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Ein einzigartiges Hotel, für Gäste, auf deren Bedürfnisse anderswo wenig oder gar nicht eingegangen wird. Ein Sehnsuchtsort für viele mit geistiger oder körperlicher Behinderung. Durch die Pandemie kämpft das Haus ums Überleben.

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Inklusionshotel in Altötting: Urlaub ohne Hindernisse

Urlaub im berühmten Wallfahrtsort Altötting: bei Gästen, die körperlich eingeschränkt sind, ist hier das "Inklusionshotel" der Caritas beliebt. Doch seit Corona kämpft das Haus ums Überleben.

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Von
  • Claudia Wörner
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Ein einzigartiges Hotel, für Gäste, auf deren Bedürfnisse anderswo wenig oder gar nicht eingegangen wird. Ein Sehnsuchtsort für viele mit geistiger oder körperlicher Behinderung. Durch die Pandemie kämpft das Haus ums Überleben.

Ideen und Wünsche, wie ein schöner Urlaub sein sollte, gibt es viele. Manche Menschen wollen sich einfach entspannen und in der Sonne liegen. Andere gehen lieber Wandern oder ins Museum. Das gilt natürlich auch für Menschen mit Behinderung. Wichtig ist dabei, dass es im Urlaub keine Hindernisse gibt.

Hotel mit Pflegebetten und Fahrservice

Der Wallfahrtsort Altötting hat genau das zu bieten: ein Hotel ohne Hürden. Das Haus der Caritas gibt es schon seit 30 Jahren. Geleitet wird es von Christian Randl. Er verspricht einen barrierefreien Urlaub mit Pflegebetten in allen Zimmern und Fahrservice. Fast alle Gäste haben eine Behinderung.

Finanzielle Krise durch Corona-Pandemie

Aber auch dieses Hotel ist wegen der Schließung im Corona-Lockdown in eine schwere Krise geraten. Christian Randl fürchtet um die Existenz des St.-Elisabeth-Hauses. Dabei wurden die 60 Zimmer erst für viel Geld behindertengerecht saniert, wie Christian Randl, der Leiter der Caritas-Einrichtung erzählt:

"Wir haben uns zur Aufgabe gemacht, dass wir es perfekt machen: Das wir höhenverstellbare Betten anbieten, dass wir Bäder anbieten, die barrierefrei sind, mit befahrbaren Duschen, Haltegriffen an den Duschen und dass die Zimmer natürlich so groß sind, dass man mit Hilfsmitteln arbeiten kann: mit dem eigenem Rollstuhl drehen kann und natürlich für Schwerstbehinderte, dass man mit einem Lifter arbeiten kann."

Die Sanierung kostete über eine Million Euro. Sie war gerade abgeschlossen, als die Corona-Pandemie begann und das Hotel schließen musste. Normalerweise gibt es 10.000 Buchungen pro Jahr – aus ganz Deutschland. Auch in anderen Städten Bayerns haben inzwischen Inklusionshotels eröffnet, wie etwa das erste Inklusionshotel in Regensburg sowie das Inklusionshotel in Augsburg.

Vieles geht hier leichter, sagen die Gäste

Ein Einzelzimmer mit Halbpension kostet 61 Euro. Irene Wimmi und ihre Tochter Veronika kommen schon seit zehn Jahren hierher. Das Haus hat ganzjährig geöffnet. Früher waren gemeinsame Urlaube eine echte Herausforderung. Im Inklusionshotel gehe vieles leichter, sagt Irene Wimmi: "Ich erhole mich deutlich besser hier, als wenn ich mit unserer Tochter sonst unterwegs bin. Vieles was ich sonst mitnehmen muss, ist einfach schon da. Das ist sehr entlastend und erleichternd."

Von Altötting aus unternehmen die Gäste Ausflüge nach Burghausen, Passau oder Berchtesgaden. Das Haus der Caritas bietet außerdem einen Hol- und Bringdienst an. Wer möchte, wird von Zuhause abgeholt und zum Hotel gebracht. "Wenn man gern Gäste im Haus hat und man weiß, wie‘s den Menschen zuhause geht, die die schönste Zeit des Jahres, die Urlaubszeit nicht wahrnehmen können, dann ist das keine schöne Zeit, sondern mit sehr viel Schwermut für einen selber verbunden", sagt Randl. In dieser Notlage entschied sich der Kreis-Caritasverband, das Haus zu retten. Damit der Betrieb im barrierefreien Hotel weitergehen konnte, wurde eine andere Immobilie verkauft.

Inklusionsbiergarten: Gäste mit und ohne Behinderung

Einmal pro Woche treffen im Inklusionsbiergarten die Hotelgäste auf Bürgerinnen und Bürger aus Altötting und feiern gemeinsam. "Ich würde mir überlegen, ob ich mit meiner Tochter in einen normalen Biergarten gehen würde. Wahrscheinlich würde auch sie sagen: Das interessiert sie eigentlich nicht so sehr", sagt Irene Wimmi. "Aber hier draußen zu sein, in der Gemeinschaft, mitzukriegen, wie die Leute gut drauf sind, das mag sie durchaus."

Anfangs war nicht klar, ob die Altöttinger den Inklusionsbiergarten annehmen würden. Inzwischen aber feiern sie auch mal ihre Geburtstage im Hotelgarten oder sind sogar Stammgäste.

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