Mark Zuckerberg
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Meta-Chef Mark Zuckerberg hat durch den Börsensturz der Meta-Aktie 29 Milliarden Dollar verloren.

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    Börsenkurs eingebrochen: Fünf Gründe für die Meta-Krise

    Börsenkurs eingebrochen: Fünf Gründe für die Meta-Krise

    Die Meta-Aktie hat an einem Tag so viel an Wert verloren wie nie zuvor. Es gibt fünf Gründe, warum Mark Zuckerbergs Konzern gerade in der Krise steckt. Für einen Abgesang auf Meta ist es aber noch zu früh.

    Einen solchen Verlust gab es noch nie innerhalb eines Tages: Am Donnerstag verlor die Meta-Aktie 26 Prozent ihres Werts, in absoluten Zahlen waren das 251 Milliarden Dollar. Der Kurseinbruch hat viel mit der Quartalszahlen zu tun, die Meta-Chef Mark Zuckerberg am Mittwoch vorgestellt hatte. Womit wir bei den fünf Gründen wären, warum Meta gerade kriselt.

    1. Stagnierende Nutzerzahlen

    Bislang war Facebook - wie Meta bis Oktober 2021 hieß - eine einzige Wachstumsgeschichte: Fast jährlich kamen überall auf der Welt neue Nutzer dazu. Damit scheint jetzt Schluss zu sein. Die Zahl täglich aktiver Mitglieder auf Facebook sank binnen drei Monaten um rund eine Million. Das mag angesicht von weiterhin 1,929 Milliarden Nutzer täglich aktiver Nutzer ein marginaler Rückgang sein - und doch zeigt es nach 18 Jahren ununterbrochenem Wachstum: Facebook stagniert. Auch, weil es bei jungen Leuten nicht mehr als cool gilt. Facebook droht nun ein negativer Netzwerkeffekt: Wenn die Freunde anfangen, ein Netzwerk zu verlassen, macht man das selbst auch.

    2. Konkurrenz durch TikTok

    Über Wachstumszahlen, wie sie früher Facebook hatte, kann sich jetzt die Kurzvideo-Plattform TikTok freuen. Der chinesische Konzern nahm im vergangenen Jahr die symbolisch wichtige Marke von einer Milliarde Nutzern weltweit. Vor allem bei jungen Leuten um die 20 oder jünger ist TikTok sehr beliebt. Kein Wunder, dass Meta-Chef Zuckerberg TikTok mittlerweile als Hauptkonkurrenten sieht. Auf Instagram - der "jüngsten" Plattform im Meta-Konzern versucht Zuckerberg mit der Kurzvideo-Funktion "Reels" die Abwanderungsbewegung in Richtung TikTok zu stoppen (und Werbeeinnahmen zu behalten) - bislang aber offenbar ohne durchschlagenden Erfolg.

    3. Apple beschränkt Nutzer-Tracking

    Das Geschäftsmodell von Meta beruht auf Anzeigeneinnahmen. Damit Meta auf seinen Diensten personalisierte Anzeigen ausspielen kann, braucht es möglichst viele Nutzungsdaten. Deswegen ist es für Meta ärgerlich, dass Apple seit April 2021 iPhone und iPad-Nutzer fragt, ob sie anderen Apps - wie Facebook - Tracking erlauben. Das lehnen viele Nutzer offenbar ab, was dazu führt, dass Facebook viel weniger personalisierte Nutzungsdaten bekommt. Je weniger Daten Meta sammeln kann, desto ungenauer wird die Werbung und desto weniger Geld geben Unternehmen dafür aus. Meta-Finanzchef David Wehner spricht von einem Einnahmeverlust von gut zehn Milliarden Dollar durch Apples Tracking-Einschränkung. Auch für 2022 erwartet er dadurch Schäden fürs Anzeigen-Geschäft.

    4. Riskante Metaversum-Pläne

    Weil die bisherigen Geschäftsmodelle nicht mehr so gut wie früher laufen, versucht Mark Zuckerberg neue Geschäftsfelder zu erschließen - und glaubt im Metaversum, einer neuen virtuellen Welt, fündig geworden zu sein. In 10 bis 15 Jahren könnte das Metaversum Zuckerberg zufolge das nächste große Ding sein. Anfangs sind aber immer erst mal ordentliche Investitionen nötig, alleine 2021 machte die "Reality Labs" genannte Metaversum-Sparte zehn Milliarden Dollar Verlust, 2022 wird es vermutlich noch mehr. Doch die virtuelle Realität (VR) ist nach vor ein Nischenthema, und es ist noch total offen, ob VR jemals Mainstream wird. Und damit ist auch offen, ob Meta mit VR-Brillen und Co. das große Geld verdienen kann. Zuckerberg geht hier eine große und riskante Wette ein.

    5. Ärger mit Politik und Justiz

    Sowohl Justiz als auch Politik haben Meta schon länger im Visier. Sowohl in den USA als auch in Europa gibt es Vorwürfe, Meta haben auf dem Kommunikationsmarkt eine Monopolstellung. Der US-Kongress bereitet schärfere Kartellgesetze vor, immer wieder ist von einer Zerschlagung des Meta-Konzerns die Rede. Meta dürfte es so gut wie unmöglich sein, in den kommenden Jahren andere Unternehmen aufzukaufen. Außerdem laufen in den USA mehrere Ermittlungsverfahren gegen Meta. Generalstaatsanwälte und Handelskommission FTC untersuchen, ob das Unternehmen wettbewerbswidrig gehandelt hat. Die EU will schließlich mit dem Digital Markets Act die Marktmacht von großen "Gatekeeper"-Plattformen wie Facebook beschränken und für mehr Wettbewerb sorgen.

    Für einen Abgesang ist es zu früh

    Auch wenn Meta gerade mit einer Menge Probleme zu kämpfen hat: Für einen Abgesang ist es noch zu früh. Kursschwankungen gehören zur Börse dazu, auch die Meta-Aktie hat sich schon von mehreren Kurseinbrüchen erholt. Außerdem ist der Konzern immer noch profitabel: Der Gewinn lag 2021 bei 39,3 Milliarden Dollar - was einem Plus von 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

    Und schließlich hat Meta mit seinen Marken Facebook, Instagram und WhatsApp immer noch eine eine unglaublich große Verbreitung: 2,82 Milliarden Menschen nutzen täglich mindestens einen dieser Dienste täglich, sogar 3,6 Milliarden Menschen zumindest einmal im Monat - so viele wie nie zuvor.

    (mit Informationen von Marcus Schuler, BR-Korrespondent im Silicon Valley)

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