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Corona-Krise - Crew-Wechsel auf der "Polarstern" steht bevor | BR24

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Audio: Vor einer Woche sind die Forschungsschiffe "Maria S. Merian" und "Sonne" von Bremerhaven aus Richtung Arktis aufgebrochen. Ihr Ziel: der Eisbrecher "Polarstern". Ein Anruf bei Expeditionsleiter Markus Rex zur aktuellen Lage.

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Corona-Krise - Crew-Wechsel auf der "Polarstern" steht bevor

Drift unterbrochen, verspätete Crew-Wechsel, neue Crew in Quarantäne: Der Zeitplan auf dem Forschungsschiff "Polarstern" hat sich aufgrund der Corona-Krise ordentlich verschoben, um sechs Wochen. Nun steht der nächste Crew-Wechsel an.

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Die Corona-Krise wirbelt auch die von langer Hand geplanten Abläufe der Arktis-Expedition Mosaic durcheinander. Die zweimonatigen Crew-Wechsel gestalteten sich zunehmend schwierig und mussten am Schluss ganz verschoben werden. So wurde zwar der Großteil der internationalen Crew am 1. April 2020 nach Bremen gebracht. Die neuen Expeditionsmitglieder sind seit 1. Mai 2020 in Quarantäne und nun erst mit den Schiffen" Sonne" und "Maria S. Merian" auf dem Weg zur "Polarstern", sechs Wochen nach Zeitplan.

Corona-Krise - Drift der "Polarstern" unterbrochen

Für den Austausch unterbricht die "Polarstern" ihre Drift für drei Wochen. Ende Mai 2020 kann die neue Crew nach drei negativen Coronavirus-Tests an Bord gehen und die alte Crew endlich nach Hause - wenn alles nach Plan läuft. Und der muss immer wieder an die Corona-Krise, die Eisbeschaffenheit und das Wetter im Polarmeer angepasst werden.

Freiberufler in Sorge um Folgejobs

So brach Unruhe unter den 73 internationalen Forschern aus, die Ende März 2020 die Heimreise antreten sollten. Erst verzögerte sich der Crew-Wechsel, dann durch dicke Eisschichten auch die Ankunft des Versorgungseisbrechers "Kapitan Dranitsyn", der sie zurückbringen sollte. "Die freiberuflichen Eisbärenwächter hatten Angst um ihre Folgejobs", sagt Fahrtleiter Christian Haas. Sie waren für Kreuzfahrtreisen gebucht gewesen. Doch die Corona-Krise machte ihnen einen weiteren Strich durch die Rechnung - durch die Streichung der Kreuzfahrten.

Hochzeit verschoben

Ein Kollege habe sogar wegen der verspäteten Rückkehr seine Hochzeit von Mitte März auf Anfang April 2020 verschoben, sagt Christian Haas. Dementsprechend eilig hatte es der Forscher, nach Hause zu kommen. "Aber Hochzeiten sind jetzt auch nicht mehr das, was sie mal waren", sagte Haas am 1. April resigniert, solange Zusammenkünfte verboten sind.

Forscher in Quarantäne

Sowohl die Forscher, die die "Polarstern" verlassen haben, als auch die, die neu an Bord gehen werden, mussten zwei Wochen in Quarantäne ausharren. Doch nun sind Expeditionsleiter Markus Rex und seine Kollegen per Schiff auf dem Weg zur "Polarstern". Wegen der Coronavirus-Pandemie konnte nicht wie geplant per Flugzeug gewechselt werden. Die Quarantäne-Maßnahme orientierte sich laut Rex an den Quarantäneregelungen für Weltraummissionen.

Erst musste jeder im Hotel in seinem Zimmer bleiben und bekam das Essen vor die Tür gestellt. Dann durften sich die neuen Expeditionsteilnehmer mit Abstand innerhalb des Hotels treffen. Insgesamt wurden sie dreimal auf das Coronavirus getestet.

Kein Social Distancing auf der Polarstern

Trotz des anstrengenden Hin und Hers in der Organisation der Crew-Wechsel freut sich Markus Rex darauf, bald wieder auf der "Polarstern" zu sein und weit weg vom Coronavirus. Da die Crew-Mitglieder in Quarantäne waren und dreimal negativ auf das neue Coronavirus getestet wurden, müssen sie an Bord der "Polarstern" nicht mehr auf Social Distancing achten:

"Wir werden ein virenfreies Team sein ohne Kontaktbeschränkungen. Wir können Partys feiern, wie das in dieser Form zu Hause noch nicht möglich ist." Markus Rex

Wie es den Forschern auf der "Polarstern" geht und wie die Mosaic-Expedition vorankommt, können Sie hier live miterleben. Geplant ist, dass die "Polarstern" am 12. Oktober 2020 wieder im Heimathafen einläuft. Zudem wurde am 17. April 2020 eine Fotografin des Alfred-Wegener-Instituts (AWI), Esther Horvath, mit dem renommierten "World Press Photo Award" in der Kategorie Umwelt ausgezeichnet. Sie hatte an der Mosaic-Expedition teilgenommen und zwei Eisbären fotografiert. Ende März 2020 lieferte ein Bohrkern, der auf einer früheren Forschungsreise der "Polarstern" am Südpol entnommen wurde, überraschende Hinweise auf einen prähistorischen Regenwald in der Antarktis.

© Esther Horvath

AWI-Fotografin Esther Horvath bekommt den "World Press Photo-Award 2020" in der Kategorie Umwelt für ein "Polarstern"-Foto.