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Ein Coronavirus-Antigen-Test kann eine SARS-CoV-2-Infektion feststellen, allerdings nur mit begrenzter Sicherheit.

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    Wie sinnvoll sind Corona-Tests vor Weihnachten?

    Viele Menschen erhoffen sich durch einen Test auf das Coronavirus ein sicheres Weihnachtsfest. Aber was kann ein Test tatsächlich leisten? Und welche Tests gibt es überhaupt?

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    Von
    • Jan-Claudius Hanika

    Sich vor Weihnachten noch schnell testen, damit man bei der Zusammenkunft mit der Familie auch ganz sicher keinen ansteckt - diese Idee haben viele. Dabei gibt es diverse Corona-Tests, selbst für Zuhause. Doch bei jedem gibt es einiges zu beachten und bei keinem absolute Sicherheit.

    Wie sicher sind Corona-Antikörpertests für Zuhause?

    Im Online-Shop einer großen Drogeriemarktkette und bei einigen Online-Apotheken ist ein Coronavirus-Antikörpertest der Marke Cerascreen ab rund 50 Euro erhältlich. Darin befindet sich ein Behälter für ein paar Tropfen Blut, die man sich "sicher und diskret zuhause" abnehmen und anschließend an ein Labor schicken soll. Dort wird die Blutprobe untersucht, ob sich darin Antikörper gegen SARS-CoV-2 befinden. Falls der Test positiv ausfällt, war der Betreffende vermutlich bereits mit dem Coronavirus infiziert, auch wenn er keine oder nur milde Symptome hatte.

    Wenn bei der Abnahme und dem Transport der Blutprobe ins Labor nichts schiefgeht, ist das Ergebnis ziemlich zuverlässig: Die Spezifität des Tests liegt laut Hersteller bei 98,9 bis 99,2 Prozent und die Sensitivität bei 97,4 bis 100 Prozent. Das heißt aber auch: Wenn weniger als zwei Prozent der Bevölkerung SARS-CoV-2-Antikörper im Blut haben (wie eine Untersuchung von Blutspendern ergab), ist trotzdem etwa jedes zweite positive Ergebnis falsch positiv und müsste mit mindestens einem Test eines anderen Herstellers überprüft werden.

    Sensitivität und Spezifität

    • Die Sensitivität gibt an, wie empfindlich ein Test ist. Bei SARS-CoV-2 bedeutet das: Bei wie vielen Infizierten liefert der Test tatsächlich ein positives Ergebnis? Bei Tests mit niedriger Sensitivität kann es trotz Infektion zu einem falsch-negativen Ergebnis kommen.
    • Die Spezifität gibt an, wie viele Gesunde ein Test tatsächlich als gesund erkennt. Bei SARS-CoV-2 bedeutet das: Bei wie vielen Nicht-Infizierten liefert der Test ein negatives Ergebnis? Test mit niedriger Spezifität melden auch bei anderen Viren oder aus anderen Gründen ein positives Ergebnis.

    Doch selbst wenn der Test tatsächlich die Antikörper korrekt im Blut nachweist, folgt daraus nicht automatisch eine Immunität gegen das Coronavirus. Der Nachweis von Antikörpern ist ein Hinweis darauf, dass das Immunsystem in den Wochen vor dem Test bereits mit dem Erreger Kontakt hatte und vermutlich schnell mit Abwehr reagieren kann, wenn dies erneut geschieht. Eine erneute Infektion der Atemwege und damit die Möglichkeit, über diese andere anzustecken, ist allerdings nicht ausgeschlossen.

    Ungenaue Antikörper-Schnelltests

    Bis das Ergebnis eines Antikörpertests zum Einschicken vorliegt, dauert es einige Zeit, nämlich zwölf bis 48 Stunden, nachdem die Probe im Labor eingetroffen ist. Es gibt aber auch Antikörper-Tests, die innerhalb sehr kurzer Zeit ein Ergebnis liefern. Auch für diese genügen einige Tropfen Blut als Probe. Diese werden auf ein Testfeld aufgebracht, anschließend kommt meist ein Lösungsmittel dazu und nach wenigen Minuten zeigt das Testfeld eine farbige Reaktion, je nachdem, ob Antikörper gefunden wurden oder nicht.

    Das klingt simpel und praktisch für daheim, doch diese Antikörper-Schnelltests sind in Deutschland nur für medizinische Fachkräfte erhältlich. Aus gutem Grund: Die Genauigkeit der Antikörper-Schnelltests liegt deutlich unter derjenigen der Antikörper-Tests zum Einschicken und die Fehlerquote daher deutlich höher.

    Für Antigen-Tests sind korrekte Proben notwendig

    Auch Antigen-Tests werden als "Corona-Schnelltests" bezeichnet. Diese reagieren aber nicht auf SARS-CoV-2-Antikörper im Blut, sondern auf Protein-Bausteine des Virus in einer Probe aus dem Nasen-Rachen-Raum. Daher können sie eine aktuelle Infektion feststellen und nicht eine bereits länger zurückliegende, wie dies Antikörper-Tests tun. Antigen-Tests liefern viel schneller ein Ergebnis als die bisher üblichen PCR-Tests, allerdings sind sie weniger empfindlich. Daher ist es wichtig, dass die Probe korrekt genommen wird, wofür geschultes medizinisches Personal am besten geeignet ist. Andernfalls kann der Antigen-Test trotz Infektion ein negatives Ergebnis anzeigen.

    Antigen-Tests liefern deutlich schneller ein Ergebnis als PCR-Tests, sind allerdings weniger genau. Bei korrekter Anwendung finden sie aber ziemlich zuverlässig jene, die viele Viren in Hals und Rachen haben und besonders ansteckend sind. Allerdings ist auch dieser Test eine Momentaufnahme. Das Ergebnis kann am nächsten Tag schon anders sein, etwa wenn der Betreffende sich erst vor wenigen Tagen infiziert hat und die Zahl der Viren gerade wächst. Um eine Infektion auszuschließen wäre daher täglich ein Test notwendig.

    Sinn von Massen-Antigen-Tests fraglich

    Die relativ niedrige Genauigkeit der Antigen-Tests ist auch ein Grund, der gegen Massentests mit ihnen spricht. Wenn nur ein relativ geringer Prozentsatz der Bevölkerung infiziert ist, kann die Zahl der falsch positiven Ergebnisse genauso groß oder auch größer sein als die der tatsächlich richtig positiven. Quarantänemaßnahmen, die daraus folgen, würden dann mehr Menschen treffen, die irrtümlich als infiziert gelten als tatsächlich Infizierte.

    Auch freiwillige Antigen-Selbsttests wurden bereits als Mittel gegen die Pandemie vorgeschlagen. Bei diesen ist jedoch fraglich, ob ein Aufruf dazu tatsächlich alle Bevölkerungsgruppen erreichen würde. Auch die Verfügbarkeit der Antigen-Tests ist ein Argument gegen Massentests. In kleineren Ländern wie Österreich oder der Slowakei sind derartige Aktionen leichter durchzuführen als in Deutschland, wo ein vielfach größere Zahl an Antigen-Test notwendig wäre, um große Teile der Bevölkerung zu testen.

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