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Handball-Bundesliga: Erlangens Kampf um den Neustart vor Fans | BR24

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Nach dem Abbruch der letzten Saison startet die Handball-Bundesliga wieder vor Publikum. Für den HC Erlangen ein dringend notwendiger Schritt. Die Corona-Krise hat viele Vereine hart getroffen. Auf Dauer geht es für sie ums finanzielle Überleben.

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Handball-Bundesliga: Erlangens Kampf um den Neustart vor Fans

Nach dem Abbruch der letzten Saison startet die Handball-Bundesliga wieder vor Publikum. Für den HC Erlangen ein dringend notwendiger Schritt. Die Corona-Krise hat viele Vereine hart getroffen. Auf Dauer geht es für sie ums finanzielle Überleben.

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Das Spiel ist vorbei, die Spieler vom Feld - aber die Fans stehen immer noch und klatschen. Unten am Spielfeldrand steht René Selke und kann sein Glück kaum fassen. "Es fallen viele Steine vom Herzen! Das war Wahnsinn!" Selke ist der Geschäftsführer des Handball-Bundesligisten HC Erlangen und in dem Moment unentschlossen, was mehr Superlative verdient. Dass sein Team den ersten Saisonsieg geschafft hat gegen den Favoriten aus Melsungen, oder dass 1.720 Fans dabei in der Nürnberger Arena zuschauen konnten. Darum hat er Monate lang gekämpft und ein Team des Bayerischen Rundfunk hat ihn und den Verein für die Serie #Neustart dabei begleitet.

"Wir wollen überleben!"

Das erste Treffen Mitte August. Die Geschäftsstelle ist eine Hinterhofadresse in Erlangen. Kein repräsentativer Glamour wie im Spitzenfußball, eher grauer Büropragmatismus. Der Verein hat kürzlich einen Hygienebeauftragten eingestellt und arbeitet an Hygienekonzepten. Sie wollen vorbereitet sein, falls der Spielbetrieb vor Publikum doch möglich sein wird. Zu diesem Zeitpunkt ist das nicht möglich. Und die Infektionszahlen steigen schon wieder an.

"Wir wollen da jetzt gar nicht die Riesenevents, sondern wir wollen einfach überleben!" René Selke, Geschäftsführer des Handball-Bundesligisten HC Erlangen

Die Handball-Bundesliga machte in der Saison vor Corona einen Umsatz von 110 Millionen Euro. Die Fußball-Bundesliga spielt in ganz anderen Dimensionen mit einem 35 Mal so hohen Umsatz. Und auch die Einnahmen der Handballvereine aus Medienverträgen sind deutlich geringer - machen gerade einmal drei Prozent aus. Nur Krümel am Kuchen. "Es braucht einfach die Zuschauer in der Halle", sagt Selke. Zuschauer, die Geld in die Kasse bringen.

Kader in Kurzarbeit

Und auch sportlich steht der HC vor einer Herausforderung. Die vergangene Saison wurde abgebrochen. Der HC landete auf dem 14. Platz. Eine Tabellenregion, die der Verein in dieser Saison verlassen möchte. Doch die Spieler waren in Kurzarbeit, gemeinsames Training bis Mitte August nicht möglich. Der neue Trainer Michael Haaß nennt das schlicht: "übel".

Und es wird erstmal nicht besser. Der neue Hoffnungsträger Steffen Fäth verletzt sich in der Vorbereitung. Der Neuzugang und Europameister von 2016 möchte in Erlangen nochmal durchstarten, doch beim ersten Heim-Testspiel kann er nur zuschauen – auf der Tribüne einer kleinen Sporthalle in Erlangen. Sieht so die nahe Zukunft des Spitzenhandballs aus? Sollte kein Publikum zum Saisonstart zugelassen werden, überlegt der Verein auf kleinere Hallen auszuweichen, um sich die Miete für die Bundesliga-Arena in Nürnberg zu sparen.

Der Corona-Krimi

Im August sieht es noch ganz danach aus – die Bundeskanzlerin Angela Merkel deutet damals eine Arbeitsgruppe der Länder an, die bis Ende Oktober Vorschläge für den Spitzensport erarbeiten soll. Bis dahin soll es keine Zuschauer bei Sportveranstaltungen geben, also auch nicht beim ersten Heimspiel des HC Mitte Oktober. Die Aussicht auf Lockerungen im November ist damals nur ein Hoffnungsschimmer für den Verein. "Ein neuer Schritt in dem Corona-Krimi", meint René Selke, "wir sind weiterhin mittendrin."

Im September geht es plötzlich schneller als angekündigt. Die Länder geben grünes Licht für eine maximal 20 prozentige Auslastung von Hallen und Stadien im Spitzensport. Für den HC Erlangen heißt das: Im Heimspiel gegen die MT Melsungen können 1.720 Dauerkartenbesitzer auf die Tribünen.

Spieltag drei in der Liga. Bisher konnten fast alle Clubs zuhause mit Publikum antreten, nur die Rhein-Neckar Löwen und der Bergische HC nicht. Mit blauen Seilen sperren die HC-Mitarbeiter Plätze und Ränge ab – Abstand, Absperrungen. Es muss alles passen, beim ersten Spiel mit Fans seit mehr als einem halben Jahr. Geschäftsführer René Selke steht neben dem Spielfeldrand und ist nervös:

"Darauf haben wir jetzt Wochen und Monate hingearbeitet." René Selke, Geschäftsführer des Handball-Bundesligisten HC Erlangen

Am Ende wird sein Team überraschend deutlich gegen den Favoriten gewinnen. Für das finanzielle Überleben des Vereins ist aber an diesem Abend viel wichtiger: Ein Handball-Spiel vor Zuschauern ist möglich. Ein wichtiger Schritt, auch wenn steigende Infektionszahlen in vielen Regionen schon wieder Geisterspiele wahrscheinlicher werden lassen. Und: Mit nur 20 Prozent Hallenbelegung wird der Verein auf Dauer trotzdem nicht überleben können.