergleich zur letzten Erfassung von 1998 sind nur bei wenigen damals bedrohten Arten die Bestände wieder angewachsen oder haben sich stabilisiert wie etwa beim Hummer. Andere Arten wie der Einsiedlerkrebs, die Sandkoralle oder die Aalmutter sind dagegen in ihrer Population geschrumpft.

Gerade bei den Fischen hat sich die Gesamtsituation verschärft - wobei es einen Unterschied zwischen deutschen Nord- und Ostseegebieten gibt: In der Nordsee sind mit 27 Prozent deutlich mehr Fische gefährdet als in der Ostsee mit 17 Prozent. Zu den Verlierern zählen Aale, Schellfische und Sternrochen. Europäische Aale gelten nun sogar als stark gefährdet. Auch Knorpelfische wie Dornhai und Glattrochen sind auf der Roten Liste zu finden. Bei den Wirbellosen ist der Bestand der Sandkoralle genauso gefährdet wie bei den Großalgen der Blasentang.

Mensch als Hauptschuldiger

In seiner Studie nennt das BfN zahlreiche Gründe für den Artenschwund in Nord-und Ostsee - und eigentlich sind alle in gewisser Weise abhängig vom Einfluss des Menschen:

  • Die Fischerei mit Grundschleppnetzen, die selbst in Meeresschutzgebieten kaum reglementiert wird, produziert einen immensen Beifang.
  • Durch die Grundschleppnetze werden am Meeresgrund vorkommende Organismen wie Schwämme und Muscheln oder Lebensgemeinschaften der Sandkorallenriffe beeinträchtigt oder zerstört.
  • Die Zufuhr von Nährstoffen und von Abwässern über Flüsse und Kanalsysteme führt zu Algenblüten, verringert den Lichteinfall in größere Tiefen und erhöht den Anteil an Schwebstoffen im Wasser. Das wirkt sich negativ auf viele Großalgen und Wirbellose aus.
  • Bagger- und Abbauarbeiten für Hafenausbauten, für Pipelines und Windanlagen sowie der Abbau von Sand und Kiesel zerstören den maritimen Lebensraum mancher Arten und verändern auch die Zusammensetzung der Bodensubstrate.
  • Die Vermüllung der Meere durch große Plastikteile und durch Mikroplastikteilchen gefährdet sowohl Fische, Seevögel als auch Wirbellose.
  • Das Ansiedeln fremder Arten wie der Pazifischen Auster machen den lokalen Arten den Lebensraum streitig und verändern das natürliche Gefüge.

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